«Ich bin nicht so tot, wie viele glauben»

Davide Callà könnte von seinen Qualitäten her Nationalspieler sein. Doch Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. Im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt der Winterthurer, wie er seine Karriere in Aarau neu lancieren will.

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Davide Callà, der FC Aarau ist Leader in der Challenge League. Überrascht Sie das?
Nein, überhaupt nicht. Bei uns stimmt zurzeit wirklich alles.

Weshalb?
Die Chemie stimmt, die Automatismen funktionieren schon recht gut. Wir haben eine homogene Mannschaft, die aus einer guten Mischung besteht. Wir haben junge, freche und unbekümmerte Spieler. Dazu kommen erfahrene Leute.

Wie würden Sie Ihre Rolle im Aarauer Kollektiv beschreiben?
Ich bin nun schon fast 28 Jahre alt. Ich bin lange im Geschäft und möchte meine Erfahrung einbringen, ein Leader sein und den jungen Spielern helfen, sich weiterzuentwickeln.

Welches Spielsystem praktiziert der FC Aarau?
Wir haben eine Viererabwehrkette, davor operieren wir mit zwei defensiven Mittelfeldspielern. Im Dreiermittelfeld kommt einer über rechts, einer über die linke Seite. Und der zentrale Mann spielt hinter der einzigen Sturmspitze. Es ist also ein 4-2-3-1-System.

Früher spielten Sie vorwiegend auf der rechten Seite. Jetzt agieren Sie als Rechtsfüsser im linken Couloir. Ist das eine Umstellung?
Eigentlich nicht. Ich habe bisher in acht Partien vier Tore erzielt und einen Assist beigesteuert. Würde ich auf links spielen, wären es wohl vier Assists und ein Tor.

Weshalb?
Wenn ich von der linken Seite nach innen ziehe, habe ich den Ball auf meinem stärkeren rechten Fuss und kann somit vermehrt den direkten Abschluss suchen.

Ihr rechtes Bein war ja einmal Ihre grosse Schwachstelle.
Ja, leider. Ich musste dort vier Knieoperationen über mich ergehen lassen. Das war eine harte Zeit. Dadurch hat man mir einen Stempel aufgedrückt.

Wie meinen Sie das?
Ich bin ein Gebrandmarkter. Ich war für viele nur noch der Dauerverletzte, den man nicht mehr gebrauchen kann. Viele denken, ich sei aufgrund der Verletzungen kein verlässlicher Partner mehr. Das schmerzt. Denn ich habe in meinem rechten Knie seit 2010 überhaupt kein Problem mehr. Ich habe keine Beschwerden oder gar Schmerzen und kann das Gelenk seit zwei Jahren voll belasten.

Trotzdem haben Ihnen die Grasshoppers keinen Vertrag mehr gegeben. Weshalb?
Im letzten Jahr hatte ich wirklich Pech. Ich erlitt einen Leistenbruch und fiel ein halbes Jahr aus. Ich konnte dann meine Leistungen nicht bringen. Trotzdem war ich natürlich riesig enttäuscht, dass auch GC nicht mehr an mich glaubte und mir keinen Vertrag mehr gab. Denn von der körperlichen Verfassung her war und bin ich wieder topfit.

Das haben Sie jetzt mit hervorragenden Leistungen in Aarau auch tatsächlich unterstrichen.
Es ist für mich eine zusätzliche Motivation, dass mich viele schon abgeschrieben haben. Ich möchte jenen Menschen zeigen und beweisen, dass ich nicht so tot bin, wie sie glauben. Es gab aber auch Menschen, die noch an mich glaubten.

Wen meinen Sie?
Murat Yakin wollte mich unbedingt zum FC Luzern holen. Doch die Verantwortlichen haben kategorisch abgewunken, weil ich offenbar immer noch ein Verletzungsrisiko darstelle. Das hat mich ebenfalls tief getroffen. Zum Glück gehörte Aaraus Trainer René Weiler zu den wenigen, die noch an mich glaubten. Er hat mir eine neue Chance gegeben, die ich unbedingt nutzen will.

Was ist René Weiler für ein Trainer?
Er ist hart und konsequent. Er fordert viel und fördert aber auch seine Spieler. Bei René hat jedoch jeder eine faire Chance. So schürt er den Konkurrenzkampf.

Was Sind Ihre Ziele für die Zukunft?
Ich will noch ein paar Jahre Fussball spielen und wieder zurück in die Super League.

Haben Sie in Ihrem Vertrag eine Aufstiegsklausel, falls sich ein Super-League-Verein meldet?
Wenn ich meine bisherigen Leistungen bestätigen kann und sich in der Winterpause eine Möglichkeit ergibt, dann wäre man in Aarau gesprächsbereit. Das haben wir so vereinbart.

Eine andere Möglichkeit wäre der Aufstieg mit Aarau.
Ja, natürlich, aber wir hüten uns, das Wort Aufstieg in den Mund zu nehmen. Wir setzen uns nicht unnötig unter Druck, sondern schauen nur von Spiel zu Spiel.

Erstellt: 05.09.2012, 11:16 Uhr

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(Bild: Keystone )

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