«Ich habe einen gravierenden Fehler gemacht»

Ex-FCZ-Stürmer Adrian Nikci hat den Durchbruch in Hannover nicht geschafft und schwere Zeiten hinter sich. Er spricht über Gründe, Rückschläge, Zukunftsplanung und das Schicksal von Michael Schumacher.

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Adrian Nikci, Tayfun Korkut, der Nachfolger des in Hannover entlassenen Trainers Mirko Slomka, hat Sie nach dem Vorbereitungstrainingscamp für die neue Saison ausgemustert. Weshalb?
Das ist so nicht richtig. Das haben die Medien in Deutschland so rübergebracht und in der Schweiz wurde es einfach übernommen.

Was ist denn die Wahrheit?
Richtig ist, dass ich den Verein um meine Freigabe gebeten habe.

Weshalb?
Im Trainingslager musste ich vorwiegend links oder rechts hinten spielen. Das ist für mich als Offensivspieler nicht meine Position. Dann wurde ich in drei Testspielen gerade mal 20 Minuten eingesetzt. Da wurde mir immer klarer, dass ich keine Chance haben würde.

Würden Sie das so interpretieren, dass Sie keine Chance hatten, weil Sie nie eine echte Chance erhielten?
Das ist so. Ich möchte keine Ausreden suchen, aber ich hatte keine faire Chance. Ich hatte das ungute Gefühl, dass auch Manager Dirk Duffner nicht mehr wirklich auf mich setzte. Deshalb habe ich auch die Konsequenzen gezogen und Trainer Tayfun Korkut um eine Freigabe gebeten. Er hat mir sofort zugestimmt und mir offen und ehrlich gesagt, dass ich bei ihm nicht erste Wahl sei. Das war dann die klare Antwort, die ich auch wollte.

Aber auch unter Mirko Slomka haben Sie den Durchbruch nicht geschafft. Weshalb?
In meiner Anfangszeit lief es in Hannover hervorragend. Doch dann erlitt ich im Oktober 2012 eine Hirnhautentzündung, die mich ziemlich aus der Bahn warf.

Aber irgendwann waren Sie ja wieder gesund. Doch den Anschluss haben Sie dann trotzdem nicht geschafft. Wie kam das?
Ich habe einen gravierenden Fehler gemacht.

Und der war?
Mein unbändiger Ehrgeiz hat mich dazu getrieben, so schnell wie möglich wieder ins Training einzusteigen. Aber dafür musste ich bitter bezahlen. Mein Körper war einfach noch nicht so weit. Und schon ereilte mich der nächste gesundheitliche Rückschlag.

In welcher Form?
Ich erlitt eine Entzündung in der Speiseröhre und konnte mich deshalb nicht mehr richtig ernähren. Dazu kamen ein paar kleinere Verletzungen, die ebenfalls nicht förderlich waren. Aber wenn ich an den im Skiurlaub so schwer verunfallten ehemaligen Formel-1-Fahrer Michael Schumacher denke, der immer noch im künstlichen Koma gehalten werden muss, dann sind das alles Peanuts, dann jammern wir auf einem sehr hohen Niveau.

Wie fühlen Sie sich heute?
Ich bin gesund, psychisch und physisch wieder voll belastbar. Ich habe in der Vorbereitung mit Hannover immer Vollgas gegeben. Und jetzt trainiere ich mit der U-23, die, sie werden es kaum glauben, noch öfter trainiert als die Profimannschaft.

Können Sie sich auch eine Rückkehr in die Schweiz vorstellen?
Selbstverständlich. Der Schweizer Fussball braucht sich vor niemandem zu verstecken. Wichtig ist für mich jetzt, dass ich so schnell wie möglich wieder Spielpraxis auf einem guten Niveau sammeln kann. Und das kann durchaus auch in der Schweiz sein.

Stehen Sie bereits mit Clubs in Verhandlungen?
Mein Berater Dino Lamberti klärt für mich verschiedene Möglichkeiten ab. Wenn es passt, wird es konkret.

Was heisst denn für Sie «passt»?
Es muss ein Verein mit Ambitionen sein. Ich will Erfolg haben und diesem Verein helfen.

Erstellt: 24.01.2014, 13:01 Uhr

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