Interview

«Ich habe sie auch nach ihren Ängsten gefragt»

Sions neuer Coach Raimondo Ponte führte ein völlig verunsichertes Team aus der Krise. Der Aargauer erklärt seine Methoden, und ob ihm Präsident Christian Constantin schon eine Vertragsverlängerung angeboten hat.

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Raimondo Ponte. Sion war ein Serienverlierer, kassierte sieben Niederlagen in der Meisterschaft und eine im Cup. Zuletzt hat Ihre Mannschaft aber sogar Titelanwärter wie YB und Luzern mit 3:0 sowie 3:2 bezwungen. Sind Sie ein Zauberer?
Nein, überhaupt nicht. Das bin ich sicher nicht.

Aber die einst völlig verunsicherte Mannschaft wirkt plötzlich wie ausgewechselt und mental stark. Wie haben Sie das geschafft?
Nicht ich, sondern die Spieler haben das in erster Linie geschafft. Sie glauben wieder an sich und ihre Fähigkeiten.

Aber das muss auch das Verdienst des Trainers sein.
Ja gut, wenn Sie meinen. Ich habe eingehend mit dem Team gesprochen und auch immer wieder und sehr viele Einzelgespräche geführt. Ich bin individuell auf die verschiedenen Charaktere eingegangen, habe sie auch nach ihren Ängsten und Problemen gefragt, um herauszufinden, was sie allenfalls belastet. Damit wollte ich eine gewisse mentale Blockade lösen.

Wie sahen diese Ängste aus?
Ins Detail dieser Gespräche möchte ich nicht gehen, das bleibt intern, das ist vertraulich. Nur so viel: Wir haben eine Multikultitruppe. Es kommen nicht viele von hier. Aber auch sie möchten sich im Wallis heimisch und anerkannt fühlen. Ich habe ihnen erklärt, sie könnten Anerkennung nur mit Leistung und Solidarität untereinander erlangen. Aber dazu gehören nicht nur elf Spieler, dazu gehört jeder einzelne, der im Kader steht und bei Sion unter Vertrag ist.

Erklären Sie uns das genauer.
Sehen Sie, vor dem Spiel gegen Luzern habe ich den Spielern, die nicht in der Startformation standen, gesagt, dass sie im Verlaufe der Partie möglicherweise wichtiger werden könnten als jene, die beginnen. Tatsächlich ist es dann auch so gekommen. Die Joker Léo und Pa Modou haben gestochen und die Wende nach einem 1:2-Rückstand gebracht. Aber solche Ansagen brauchen auch immer etwas Glück.

Wie meinen Sie das?
Für einen Trainer ist es wichtig, dass das eintrifft, was er auch sagt. Aber wenn nie etwas passiert, dann geht der Glaube langsam, aber sicher bei allen Beteiligten irgendwie verloren. Das ist nun einmal so.

Ihr Präsident Christian Constantin hat bisher 39 Trainer vorzeitig verabschiedet, manche waren nicht einmal ein paar Wochen im Amt. Sie haben vorerst einen Vertrag bis Ende Saison. Hat ihnen Constantin nach den beiden Erfolgen gegen YB und Sion schon eine Vertragsverlängerung angeboten?
Nein, das hat er nicht. Er hat ja auch keinen Grund dazu. Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Wir haben schon am Mittwoch das Heimspiel gegen Aarau und am Sonntag die Auswärtspartie in Zürich gegen GC auf dem Programm. Es sind ja noch 13 Runden zu absolvieren. Dann wird der Präsident sicher eine erste Bilanz ziehen. Aber ich habe ja schon bei meinem Amtsantritt im Wallis erklärt, dass ich Erfolg haben muss, ansonsten meine Mission hier sehr schnell beendet ist.

Inwieweit mischt sich Constantin operativ, beispielsweise in die Mannschaftseinstellung, ein?
Bisher überhaupt nicht. Das ist kein Thema. Er sitzt auch nicht auf der Bank. Aber er kann als Chef tun und lassen, was er will. Das ist sein gutes Recht.

Erstellt: 12.03.2014, 11:19 Uhr

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