Interview

«Ich sah vier gravierende Fehler»

Der ehemalige Spitzenschiedsrichter Urs Meier kritisiert die Leistung des ungarischen Unparteiischen nach dem Sieg von Bayern München gegen Barcelona.

«Die ersten beiden Hands im Barça-Strafraum sind zwei Penaltys»: Der ehemalige Spitzenschiedsrichter Urs Meier im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

«Die ersten beiden Hands im Barça-Strafraum sind zwei Penaltys»: Der ehemalige Spitzenschiedsrichter Urs Meier im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

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Urs Meier, was denken Sie über die Leistung des Schiedsrichters nach dem 4:0 in München?
Ich bin irritiert. Ich kenne Schiedsrichter Viktor Kassai sehr gut. Er war vor der Euro 2012 unter den Referees die Nummer 1 der Welt. Die Bayern und auch Barça waren vor dem Spiel froh, dass er die Leitung übernimmt. Ich war überrascht von der fehlerhaften Leistung.

Vor allem die spanischen Medien ärgern sich.
Es gab zu viele Fehlentscheide in den entscheidenden Szenen. Ich sah vier gravierende Fehler, das ist viel zu viel – in einem bedeutenden Spiel. Die Fussballer auf dem Platz gehören zur Weltspitze, die Schiedsrichter sollten aber auch Weltspitze sein. Klar, kann man nicht alles sehen, das liegt in der Natur des Sports, aber so viele Fehler sind eindeutig zu viel.

Dante hat sich beim 1:0 als Passgeber aufgestützt.
Das ist sehr schwierig zu bewerten. Ob tatsächlich eine Behinderung vorliegt, ist schwer zu sagen. Er legt die Arme über die Schulter, ja. Streng genommen, kann man das pfeifen.

Eindeutig ist die Szene mit Gomez, beim 2:0 steht er im Abseits.
Das ist nicht der Fehler des Schiedsrichters. Der Assistenzschiedsrichter muss das sehen, das ist eigentlich eine einfache Entscheidung.

Auch das 3:0 hätte nicht zählen dürfen. Robben kommt ungehindert zum Torschuss, weil Müller sich Alba in den Weg stellt. Ein Foul.
Im Eishockey wäre es ein schöner Check, aber wir sind ja nicht im Eishockey.

Den Bayern muss man aber zugutehalten, dass sie auch zwei Elfmeter verdient hätten.
Ja, die ersten beiden Hands im Barça-Strafraum sind zwei Penaltys. Der Arm geht in beiden Szenen raus, beim ersten Mal sieht man das sehr gut. Der Verteidiger dreht sich, macht sich breit und was entscheidend ist: Der Arm behält die Spannung, er gibt dem Druck vom Ball nicht nach.

Der Torrichter wäre für solche Entscheide vorgesehen.
Das System mit dem Torrichter funktioniert nicht, es bringt nur Unsicherheit. Das kann man wieder abschaffen. Der Schiedsrichter verlässt sich auf ihn, das ist falsch. Zu viele Köche verderben den Brei. Der Schiedsrichter muss auch im Strafraum die volle Kompetenz haben.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.04.2013, 08:53 Uhr

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