«Ich verspüre Doumbia gegenüber eine Verantwortung»

YB-CEO Stefan Niedermaier spricht über seine besondere Beziehung zu Seydou Doumbia, den Wert von Trainer Vladimir Petkovic und die Chancen und Tücken der Champions League.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Bund: YB ist derzeit das Gesprächsthema in der Stadt und Region Bern. Wie erleben Sie den Rummel um den Klub?
Stefan Niedermaier: Es ist eine wunderbare Situation. Es ist der Lohn für die harte Arbeit, welche das Team, der Betreuerstab und das ganze Umfeld in den letzten Monaten geleistet haben. Doch ich bin mittlerweile lange genug in diesem Geschäft, um zu wissen, wie schnell die Gemütslage wechseln kann. Fussball ist nun mal ein Wochengeschäft.

Am grössten ist der Rummel um Seydou Doumbia. Was unternehmen Sie, um den scheuen und zurückhaltenden Topskorer vor den Medien, Spielerberatern und Einflüsterern zu schützen?
Doumbia ist sehr diszipliniert im Umgang mit seiner Karriere. Er hat sein Umfeld, auf das er hört und mit dem er übereingekommen ist, bis zum Saisonende bei YB zu bleiben.

Wer gehört zu diesem Umfeld?
Sein erster Ansprechpartner Olivier Koutoua, der die Fussballschule in Abidjan führt. Wichtig ist für ihn auch sein Berater in der Schweiz. Im Team sind Thierry Doubai und Youssouf Traoré seine besten Kumpel. Diese drei stecken oft die Köpfe zusammen.

Laut «NZZ am Sonntag» bezeichnet Doumbia Sie als Vertrauensperson innerhalb des Vereins.
Ich verspüre Doumbia gegenüber eine Verantwortung. Ich weiss auch, dass es ihm bei uns gefällt und er mit uns unbedingt etwas gewinnen will.

Sie haben sich bisher immer gegen einen Verkauf von Doumbia ausgesprochen. Spätestens im nächsten Sommer werden Sie ihn nicht mehr halten können.
Was im Sommer ist, werden wir sehen. Die Entscheidung, dass er in dieser Saison bleibt, ist mit Seydou, Vladimir Petkovic, Alain Baumann den Aktionären und mir getroffen worden. Daran halten wir uns.

Seydou Doumbia ist für YB der eine Glücksfall. Der andere ist Trainer Vladimir Petkovic. Wie würden Sie den Kroaten charakterisieren?
Er ist ruhig, bescheiden, authentisch, und er hat eine gesunde Autorität.

Petkovic ist wie Sie eine starke Persönlichkeit. Gibt das keine Reibereien?
Wir kommen tipptopp miteinander aus.

Sie möchten Petkovic längerfristig binden. Wann unterschreibt er einen neuen Vertrag?
Wir sind uns seit längerem einig, dass wir den Vertrag verlängern wollen. In der Winterpause wollen wir die Gespräche abschliessen.

Viel Werbung in eigener Sache gemacht hat in dieser Vorrunde auch Gilles Yapi, dessen Vertrag Ende Saison ausläuft. Wie gross ist die Chance, dass Yapi den Vertrag bei YB verlängert?
Auch mit ihm werden wir in der Winterpause über eine Vertragsverlängerung sprechen. Wie Doumbia fühlt sich Yapi sehr wohl in Bern.

Sein neuer Vertrag wird den Klub wie jener von Trainer Vladimir Petkovic einiges mehr kosten.
Wir kommunizieren keine Zahlen. Wichtig ist, dass das Gesamtpaket stimmt.

Welcher Spieler hat Sie persönlich am meisten überrascht während der Vorrunde?
Ich möchte nicht über einzelne Akteure reden. Jeder hat seinen Platz gefunden innerhalb der Gruppe. Das ist das Wichtigste.

Erfolg weckt immer Begehrlichkeiten seitens der Spieler: Wie stark partizipieren die Spieler am Erfolg?
Erfolg ist im Fussball wichtig und wird auch entsprechend belohnt. Wenn die Spieler Erfolge feiern, partizipieren sie auch daran. An den Spielen wie auch beim Gewinn eines Titels.

Die Young Boys haben eine Runde vor der Winterpause sieben Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Basel. Für die Fans ist klar: YB wird im nächsten Sommer die Qualifikation für die Champions League bestreiten.
Bisher haben wir mit Ausnahme des Wintermeistertitels, mit dem wir uns nichts kaufen können, noch gar nichts gewonnen. Es wäre fatal, wenn wir jetzt abheben würden.

Hand aufs Herz: Die Vorzeichen stehen gut, dass YB am Saisonende zumindest Tabellenzweiter ist und damit die Qualifikation für die Champions League bestreiten kann?
Wir haben in den letzten vier Jahren ein Umfeld und eine Mannschaft aufgebaut, mit der wir uns an die nächste Hürde heranwagen dürfen.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa schwärmt in höchsten Tönen von der Champions League. Wie beurteilen Sie selbst die Königsliga im europäischen Klubfussball?
Bevor wir von der Meisterschaft der Meister reden, müssen wir uns für diese qualifizieren. Aber es ist klar: Wir möchten nächstes oder übernächstes Jahr in der Champions League mitmachen.

Die Champions League ist zwar finanziell ein Segen. Doch sportlich ist sie eher ein Fluch für kleinere Klubs. Basel und Zürich haben in den letzten zwei Jahren in der Meisterschaft gebüsst für die Auftritte in der Champions League.
Kein Klub in der Schweiz kann es sich leisten, ein Team für die nationale Meisterschaft und ein Team für den internationalen Wettbewerb aufzustellen. Entsprechend gross ist der Kräfteverschleiss.

YB hatte noch nie so viele Zuschauer wie diese Saison. Welchen Wert strebt der Verein mittelfristig an?
Für diese Saison kalkulierten wir mit einem Zuschauerschnitt von 19 000. Nun sind es nach acht Spielen rund 23'500. Wir haben mit unserer erfolgreichen und attraktiven Spielweise einen richtigen Flächenbrand entfacht. Nun müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um das Feuer am Lodern zu halten.

Erstellt: 04.12.2009, 14:23 Uhr

Kommentare

Blogs

Sweet Home Willkommen im Weihnachtswunderland

Mamablog Zur Erholung ins Büro?

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...