«Ich wechsle zu GC»

Aarau bestreitet gegen Sion die Barrage. Torjäger Shkelzen Gashi und Captain Sandro Burki sprechen im Doppelinterview über ihre Gefühlslage und das drohende Ende von Servette in der Super League.

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Sandro Burki, Sie sind Captain von Aarau. Wie stolz sind Sie nach dem 7:0-Sieg gegen Etoile Carouge auf ihre Mannschaft?
Ich bin sehr stolz. Das Erreichen der Barrage ist für uns die Krönung einer fantastischen Saison.

Shkelzen Gashi, was macht Aarau in dieser Saison so stark?
Trainer René Weiler hat uns schon vor der Saison gesagt, dass wir nur über das Kollektiv Erfolg haben können. Bei uns rennt buchstäblich jeder für jeden. Jeder stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Man darf nicht vergessen, dass wir die zweitjüngste Mannschaft in der Challenge League haben.

Wie gross ist Ihr Anteil an diesem Erfolg?
Gut, ich habe 17 Tore geschossen und dazu 16 Assists beigesteuert. Aber das ist mir nur gelungen, weil ich von hervorragenden Mitspielern unterstützt wurde und wir ein starkes Kollektiv haben, das immer funktioniert hat. Das war der Schlüssel zu unserem Erfolg.

Sandro Burki, heute Nachmittag will der Verband kommunizieren, ob Servette keine Lizenz für die Super League erhält. Was erhoffen Sie sich?
Ich würde lieber sportlich als am grünen Tisch aufsteigen. Falls Servette keine Lizenz erhält, bliebe Sion in der Super League und wir würden aufsteigen. Dann müsste die Barrage nicht mehr ausgetragen werden.

Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet haben aber ergeben, dass Servette gegen einen allfälligen Lizenzentzug für die Super League noch den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne anrufen könnte. Dann müssten die Barrage-Spiele ausgetragen werden.
Wie auch immer, wir sind gerüstet.

Shkelzen Gashi, wo liegt der Vorteil für Aarau im Spiel gegen Sion?
Wir verspüren überhaupt keinen Druck. Wir haben nichts zu verlieren, Sion hingegen alles. Das ist der psychologische Vorteil des Unterklassigen. Das hat man zuletzt ja auch in Deutschland gesehen, als Düsseldorf Hertha Berlin in der Barrage aus der Bundesliga schoss.

Sandro Burki, was macht Sion so gefährlich?
Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eigentlich gegen ein absolutes Spitzenteam der Super League spielen. Hätte man Sion nicht 36 Punkte abgezogen, wären die Walliser sogar für die Europa League qualifiziert und vielleicht sogar Vizemeister geworden.

Wo liegen trotzdem die Chancen für Aarau?
Unsere Chance ist, dass wir eigentlich keine haben. Wir haben überhaupt nichts zu verlieren. Wir wollen diese beiden Barrage-Spiele gegen Sion einfach geniessen. Ein kleiner psychologischer Vorteil mag sein, dass wir zuerst im Wallis spielen können. Bei einer guten Ausgangslage ist dann alles möglich. Im Brügglifeld können wir jeden schlagen.

Das Spiel in Sion steigt ja bereits am Samstag. Wie sieht es bei Ihnen kräftemässig aus?
Die Saison kostete unheimlich Kraft. Wir mussten ja bis zur letzten Sekunde alles geben. Sion wusste ja schon lange, dass es mit der Barrage konfrontiert wird. Die Walliser fokussieren sich deshalb schon lange nur auf diese beiden Barrage-Spiele. Auch in der letzten Partie gegen Luzern hat Trainer Vladimir Petkovic einige Spieler geschont. Die Walliser könnten schon frischer sein. Aber unsere Euphorie nimmt uns die Müdigkeit.

Shkelzen Gashi, wann haben Sie erstmals an das Erreichen der Barrage geglaubt?
Eigentlich immer. Doch als wir in der vorletzten Runde in St. Gallen in der 95. Minute den Siegtreffer erzielten, da wusste ich: Jetzt liegt das Momentum bei uns, jetzt ziehen wir das durch.

Sandro Burki, wann haben Sie erstmals vom Zwischenstand in der Partie zwischen Bellinzona erfahren?
Erst in der Halbzeit. Und das war auch gut so.

Weshalb?
Wir haben das Spiel gegen Etoile Carouge sehr nervös begonnen. Hätten wir während des Spiels erfahren, dass Bellinzona schon nach 23 Minuten mit 2:0 in Führung liegt, hätte uns das wohl noch nervöser gemacht. In der 25. Minuten gingen wir dann endlich in Führung und lagen bei Halbzeit mit 4:0 in Front. Dann haben wir in der Pause erfahren, dass Bellinzona gegen Wohlen mit 2:0 führt.

Sie wussten also, dass Sie auch im zweiten Durchgang Vollgas geben müssen?
Ja, das ist so. Wir gingen ja punktgleich und mit dem gleichen Torverhältnis in die letzte Runde. Wäre Bellinzonas Sieg gegen Wohlen um einen Treffer höher ausgefallen als der unsrige gegen Carouge, wären die Tessiner in der Barrage. Bellinzona hat ja noch mit 5:0 gewonnen. Wir waren also gut beraten, weiter Tore zu erzielen.

Shkelzen Gashi, wer in der Challenge League 17 Tore schiesst und auch noch 16 Assists in einer Saison bucht, muss ein begehrter Mann sein und Angebote aus der Super League haben. Ist das der Fall, und wann läuft Ihr Vertrag in Aarau aus?
Mein Vertrag läuft Ende Saison aus. Damit vor der Barrage gegen Sion Ruhe und Klarheit herrscht, habe ich mich soeben entschieden, dem Verein meinen Wechsel zu GC bekannt zu geben.»

Weshalb GC?
Dieser Verein hat mir die besten Perspektiven geboten. Ich will mithelfen, dass dieser grosse Traditionsclub wieder an die nationale Spitze zurückkehren kann. Und auf diese neue Herausforderung freue ich mich riesig.

Für wie lange haben Sie sich bei GC verpflichtet?
Für drei Jahre.

Erstellt: 24.05.2012, 12:23 Uhr

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