«Ich werde wieder Trainer sein»

Bernard Challandes geht davon aus, dass seine Karriere noch nicht zu Ende ist. Am liebsten würde der ehemalige Thun-Trainer ein Nationalteam übernehmen. Zuerst will er sich bei europäischen Spitzenklubs weiterbilden.

Weiter wissbegierig: Der frühere Thun-Trainer Bernard Challandes will dazulernen.

Weiter wissbegierig: Der frühere Thun-Trainer Bernard Challandes will dazulernen. Bild: Andreas Blatter

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Ein Spiel noch, der Cupachtelfinal am Samstag in Wohlen (16 Uhr), steht für den FC Thun auf dem Programm, dann beginnt die Winterpause für Spieler und Trainer bis am 7. Januar. Vier Trainingseinheiten sieht Coach Mauro Lustrinelli bis zur Partie gegen das Challenge-League-Team aus dem Kanton Aargau vor. «Wir bereiten uns mit mehr Qualität als Quantität vor», sagt er. Am Samstag geht Lustrinellis Arbeit als Interimstrainer bekanntlich zu Ende, danach übernimmt Urs Fischer. Eigentlich hätte der Zürcher am Sonntag zum letzten Vorrundenspiel nach Genf fahren wollen. Der Schneefall bewegte den 46-Jährigen aber zum Umdenken, Fischer sah sich das 0:0 seiner künftigen Equipe gegen Servette am TV an.

Thuns Ex-Trainer Bernard Challandes verfolgte die Begegnung hingegen nicht mit. Das 3:2 der Oberländer gegen Basel am Sonntag zuvor hatte der 61-Jährige, wenige Tage nach seinem Abgang, noch am Fernsehen geschaut. Diesen Sonntag aber war Challandes auf dem Weg nach Paris. «Ich will ein paar Tage bei den Trainings von Paris St.-Germain dabei sein. Ich will sehen, wie Trainer Carlo Ancelotti in einer Champions-League-Woche mit der Mannschaft arbeitet», sagt er.

Angebot aus Bangkok

Challandes wird heute Abend auch im Stadion sitzen, wenn PSG im Spitzenduell der Gruppe A den FC Porto empfängt. Der Neuenburger hatte PSG-Sportdirektor Leonardo kennen gelernt, als er als Coach mit dem FC Zürich auf Milan traf, das damals vom Brasilianer trainiert wurde. Der Kontakt eröffnet ihm nun die Möglichkeit, zu erleben, mit welchen Methoden bei den von den schwerreichen Besitzern aus Katar grosszügig alimentierten Parisern gearbeitet wird, «und wie Ancelotti mit Superstar Ibrahimovic umgeht». Danach möchte Challandes auch bei Juventus Turin Anschauungsunterricht nehmen. Nationalspieler Stephan Lichtsteiner soll beim italienischen Meister der Türöffner sein. Der Willen zur Weiterbildung zeigt: Challandes sieht seine Laufbahn trotz dem unschönen Abschluss in Thun vor zwei Wochen, als er nach dem Misstrauensvotum der Spieler gehen wollte und musste, nicht als beendet an. Das Angebot, Coach eines Klubs in Bangkok zu werden, lehnte der Romand bereits ab. «Ich war Trainer und werde wieder Trainer sein. Vielleicht erhalte ich ja bald eine Anfrage, die mich interessiert.» Priorität hätte dabei indes kein Klubteam, sagt er, sondern eine Nationalmannschaft.

Ein Traktat gegen den Ärger

Challandes sagt, er habe den Abschied aus Thun verkraftet. Dem Ärger, den er direkt nach dem Abgang verspürte, verschaffte er mittels Traktat Luft. Unter dem Titel «Meine Tage sind gezählt» beschreibt er das Leben eines Fussballtrainers. «Woche für Woche arbeite ich für die Hölle des Sonntags oder für das Paradies», heisst es darin etwa, oder: «Als Trainer will ich gewinnen, eine Überraschung kreieren. Um einen Exploit zu schaffen, müssen die Spieler dem Trainer aber bedingungslos vertrauen.» Das war nach dem 0:3 in Lausanne nicht mehr der Fall, als Challandes sein Team fragte, ob es noch an ihn glaube. «Natürlich war es eine Enttäuschung, wie es herausgekommen ist, vielleicht würde ich die Frage nicht mehr so stellen. Aber ich bin ein direkter Mensch», sagt er rückblickend. Challandes betont zum Abschluss aber, er sei niemandem böse. «Ich wünsche dem Team nur das Beste, dass es die Ziele – Cupsieg und Ligaerhalt – erreicht.» Alexander Wäfler>

Erstellt: 04.12.2012, 08:34 Uhr

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