«Ich will die totale Leidenschaft sehen»

Als Aufgalopp für die EM-Qualifikation bestreitet das Team von Nati-Coach Ottmar Hitzfeld heute Abend in Klagenfurt gegen Österreich einen Test. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live ab 20.30 Uhr.

Ottmar Hitzfeld und die Nationalmannschaft in Klagenfurt: Eine Chance für die jungen Spieler.

Ottmar Hitzfeld und die Nationalmannschaft in Klagenfurt: Eine Chance für die jungen Spieler. Bild: Keystone

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Vor diesem Spiel herrscht nicht nur Harmonie. Es geht um Alex Frei. Den abwesenden Captain, der sein Fernbleiben wegen nicht auskurierten Verletzungen angekündigt hatte, der aber am letzten Samstag mit dem FC Basel trotzdem 90 Minuten spielte. Ein Faux-pas des Stürmers ist dies für die einen, ein logisches Verhalten während des Heilungsprozesses für die anderen. Verwunderlich ist die Geschichte allemal, auch wenn Ottmar Hitzfeld davon spricht, dass dies «alles so abgesprochen» gewesen sei. Und nachschob: «Alex Frei soll im September fit sein. Das ist wichtig.»

Bis sich die Nationalmannschaft am 31. August im Hinblick auf den Start in der EM-Qualifikation gegen England trifft (7. September), stehen für Alex Frei innerhalb von zwei Wochen drei Spiele in der Axpo Super League und zwei Partien in der Champions-League-Qualifikation im anspruchsvollen Programm. Eine letzte kurze Pause vor weiteren englischen Wochen macht vielleicht tatsächlich Sinn. In diesem chargierten Kalender kann ein Testspiel nicht erste Priorität haben.

Die Forderung des Personalchefs

Dass die Testspiele nicht den Reiz von Partien um Punkte haben, offenbarte die Schweiz zuletzt fast immer. Die Leistungen waren mal besser mal schlechter, doch die Resultate fast durchwegs miserabel. Letztmals gewann die SFV-Auswahl im November 2008 ein Testspiel (1:0 gegen Finnland). Seither gab es in sechs Partien bloss drei Remis. Hitzfeld fordert nun für Klagenfurt eine andere Gangart. «Ich will die totale Leidenschaft sehen.»

Die vielen Absenzen spielen dem Coach dabei womöglich in die Hand. Sechs U21-Spieler figurieren im Aufgebot. Sie wollen sich aufdrängen und nicht als Eintagsfliege enden. Vier von ihnen werden in der Startformation stehen, kündigte Hitzfeld an. Wer das sein wird, liess er offen. Neuling François Affolter, WM-Teilnehmer Xherdan Shaqiri, Rückkehrer Valentin Stocker und der schon fast arrivierte Eren Derdiyok werden mutmasslich dieses Quartett bilden.

Standortbestimmung für die Jungen

«Sicher ist, dass alle sechs U21-Spieler zum Einsatz kommen», so Hitzfeld. Also werden auch Moreno Costanzo und Nassim Ben Khalifa ihr Debüt in der Nationalmannschaft geben. Hitzfeld: «Es ist hochinteressant, diese Spieler in diesem Team im Einsatz zu sehen. Den Jungen gehört die Zukunft.»

Für Affolter, Costanzo und Ben Khalifa sind die Tage am Wörthersee eine erste Annäherung an Trainer und Nationalteam. Schon in der Verantwortung steht dagegen Valentin Stocker. Nach den an der WM offenbarten Defiziten in der Offensive, ist der torgefährliche Mittelfeldmann des FC Basel nun einer der Schweizer Hoffnungsträger für die nähere Zukunft.

Hakan Yakin als Gegenpol

Die U21-Spieler und auch Pirmin Schwegler (23), der die Position des zurückgetretenen Benjamin Huggel einnimmt, drücken das Durchschnittsalter der erwarteten Startformation auf 24,4 Jahre. Den Gegenpol zu den Jungen bildet der 33-jährige Hakan Yakin. Ihm dürfte Ottmar Hitzfeld erstmals seit dem 1:2-Debakel gegen Luxemburg im September 2008 wieder Auslauf von Beginn weg gewähren.

«Ich habe mich gefreut, dass er uns erhalten blieb. Wir haben gute Stürmer, aber wenn mal zwei ausfallen, wird es schon eng. Deshalb brauchen wir ihn», so Hitzfeld. Gegen Österreich soll Yakin mit seiner Technik und seinen Ideen als zurückhängender Stürmer dafür sorgen, dass Hitzfelds Vorgaben umgesetzt werden. «Wir wollen das Spiel machen.» (fal/si)

Erstellt: 11.08.2010, 17:55 Uhr

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