«Im Gespräch mit Yakin wird sich einiges klären»

Trainer Raimondo Ponte spricht im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet über Enttäuschungen, seine grosse Chance, wie er mit Bellinzona aufsteigen will und was er von Hakan Yakin erwartet.

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Raimondo Ponte, Sie sassen schon auf gepackten Koffern und wollten Ihre Zelte im Tessin abbrechen. Weshalb?
Ich sah nach drei erfolgreichen Jahren in Chiasso keine Perspektiven mehr. Deshalb wollte ich in den Aargau zurück.

Jetzt sind Sie Nachfolger von Martin Andermatt bei der AC Bellinzona. Wie ist dieses Engagement zustande gekommen?
Am vergangenen Sonntag erhielt ich einen Anruf von Präsident Gabriele Giulini. Wir haben dann für Montag einen Termin vereinbart.

Was ist dann geschehen?
Dann ging alles sehr schnell. Wir waren uns finanziell sofort einig.

Doch Sie waren dann während Stunden nicht zu erreichen. Weshalb?
Wir haben schon nach meiner Vertragsunterzeichnung sofort unsere Saisonziele definiert und bereits die Saisonplanung auf Hochtouren in Angriff genommen.

Wie muss man sich das vorstellen?
Das Saisonziel ist ganz klar der Aufstieg in die Super League. Das ist mein Auftrag. Ich habe meine klaren Vorstellungen, wie meine Mannschaft aussehen soll.

Sie kennen Bellinzona, haben gegen dieses Team mit Chiasso auch in dieser Saison gespielt. Das Team von Martin Andermatt wäre fast in die Barrage gekommen. Trotzdem wollen Sie Retuschen anbringen?
Ja, das ist so. Wir werden jetzt festlegen, von wem wir uns trennen und wen wir behalten wollen.

Werden Sie auch Spieler von Chiasso mitnehmen?
Ja, das habe ich im Sinn.

Um welche Spieler handelt es sich dabei?
Rechtsverteidiger Denis Markaj, Innenverteidiger Fulvio Sulmoni und Mittelfeldspieler Michael Perrier würde ich gerne nach Bellinzona mitnehmen.

Wer wird Ihnen bei der Teamzusammenstellung helfen?
Unser Sportchef ist ein Italiener. Er deckt den italienischen Markt ab. Weil er sich in der Schweiz noch nicht so gut auskennt, werde ich ihm auf dem Schweizer Transfermarkt behilflich sein.

Ein heisses Thema bei der Teamzusammenstellung dürfte auch Hakan Yakin sein.
Ich habe Hakan Yakin bereits versucht in seinen Ferien zu erreichen.

Ist Ihnen das gelungen?
Nein, bisher noch nicht.

Weshalb versuchen Sie, Yakin so schnell wie möglich zu kontaktieren?
Ich habe Hakan Yakin noch nie persönlich kennen gelernt. Er ist ein äusserst wichtiger und erfahrener Spieler. Deshalb ist es mir ein Anliegen, dass ich mit ihm so schnell wie möglich sprechen kann.

Hakan Yakin ist mittlerweile 35 Jahre alt. Denken Sie, dass er sich nach dem verpassten Aufstieg einen Rücktritt überlegt haben könnte?
Ich bin sicher, dass sich in unserem Gespräch einiges klären wird.

Was trauen Sie Hakan Yakin überhaupt noch zu?
Über die fussballerischen Qualitäten von Hakan Yakin müssen wir nicht diskutieren. Aber ich will in diesem Gespräch einfach herausfinden und spüren, wie er denkt und wie er fühlt.

Und ob er überhaupt noch motiviert ist?
Ich gehe davon aus, dass ein Spieler, der noch einen Vertrag hat, motiviert ist.

Wie auch immer. Sie gehen in der Teamzusammenstellung keine Kompromisse ein?
Nein. Kompromisse kann man sich im Fussball nicht leisten. Auch nicht in der Challenge League.

Sie waren ein erfolgreicher Nationalspieler, spielten im Ausland bei Bastia und Nottingham Forest. Sie trainierten den FC Zürich, Luzern, US Carrarese, Wohlen, YF Juventus und Chiasso. Sie haben auch Erfahrungen als Manager. Ihr Erfahrungsschatz ist enorm. Sie sprechen fünf Sprachen. Weshalb war ihr Know-how in den letzten Jahren im Spitzenfussball nicht mehr gefragt?
Das frage ich mich auch.

Schmerzt das?
Ja, das schmerzt irgendwie schon. Aber jetzt hat sich für mich wieder eine grosse Chance eröffnet. Die AC Bellinzona ist ein Verein mit Ambitionen.

Was bedeutet diese Chance für Sie?
Sie bedeutet mir sehr viel. Dass ich diesen Job erhalten habe, ist wohl die Anerkennung für die Arbeit, die ich in Chiasso trotz bescheidener Mittel abgeliefert habe. Wir hatten fast das kleinste Budget in der Liga und sind trotzdem nicht abgestiegen. Wir haben ja sogar lange noch um den Aufstieg mitgespielt.

Wie lange haben Sie sich in Bellinzona verpflichtet?
Ich habe vorerst für ein Jahr unterschrieben.

Haben Sie sich schon mal mit ihrem Vorgänger Martin Andermatt ausgetauscht?
Nein, ich will meinen Job völlig unbelastet und ohne jegliche Vorurteile angehen. Ich muss mir von der Mannschaft mein eigenes Bild machen.

Erstellt: 06.06.2012, 13:50 Uhr

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