«In Japan haben Sportler Popstar-Status»

Yoichiro Kakitanis erstes öffentliches Training mit dem FC Basel sorgte für einen kleinen Medienauflauf. In Japan gelte er als kommender Superstar, sagt die Journalistin Yuko Kimura.

Tausende feierten ihn wie ein Held bei seinem Abschiedsspiel in Japan: Yoichiro Kakitani.

Tausende feierten ihn wie ein Held bei seinem Abschiedsspiel in Japan: Yoichiro Kakitani. Bild: Keystone

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Aus dem Land der aufgehenden Sonne ins Land des herunterfallenden Wassers – so zumindest machte der erste offizielle Auftritt von Yoichiro Kakitani den Anschein. Angekommen ist der Japaner beim FC Basel aber nicht erst an diesem verregneten Dienstag, sondern schon am vergangenen Donnerstag. Nun darf der meist beachtete Neuzuzug aber erstmals von den Medien begutachtet werden. Zumindest eine Viertelstunde lang. Und das wird ausgereizt bis zum Letzten. 50 Minuten harrten die rund 20 Vertreter aus, um den asiatischen Angreifer, von dem man sich dem Vernehmen nach wahre Wunderdinge erhoffen darf, beim Einlaufen und Passen zu beobachten. Kaum hat der 24-Jährige den ersten Ball gespielt, kommt schon die erste Frage einer Japanerin: «Und, was denken Sie über ihn?»

Die Dame hat die Frage etwas übermotiviert gestellt und ist sich dessen bewusst. Yuko Kimura ist aus Köln angereist, um Kakitanis erste Schritte in Europa zu beobachten. Sie wohnt schon seit 18 Jahren in Deutschland und arbeitet für die japanische Nachrichtenagentur «Kyodo News». «In Deutschland oder der Schweiz kann man sich das nicht so gut vorstellen, dass die Sportler in Japan Popstar-Status haben. Der Einzelspieler steht dort über der Mannschaft», erklärt Kimura. Bei Kakitanis Abschiedsspiel seien Tausende gekommen und hätten ihn wie einen Helden gefeiert.

Champions League im Fokus

Weil die J-League, die japanische Profiliga, erst seit 1993 existiert, ist die Clubtreue noch nicht so stark. Es ist üblich, dass man mit seinem Star auch den Lieblingsclub wechselt. Wird denn nun eine neue FCB-Fangemeinschaft im fernen Osten entstehen? «Dafür ist es noch zu früh. Erst muss sich Kakitani in Basel durchsetzen», schwächt Kimura ab. Die Journalistin ist aber überzeugt, dass ein rotblauer Hype entstehen könne, wenn Kakitani in der Champions League durchstarte. Die europäische Königsklasse ist in Japan ganz hoch im Kurs – wie die Bundesliga und die englische Premier League. Eine japanische TV-Station hat immerhin schon einmal die Übertragungsrechte der Basler Super-League-Spiele gekauft.

Dass Kakitani, der zusammen mit Yuya Osako vom 1. FC Köln zu den kommenden Superstars zählt, sich ausgerechnet die Schweiz als erste europäische Station ausgesucht hat, überraschte Kimura. «Er will sich offensichtlich zuerst hier angewöhnen», sagt sie. Es dürfte aber auch mit dem hervorragenden Ruf zusammenhängen, den sich der FCB in den letzten Jahren erarbeitet hat. Nicht jeder kann auf eine Blitz-Karriere eines Shinji Kagawa (Manchester United) oder Atsuto Uchida (Schalke) hoffen. Die beiden stehen in Japan auf der obersten Stufe. Das wird auch Kakitani zugetraut. Noch allerdings kann Kimura noch nicht viele Neuigkeiten in die Heimat übermitteln. «Es ist schwierig nach nur einer Viertelstunde Training», meint sie lächelnd. «Ich habe erst gehört, dass er von seinen Teamkollegen ‹Kaki› genannt wird, und er scheint bereits einigermassen integriert zu sein.» Vielleicht kann sie schon bald von Kakitanis ersten Torerfolg in Rotblau berichten.

Erstellt: 22.07.2014, 13:37 Uhr


Ein emotionaler Yoichiro Kakitani verabschiedet sich von den Fans in seiner Heimat.


Einen Fernsehsender hat er auch: Eine Sendung von «Yoichiro Kakitani TV».


Und nochmals ein Video mit Tricks und Toren vom wirbligen Japaner: Man darf sich einiges erhoffen.

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