Infantinos neue Vernunft

Ein gutes Signal: Der Fifa-Chef verdient 1,5 Millionen Franken.

Das Salär verschafft ihm neue Glaubwürdigkeit: Gianni Infantino erhält 2016 ein Jahressalär von 1,5 Millionen Franken.

Das Salär verschafft ihm neue Glaubwürdigkeit: Gianni Infantino erhält 2016 ein Jahressalär von 1,5 Millionen Franken. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Wenns um Geld und Geschenke gegangen ist, hat Gianni Infantino in seinen ersten Monaten als Fifa-Präsident nicht glücklich agiert. Tonbandaufnahmen vom Kongress in Mexiko-Stadt Mitte Mai erweckten den Anschein, dass er ein erstes Lohnangebot des früheren Fifa-Chefkontrolleurs Domenico Scala als Frechheit empfand – weil sein Salär «weniger als die Hälfte» von Vorgänger Sepp Blatters 3,6 Millionen Franken betrage. Er hat sich auf Fifa-Kosten Matratzen für 11'440 sowie ein Fitnessgerät für 8883 Franken gekauft. Und er hat sich einladen lassen, um mit Frau und Mutter in einem Privatjet aus russischem Besitz zum Papst zu fliegen.

Unsensibel war das alles, um nicht zu sagen: ungeschickt, von dem Mann, der angetreten ist, um die skandal­geplagte Fifa in eine transparente Zukunft zu führen, wie er es im Wahlkampf angekündigt hatte.

Bescheidene Überraschung

Deshalb ist umso besser und auch überraschender, was gestern Abend auf dem Zürichberg verkündet wurde: Gianni Infantino erhält 2016 ein Jahressalär von 1,5 Millionen Franken. Dazu gibts monatliche Spesen von 2000 Franken sowie kostenlose Logis und Dienstwagen, aber keinen Bonus.

Bleibt Infantino mit Wohnung und Auto im vernünftigen Bereich, ist das ein moderater Ansatz für den Chef einer Organisation, die im WM-Turnus von 2011 bis 2014 fast sechs Milliarden Dollar umgesetzt hat. Und es ist ein Zeichen von der Fifa-Spitze, dass sich die Zeiten nach dem Abgang der alten Führung doch geändert haben könnten. Das Trio um den früheren Präsidenten Sepp Blatter, den entlassenen Generalsekretär Jérôme Valcke und den ebenfalls geschassten Finanzchef Markus Kattner hatte sich von 2010 bis 2015 Saläre und Boni in der Höhe von 79 Millionen Franken zugeschanzt.

Das Salär verschafft auch Infantino neue Glaubwürdigkeit. Zum kontroversen Auftritt in Mexiko-Stadt hatte er gesagt, sein Ärger habe nichts mit dem vorgeschlagenen Salär zu tun gehabt, sondern nur mit dem Vorgehen des lohnvorschlagenden Gremiums, das nie den Diskurs mit ihm gesucht habe (und damals noch unter dem Vorsitz Scalas funktionierte). Gestern sprach der 46-jährige Italo-Schweizer von «früheren Missverständnissen und Missinterpretationen über den Salärprozess und meine Vergütungen» und sagte auch: «Die Kennzahlen des Vertrages zeigen mehr als alle Worte meinen starken ­Willen, Missbrauch, wie es ihn früher gegeben hat, zu beenden.»

Boni gibts wieder ab 2017

Scala ist in Mexiko entnervt zurück­getreten mit der Begründung, dass die Unabhängigkeit der Fifa-Aufsichts­gremien beschnitten worden sei. Er hatte einst angekündigt, dass der Präsident zukünftig weniger verdienen werde als der geschäftsführende ­Generalsekretär. Es ist jetzt kein Generalsekretär, sondern mit Fatma Samoura eine Generalsekretärin. Und die Senegalesin verdient 2016 auch nicht mehr, sondern weniger als der Präsident: 1,3 Millionen Franken, dazu kommen die gleichen weiteren Lohnbestandteile wie bei Infantino. Und auch für sie gibts keinen Bonus.

Das lohnbestimmende Komitee mit Tomaz Vesel an der Spitze, dem Präsidenten des slowenischen Rechnungs­hofes, hat sich nach Absprache mit Infantino und Samoura gegen Bonuszahlungen entschieden, weil das geltende Reglement «mangelhaft» (Vesel) sei.

Das Bonussystem wird nun überarbeitet. 2017 soll es wieder Boni geben. Auch für Infantino. Entscheidend für das Ansehen von Verband und Präsident ist, ob die Fifa den Kurs der Vernunft auch dann noch hält.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2016, 23:29 Uhr

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