Interview

«Innerlich brodelt es»

Wenn der FC Basel morgen gegen Chelsea spielt, wird auch Roger Federer im Stadion sein. Der Tennis-Star sprach für einmal nur über den FCB.

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Es gibt kaum einen anderen Tennisspieler, der so viel über seinen Sport spricht wie Roger Federer (31). Vor dem morgigen Europa-League-Halbfinal gegen Chelsea (21.05 Uhr/SRF 2) in Basel hat er jedoch für einmal anderes im Kopf: Fussball. Die BaZ hat sich gestern in Zürich mit dem Tennisstar getroffen.

Roger Federer, für einmal reden wir nur über … Fussball!
Gerne, aber eines möchte ich klar machen: Ich will mich nicht als Experte aufspielen. Auch wenn ich gerne Fussball schaue. Das wäre überheblich.

Wo werden Sie am Donnerstag um 21.05 Uhr sein?
Im Joggeli. Ich bin total froh, dass sie beim FCB noch Tickets für mich und Marco Chiudinelli gefunden haben. Wir freuen uns wie kleine Kinder auf dieses Spiel. Ich war in den letzten Jahren nur selten dabei, wenn der FCB im Europacup spielte. Das letzte Mal war das, glaube ich, gegen Barcelona der Fall, als der FCB gewaltig aufs Dach bekam (lacht).

Er verlor 0:5. Wie schätzen Sie die Chancen des FCB gegen Chelsea ein?
Im Fussball ist alles möglich …

… mehr als im Tennis?
Ja, das würde ich unterschreiben. Wir haben in der Fussballgeschichte genügend oft gesehen, dass der Favorit strauchelt. Im Prinzip sollte Chelsea von zehn Spielen vielleicht sechs oder sieben Mal gewinnen. Der Club hat letztes Jahr immerhin die Champions League gewonnen. Aber im Fussball hat es mehr Einflüsse, die auf das Spiel einwirken können. Zum Beispiel der Schiedsrichter. Dieser spielt im Tennis überhaupt keine Rolle. Im Fussball können zudem elf Spieler pro Mannschaft das Spiel entscheiden, das macht das Spiel unberechenbar. Im Tennis sind heute, da die Beläge generell langsamer geworden sind, weniger Überraschungen möglich.

Was ist die grosse Stärke des FC Basel?
Man spürt, dass alle an den Erfolg glauben. Dieses Vertrauen in die eigene Stärke macht den Unterschied aus.

Sind Sie an einem Fussballmatch eher der ungeduldige Fan oder verständnisvolle Anhänger, der als Spitzensportler weiss, dass Fehler passieren?
Ich bin sicher eher verständnisvoll. Fehlpässe gehören zum Fussball dazu, so wie im Tennis Eigenfehler normal sind. Wenn ich dann auch noch eine gute Idee dahinter sehe, dann stört es mich noch weniger. Schlimm finde ich es erst, wenn mit dem Ball Flipper gespielt und er einfach nur weg geschlagen wird. Das ist beim FCB in dieser Saison klar nicht der Fall, und das finde ich beeindruckend. Auch wenn der Druck durch den Gegner noch so gross ist, versuchen die Basler immer ruhig aufzubauen. Es bricht keine Panik aus.

Sie verfolgen den Match also mit stoischer Ruhe?
Es kann schon vorkommen, dass ich mal einen Spruch fallen lasse. Aber dass ich ausflippe, eher nicht. Dafür hat es zu viele Leute um mich herum. Wenn mich keiner kennen würde, wäre ich sicher lauter. Innerlich brodelt es jedoch. Ich bin ein grosser FCB-Fan und überall auf der Welt zu jeder Zeit informiert, wie es dem Club geht.

Lassen die anderen Zuschauer Sie denn das Spiel in Ruhe geniessen?
Ja, wenn sie mich ansprechen, dann in der Pause. Deshalb bleibe ich meist auch sitzen.

Haben Sie einen FCB-Lieblingsspieler?
Captain Marco Streller beeindruckt mich sehr. In den vergangenen Jahren war es ja nicht einfach. Der FCB verlor jede Saison wichtige Spieler: Shaqiri, Xhaka, Costanzo, Huggel, Chipperfield, nun auch noch Alex Frei. Das hat wehgetan, doch Marco Streller stand wie ein Fels in der Brandung und zeigte unbeeindruckt von allem starke Leistungen. Ihn wirft nichts mehr aus Bahn, auch nicht die unglückliche Geschichte mit der Nationalmannschaft, aus der er zurücktrat.

Der Hype um das Spiel gegen den FCB ist riesig. Sie sind aber trotzdem froh, dass Sie Tennisspieler sind und nicht Fussballer beim FCB?
Natürlich bin ich heute froh, dass ich mich damals für Tennis und gegen Fussball entschieden habe. Ich weiss gar nicht, was ich im Fussball alles hätte erreichen müssen, um die gleichen Erfolge wie im Tennis zu feiern. Andererseits finde ich es toll, zusammen zu gewinnen und sich nach einem Sieg in die Arme zu fallen. Das sind für den Aussenstehenden manchmal fast schon peinliche Szenen, die sich da unten abspielen. Zugleich widerspiegeln sie die unglaublichen Emotionen, die die Spieler erleben.

Nach einem Fussballspiel sind Sie hin und wieder in der Umkleidekabine eines Teams anzutreffen. Wie muss man sich das vorstellen, wenn Sie dort hingehen?
Es ist ziemlich ungemütlich (lacht): Du bist schön angezogen, während die anderen verschwitzt und nackt durch die Kabine laufen. Da fragst du dich: Was mache ich hier? Aber im Ernst: Ich glaube, die meisten freuen sich, die einen unterhalten sich sofort mit einem, andere sind schüchterner.

Werden Sie die FCB-Kabine auch nach dem Chelsea-Match besuchen?
Das weiss ich noch nicht. Es muss sich auch aus der Situation ergeben. Wenn eine Mannschaft verliert, dann ist sie sicher mit anderem beschäftigt. Aber wenn sie 7:0 gewinnt und Präsident Bernhard Heusler nimmt mich mit nach unten, dann habe ich sicher nichts dagegen.

Zum Schluss müssen Sie sich festlegen: Wie geht das Spiel zwischen dem FCB und Chelsea aus?
Oje, jetzt muss ich auch noch auf Karli Odermatt machen, der aber fast immer richtig liegt! Ich habe auf jeden Fall ein sehr gutes Gefühl. (Lehnt sich zurück und schliesst die Augen.) Wir haben gesehen, dass der FCB im eigenen Stadion nicht mehr verlieren kann … (Pause)… der FCB geht in Führung … (Pause)…Chelsea muss hinten ein bisschen aufmachen. Am Ende wird es 2:1 für den FCB stehen, und alle werden einen unvergesslichen Abend erlebt haben.

Damit sind Ihnen die Sympathien der FCB-Fans gewiss.
Sorry, aber ich tippe nicht für die FCB-Fans so, sondern ich folge nur meinem Gefühl. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.04.2013, 10:38 Uhr

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