«Inter muss den Fussball hassen»

Die Stimmung vor dem Champions-League-Halbfinal-Knüller zwischen dem FC Barcelona und Inter Mailand ist in Katalonien hochexplosiv. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live ab 20.45 Uhr.

Das grosse Duell: Die Ambiance im Camp Nou wird heute explosiv sein.

Das grosse Duell: Die Ambiance im Camp Nou wird heute explosiv sein. Bild: Keystone

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Eines lässt sich jetzt schon mit Bestimmheit sagen: Der Belgier Franck de Bleeckere ist um seine heute Aufgabe im Tollhaus Camp Nou nicht zu beneiden. Anders als der souveräne Schweizer Referee Massimo Busacca am Dienstagabend in Lyon steht dem erfahrenen Fifa-Schiedsrichter und PR-Fachmann eine hektische und laute Fussballbegegnung bevor. Schliesslich wurde im Vorfeld des Rückspiels FC Barcelona – Inter sehr viel Geschirr zerschlagen. Erstaunlicherweise auch von den Fussballern selbst.

So heizte Barças Innenverteidiger Gerard Pique die Stimmung mit den wenig besonnenen Worten an: «Die Inter-Spieler müssen 90 Minuten lang den Fussball hassen. Ich kann mich nicht erinnern, dass unsere Fans je so heiss auf ein Spiel waren. Wir werden das beste Camp Nou aller Zeiten erleben.» Die Inter-Spieler werden sich ganz alleine fühlen.»

Halali in Barcelona

In Barcelona wird mobil gemacht, auf Plakaten in der ganzen Stadt wird zur «Aufholjagd» geblasen. 1:3 liegen Lionel Messi und seine Kumpanen gegen das vornehme Inter zurück, und noch heute wittert Katalonien Verrat an den Lieblingen wegen den Vorkommnissen im ersten Halbfinal-Duell. Dort soll der portugiesische Schiedsrichter Olegario Benquerenca – angeblich gut befreundet mit Inters Startrainer José Mourinho – ein irreguläres Tor der Mailänder anerkannt und den Gästen einen klaren Foulpenalty unterschlagen haben. Barças Präsident Juan Laporta lobt auf raffinierte Weise schon mal den Unparteiischen von heute Abend. Herr de Bleeckere sei «ein hervorragender Schiedsrichter mit einem guten Ruf. Er wird das Spiel sicher nicht entscheiden.»

Nicht nur Laporta wird sehen, ob er recht bekommen hat. Wie explosiv sich die Stimmung in der Olympiastadt von 1992 präsentiert, bekam Mourinho im Vorfeld der offiziellen Medienkonferenz im Stadion zu spüren. Ein Mob von Tausenden von Fussballanhängern schrien von den Toren des Stadions heiser mit den Worten: «Dieser portugiesische Mann ist ein Hurensohn» – zur Sicherheit mussten Bodyguards den Inter-Trainer schützen. Dieser hielt sich für einmal in seinen Äusserungen galant zurück.«Jetzt ist nicht die Zeit der Worte, sondern die der höchsten Konzentration.» Er sagte aber auch: «Wir können alle unsere Ziele schaffen.» In der Tat ist die Ausgangslage für Inter die gleiche wie für die Bayern: Das seltene Triple (Champions League, Meisterschaft und Cup) winkt. Und dieses Kunststück ist noch keiner italienischen Squadra gelungen.

Mourinhos gewiefte Taktik

Nun, zu hoffen bleibt, dass die Emotionen in Barcelona nicht völlig aus dem Ruder laufen. Mourinho hat indessen weniger Angst um seine Person als um die Inter-Fans im Stadion. «Mit dieser Atmosphäre kann es Probleme für die Anhänger unserer Mannschaft geben, aber nicht für mich», meinte der bestbezahlte Fussball-Lehrmeister der Welt. Schliesslich hat der Portugiese vor 13 Jahren in Katalonies Metropole als Übersetzer gearbeitet und kennt viele Personen aus jenen Tagen.

Mourinho weiss, dass es für Inter ein heisser Tanz wird. Aber er weiss auch um die Stärken seiner Truppe. Barcelona muss die Offensive forcieren, was zu Konterchancen einlädt. Und in defensiver Hinsicht sind alle Mannschaften, welche Mourinho trainiert, hervorragend organisiert. Es ist also durchaus möglich, dass sich Messi & Co wie schon im Hinspiel die Zähne am Gegner ausbeissen.

Erstellt: 28.04.2010, 14:13 Uhr

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