Jetzt setzt die Uefa auf Superkräfte

Mithilfe von Comic-Helden sollen Mädchen für Fussball begeistert werden.

Fussballidole einmal anders: Vier Mädchen lancieren zusammen mit Mickey und Minnie das Projekt «Playmakers». Foto: Craig Jones (Framecreates) Flash, Violetta, Mr. Incredible und Elastigirl (v.l.). Foto: Buena Vista Pictures

Fussballidole einmal anders: Vier Mädchen lancieren zusammen mit Mickey und Minnie das Projekt «Playmakers». Foto: Craig Jones (Framecreates) Flash, Violetta, Mr. Incredible und Elastigirl (v.l.). Foto: Buena Vista Pictures

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Sie heissen Elastigirl, Violetta oder Flash, und auf den ersten Blick haben sie mit Fussball wenig zu tun. Warum auch: Elastigirl, Violetta und Flash sind Kunstfiguren, sie entstammen Computern der Traumfabrik Disney, und mit Fussball hat sich der US-Unterhaltungskonzern bislang kaum beschäftigt. So auch nicht bei den Filmen, in denen Elastigirl, Violetta oder Flash mitwirken: In der zweiteiligen Animationsreihe «Die Unglaublichen» sind die Hauptdarsteller eine ­Familie von Superhelden.

Die Filme sind weltweit ein Erfolg. Seit die Fortsetzungsgeschichte «Die Unglaublichen 2» im Juni 2018 in die Kinos gekommen ist, hat allein sie mehr als 1,2 Milliarden Dollar eingespielt. Vor allem bei Kindern sind die Figuren populär. Dies macht sich Disney nun nicht mehr nur in der Vermarktung zunutze, sondern setzt seine Marktmacht sinnvoll ein. Beim Fussball. Zusammen mit dem europäischen Fussballverband Uefa.

Pilotversuch in sieben Ländern

Beim Projekt «Playmakers» kooperieren die ungleichen Partner, um junge Mädchen zum Fussball zu bringen, vom Sport zu begeistern. Dies gab die Uefa gestern bekannt. Hierfür wurde ein Trainingskonzept erarbeitet, das sich auf die Charaktere von «Die Unglaublichen 2» stützt, die jungen Spielerinnen nehmen dabei die Rollen der Comichelden ein. Zunächst läuft in sieben Ländern ein Pilotprojekt: Belgien, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Schottland und Serbien. Angesprochen sind Schulen, Clubs und Gemeinden.

Gut ein halbes Jahr nach der viel beachteten Frauen-WM in Frankreich ist diese Kooperation ein weiteres Zeichen dafür, dass die weibliche Seite für die Verbände immer wichtiger wird. In Ländern wie England oder Spanien wird der Frauen-Spitzenfussball inzwischen mit viel Aufwand gefördert. Kaum ein Grossclub, der es sich noch länger leisten will, beim Frauenfussball abseitszustehen.

Mit «Playmakers» setzen Uefa und Disney auf der anderen Seite des Spektrums an: Es ist eine «grassroots initiative», das Mädchen anspricht, die noch nicht (organisiert) Fussball spielen. Sie sollen den Sport spielerisch kennen lernen, mit einer bislang unbekannten Art des Storytelling. «Und wie könnten wir das besser machen als mit den besten Geschichten und Figuren der Welt», erklärt Nadine Kessler, einst deutsche Nationalspielerin, 2013 Europameisterin, 2014 Weltfussballerin und jetzt Beraterin der Uefa bei der Entwicklung des Frauenfussballs.

Und so soll das Training mit den «Unglaublichen» ablaufen: In ersten Einheiten tanken die Mädchen mithilfe der Superhelden Selbstvertrauen, sie sollen von diesen beim kreativen Denken und der Kommunikation mit ihren Freundinnen ermutigt werden und erstmals Teamgeist erfahren. Erst in einer zweiten Phase kommt der Fussball ins Spiel – mit dem Ziel, die Grundlagen zu lernen. Oberste Priorität habe laut Uefa immer: Das Training soll Spass machen.

Doppelt so viele Spielerinnen

Bis 2024 will die Uefa die Zahl der Mädchen und Frauen im europäischen Fussball verdoppelt haben, heute sind auf dem Kontinent 1,3 Millionen (lizenzierte) Spielerinnen registriert. «Als Verband ist es unsere Pflicht, Mädchen zu ermutigen, Fussball zu spielen», sagt Uefa-Präsident Aleksander Ceferin. Er sieht auch eine geschäftliche Komponente darin: «Die Partnerschaft mit Disney eröffnet uns ein neues Publikum, das bis jetzt nicht zum Fussball gefunden hat.» Der US-Konzern arbeitet unter dem Programm «Shooting Stars» schon mit dem englischen Fussballverband zusammen; «Playmakers» ist eine Weiterentwicklung.

Bei den zunächst involvierten Verbänden kommt das Vorhaben gut an. Leo Windtner, Präsident des österreichischen Fussballverbandes, nennt es ein «einzigartiges Konzept und richtungsweisendes Projekt». Er verspricht sich einen «enormen Impuls für den Breitensport».


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Erstellt: 14.02.2020, 18:06 Uhr

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