Kein Sieger im Berner Derby

Der FC Thun und die Berner Young Boys trennen sich in einer umkämpften Partie 1:1. Xamax gelingt ein erster Befreiungsschlag im Abstiegskampf.

Platzverweis oder nicht? (Video: SRF)

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Leader YB tut sich in Thun einmal mehr schwer und muss sich mit einem 1:1 zufrieden geben. Marvin Spielmann gleicht in der 81. Minute die Penalty-Führung der Gäste verdientermassen aus. Die Thuner strebten im eigenen Stadion als zweitbestes Heimteam der Liga von Beginn weg auch gegen den klaren Leader einen Vollerfolg an. Bereits in der 5. Minute benötigte Sandro Lauper kurz vor der Torlinie einiges Glück, dass er den Abschluss von Nicolas Hunziker noch zu klären vermochte. Nur eine Minute später war das Können von YB-Goalie David von Ballmoos notwendig, um einen Scharfschuss Spielmanns unschädlich zu machen. Der Nachschuss von Grégory Karlen landete dann knapp im Seitennetz.

Mit zweitem Abschluss in Führung

Mit ihrem zweiten Abschlussversuch aber gingen die Gäste in der 19. Minute in Führung. Nach einem Tohuwabohu im Thuner Fünfmeterraum spritzte ein von Goalie Guillaume Faivre abgefälschter Kopfball von Christian Fassnacht an die Hand des auf der Torlinie stehenden Stefan Glarner. Die Thuner bekundeten Glück, dass Schiedsrichter Stephan Klossner diese Verhinderung eines sicheren Tores nicht mit der Roten Karte bestrafte. Roger Assalé verwandelte den Penalty sicher.

In der von Wind und Regen verwehten zweiten Halbzeit hätten weitere Treffer auf beiden Seiten fallen können. Ein schöner Direktschuss von Fassnacht landete gar an der Latte (55.). Das einzige Tor aber schaffte in der Schlussphase Gastgeber Thun: Spielmann lief nach einer Flanke von Dennis Salanovic in die Flugbahn des Balles und konnte unbedrängt aus fünf Metern ins Tor lenken.

YB liegt nach diesem Remis mit 19 Punkten Vorsprung auf Basel noch immer weit voraus, Thun verpasste mit dem 1:1 den Sprung auf den zweiten Platz. Schlimmer wiegt da der möglicherweise längere Verlust von Captain Dennis Hediger, der fünf Minuten vor Schluss mit einer Knieverletzung vom Platz geführt werden musste.

Kräftiges Lebenszeichen von Schlusslicht Xamax

Im ersten Spiel unter dem zum Cheftrainer aufgestiegenen Stéphane Henchoz erringt Neuchâtel Xamax seinen dritten und beeindruckendsten Sieg der Saison. Die Neuenburger besiegen daheim Luzern 2:1. Die Voraussetzungen, die Jagd auf die vorletzten Grasshoppers zu starten, waren für die Xamaxiens besonders für die Offensive nicht gut. Der sichere Wert Charles-André Doudin war verletzt, und kurzfristig fiel auch noch Geoffrey Tréand, ein weiterer Fixstarter, verletzt aus.

Aber die Leistung, die die Neuenburger ab Spielbeginn an ablieferten, war viel besser, als man es von der Roten Laterne erwarten konnte. Nach 25 Minuten rutschte Kemal Ademi vor dem Tor in eine steile Freistoss-Flanke von Max Veloso, und nach 40 Minuten traf Raphael Nuzzolo, jetzt elffacher Torschütze in dieser Meisterschaft, mit einem satten, platzierten Flachschuss aus 20 Metern. Die beiden Tore waren hochverdient.

Solide Defensivleistung

Beeindruckender war indessen - das Lob gilt für die ersten 65 Minuten - die solide Leistung in der Defensive. Henchoz hatte beim Amtsantritt gesagt, dass die hauptsächliche Schwäche im Spiel ohne Ball liege - dass man dem Gegner zu viele Möglichkeiten und Freiheiten zugestehe. Zumindest im Match gegen Luzern hat sich die Schwäche für lange Zeit in eine Stärke verwandelt. Für seinen Plan, die auf einer Dreier- respektive Fünferabwehr basierende Defensive zu stabilisieren, kam Henchoz auch der Einsatz von Leihspieler Geoffroy Serey Dié zupass. Der Ivorer spielte vor der Abwehr und fing vieles ab. Nicht nur dies. Er narrte die Luzerner Abwehr und legte Nuzzolo den Ball vor dem 2:0 auf.

Neuchâtel Xamax ist aber die Mannschaft, die im Herbst am meisten Führungen und unentschiedene Spielstände aus der Hand gegeben hat. Diese Schwäche, die mit einer geistigen Müdigkeit zusammenhängen kann, offenbarten die Neuenburger auch im Match gegen Luzern. Nach der 65. Minute schlichen sich vorher nicht gesehene Fehler ein. Noch bevor Marvin Schulz auf Vorarbeit von Ruben Vargas nach 80 Minuten verkürzte, hatte Goalie Laurent Walthert mit tollen Paraden zwei sicher scheinende Tore verhindert.

Luzern hat in der bisherigen Saison den Neuenburgern zwei der drei Siege ermöglicht. Die Leistung der Mannschaft von Trainer René Weiler war enttäuschend. Weiler hat keine Wahl, als für den nächsten Match auf die letzten halbe Stunde abzustützen, in der sich seine Spieler vehement gegen die Niederlage auflehnten. Die Bemühungen wurden weiter erschwert, als Simon Grether in der 84. Minuten wegen eines taktischen Fouls die zweite Verwarnung bekam und vom Platz gestellt wurde.

Sion rettet einen Punkt

In seinem ersten Spiel des Frühlingspensums hat der FC Sion daheim gegen das angeschlagene Lugano nur ein 2:2 erreicht. Die Sittener lagen sogar zweimal im Rückstand. Nach einer Partie mit wenig Höhepunkten und viel Geschehen im Mittelfeld war die Schlussphase umso turbulenter. Eine Viertelstunde vor dem Ende brachte Jonathan Sabbatini die Tessiner nach einem zügigen Angriff via Pfosten zum zweiten Mal in Führung. Erst jetzt zeigten die Spieler von Trainer Murat Yakin Angriffe, wie man sie viel früher hätte erwarten dürfen gegen eine Tessiner Mannschaft, die keines ihrer letzten sieben Spiele gewonnen und vier davon verloren hatte.

Der vorläufige Höhepunkt in der Walliser Torschlusspanik war eine unglaubliche Chance des eingewechselten Moussa Djitté. Der junge Senegalese, der im Herbst bei Trainer Yakin nicht mehr hoch im Kurs gestanden war, brachte es in der 90. Minute fertig, aus zehn Metern vor dem leeren Tor über die Latte zu schiessen. Er hätte lediglich flach einzuschieben brauchen. Dass sie dennoch nicht schon die sechste Heimniederlage der Saison bezogen, hatten die Sittener dem Innenverteidiger Birama Ndoye zu verdanken, der wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff einen Corner verwertete.

Sion gelang es in den ersten 80 Minuten kaum, den vermeintlich schwächeren Gegner zu dominieren. Die wenigen guten Chancen verteilten sich auf beide Seiten. Für Luganos Trainer Fabio Celestini ist das späte Gegentor, das zwei Punkte kostete, ärgerlich. Seine Mannschaft benötigt in ihrer resultatmässigen Baisse so bald wie möglich einen Sieg, soll sie nicht schon bald in Abstiegsgefahr geraten.

Thun - Young Boys 1:1 (0:1)

8140 Zuschauer. - SR Klossner.

Tore: 19. Assalé (Handspenalty) 0:1. 82. Spielmann (Salanovic) 1:1.

Thun: Faivre; Glarner, Rodrigues, Sutter, Joss; Gelmi; Tosetti (71. Ferreira), Karlen, Hediger (84. Stillhart), Spielmann; Hunziker (57. Salanovic).

Young Boys: Von Ballmoos; Schick, Lauper, Von Bergen, Benito; Fassnacht, Sow, Aebischer, Ngamaleu (86. Garcia); Assalé (76. Gaudino), Nsame.

Bemerkungen: Thun ohne Costanzo, Righetti und Sorgic (alle verletzt). Hediger verletzt ausgeschieden. Young Boys ohne Camara, Lotomba, Mbabu, Sulejmani und Hoarau (alle verletzt). 55. Lattenschuss Fassnacht. Verwarnungen: 6. Hediger (Foul), 19. Glarner (Hands), 34. Schick (Foul), 56. Benito (Foul), 62. Lauper (Foul), 72. Aebischer (Foul), 86. Ngamaleu (Foul), 87. Sow (Foul).

Neuchâtel Xamax - Luzern 2:1 (2:0)

3312 Zuschauer. - SR Hänni.

Tore: 25. Ademi (Veloso) 1:0. 40. Nuzzolo (Serey Dié) 2:0. 80. Schulz (Vargas) 2:1.

Neuchâtel Xamax: Walthert; Gomes, Sejmenovic, Xhemajli; Serey Dié; Fejzullahu (88. Santana), Veloso (64. Corbaz), Pickel, Kamber; Ademi, Nuzzolo.

Luzern: Zibung; Schwegler, Lucas, Cirkovic, Sidler (87. Custodio); Grether, Schulz; Vargas, Schneuwly (64. Demhasaj), Schürpf (46. Eleke); Juric.

Bemerkungen: Neuchâtel Xamax ohne Doudin, Tréand, Lo Pogam, Huyghebaert, Djuric und Minder (alle verletzt). Luzern ohne Lustenberger, Knezevic, Kakabadse, Rodriguez, Ndenge und Ugrinic (alle verletzt). 84. Gelb-rote Karte gegen Grether (Foul). Verwarnungen: 20. Pickel (Foul), 43. Fejzullahu (Foul), 71. Lucas (Foul), 78. Grether (Foul), 86. Sidler (Foul), 93. Schwegler (Reklamieren).

Sion - Lugano 2:2 (1:1)

7000 Zuschauer. - SR Tschudi.

Tore: 11. Gerndt (Bottani) 0:1. 25. Lenjani 1:1. 78. Sabbatini (Fazliu) 1:2. 94. Ndoye (Morgado) 2:2.

Sion: Fickentscher; Maçeiras, Zock, Ndoye, Lenjani; Kouassi (77. Djitté); Toma (85. Grgic), Song (71. Kukeli); Morgado, Kasami, Adryan.

Lugano: Baumann; Lavanchy (47. Brlek), Maric, Covilo, Sulmoni, Mihajlovic; Piccinocchi, Sabbatini; Bottani (54. Fazliu), Carlinhos (74. Sadiku); Gerndt.

Bemerkungen: Sion ohne Abdellaoui (gesperrt), Mitrjuschkin, Baltazar, Raphael (alle verletzt) und Carlitos (nicht im Aufgebot). Lugano ohne Crnigoj und Macek (beide verletzt). Verwarnungen: 34. Kouassi (Foul), 58. Kasami (Foul), 54. Maric (Foul), 61. Fazliu (Foul), 94. Sulmoni (Foul). (dho/sda)

Erstellt: 10.02.2019, 19:04 Uhr

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