Keine Tränen für Sousa

Der FC Basel trennt sich von seinem Trainer. Das macht niemanden traurig.

Einfach zu Ende: Sousa beim Spiel gegen Vaduz (29. April 2015).

Einfach zu Ende: Sousa beim Spiel gegen Vaduz (29. April 2015). Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Der FC Basel ein Krisenclub? Man könnte es fast meinen – allerdings nur aufgrund seiner jüngsten Trainerhistorie. Der zuletzt sechs Mal in Serie Meister gewordene Verein trennt sich von Paulo Sousa. Die Basler Clubführung ist offenbar verärgert über den Portugiesen, der bei erstbester Gelegenheit den Abgang gesucht hat und seit Tagen in Verhandlungen mit der Fiorentina steht, ohne dass es bis jetzt allerdings zu einem Abschluss gekommen wäre. Der FCB und Sousa seien nun zum Schluss gekommen, schreibt der Club in einer Mitteilung, «dass es angesichts bestehender Meinungsdifferenzen in wichtigen Punkten im Interesse des Clubs, aber auch des Trainers ist, auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit in der Saison 2015/16 zu verzichten».

Mit der Trennung von Sousa setzt der FCB die bemerkenswerte Serie von Wechseln fort, obwohl sich der Club gerade in der erfolgreichsten Phase seiner Geschichte befindet. Der 44-Jährige ist der vierte Trainer, der Basel nach einer Meistersaison und wesentlichen internationalen Erfolgen verlässt . Oder verlassen muss. Und es ist der fünfte Abgang eines Trainers seit der Entlassung von Christian Gross im Sommer 2009.

Beim Zürcher Polizistensohn Gross war der Abschied begleitet vom Wehmut nach zehn gemeinsamen Jahren voller Triumphe. Bei Thorsten Fink blieb der Ärger, weil der Deutsche seinen Abgang erzwungen hatte. Bei Heiko Vogel war es das Unverständnis darüber, dass ein beim Volk beliebter Chef gehen musste. Bei Murat Yakin zeigten Mannschaft und Clubführung ihre Erleichterung über das Ende einer immer schwieriger gewordenen Beziehung.

Basel war nie mehr als eine Zwischenstation

Was bleibt jetzt zurück, nach dem Abgang des Portugiesen Sousa? Eigentlich nichts. Es ist einfach zu Ende gegangen. Darüber ist niemand besonders traurig. Niemand bei den Anhängern. Niemand bei den Spielern. Niemand in der Clubführung. Sousa hat es in seinem Basler Jahr nie geschafft, sich beliebt zu machen. Er war ein klassischer Söldner ohne vertiefte Bindung zu seinen Spielern oder zum Verein, den er immer nur als Zwischenstation gesehen hat auf seinem eigenen Weg.

Sousa hat beim FCB neue Ideen umgesetzt wie das Ganztages-Programm für die Spieler oder die medizinische Rund-um-die-Uhr-Überwachung. Er war erfolgreich mit dem Gewinn der Meisterschaft und dem Einzug in den Champions-League-Achtelfinal. Aber nicht erfolgreicher als andere vor ihm. Und der Fussball seines FCB, der war auch nicht so viel schöner als das berechnende Spiel, das seinem Vorgänger Murat Yakin vorgehalten worden war.

Für den FCB ist die Fallhöhe grösser geworden

Es hat jetzt einige Jahre praktisch keine Rolle gespielt, wer in Basel Trainer ist. Die Mannschaften, zuletzt individuell stets besser besetzt als alle Teams der nationalen Konkurrenz, haben sich unter Anleitung von Führungsspielern wie Marco Streller notfalls selbst gecoacht. Jetzt aber ist Streller zurückgetreten und Sousa weg. Auch Nationalverteidiger Schär hat sich verabschiedet. Und deshalb ist für den FCB auch die Fallhöhe plötzlich grösser geworden – zumal die Young Boys mit noch mehr Geld als bisher angreifen wollen.

Sousa Abgang immerhin erhöht die Chance, dass Fabian Frei bleibt, das Verhältnis der beiden war belastet. Der FCB wird auch investieren in sein Kader, die Zuzüge von Lang (GC), Hoegh (Odense) und Akanji (Winterthur) hat er bekannt gegeben, an Sions Fernandes zeigt er grösstes Interesse. Fehlt ihm noch der nächste Trainer. Die Basler wollen Sousas Nachfolger demnächst bekannt geben, ganz sicher noch in dieser Woche.

Erstellt: 17.06.2015, 21:30 Uhr

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