Lippenleser entschlüsselt Guardiola

Bayerns Startrainer Pep Guardiola erwies sich im Spiel gegen Dortmund erneut als kluger Taktiker. Wie er die Entscheidung herbeiführte.

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Im Vorfeld herrschte Gift und Galle. In einer hochstehenden und fair geführten Partie zwischen Dortmund und den Bayern siegte dann aber nur der Fussball. Die beiden Traditionsclubs Dortmund und Bayern, die in den letzten Jahren die Aushängeschilder des deutschen Fussballs schlechthin waren, gehen zurzeit sportlich getrennte Wege. Während der deutsche Rekordmeister und Doublesieger der vergangen Saison die Tabelle anführt, findet sich der BVB, der aktuelle Vizemeister notabene, nach zehn Runden und fünf Niederlagen in Serie auf einem Abstiegsplatz wieder, punktgleich mit dem Tabellenletzten Werder.

Vor dem Spiel zwischen den beiden Clubs lagen die Bosse im Clinch. Es ging um den deutschen Nationalstürmer Marco Reus, der in Dortmund offenbar eine Austiegsklausel von 25 Millionen Euro hat, wie Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge öffentlich ausplauderte und das Interesse an Reus bekundete. Dies wiederum brachte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf die Palme, der das traditionelle Mittagessen vor dem Spiel mit den Münchner Verantwortlichen kurzerhand absagte.

Guardiolas glückliches Händchen

In einem hochstehenden Spiel auf Champions-League-Niveau wurde dann auch mit harten Bandagen, aber jederzeit fair gekämpft. Nach dem Führungstor durch Marco Reus und dem Ausgleich durch Robert Lewandowski stand wieder einmal Bayerns Trainer Pep Guardiola im Mittelpunkt, der mit einer klugen taktischen Einwechslung des Franzosen Franck Ribéry nach 66 Minuten für den deutschen Weltmeister Mario Götze die Entscheidung herbeiführte. Ribéry holte nämlich jenen Elfmeter heraus, den der Holländer Arjen Robben zum 2:1-Sieg verwertete.

Vor der Einwechslung redete Guardiola intensiv auf Ribéry ein, erklärte ihm gestenreich, wie er sich taktisch im Spiel bewegen und verhalten soll, zeigte ihm immer wieder mit der rechten Hand zwei Finger. Der Spanier wollte offenbar, dass Ribéry den in der zweiten Halbzeit für den verletzten Mats Hummels eingewechselten Neven Subotic unter Druck setzt, von aussen in den Strafraum zieht, um dort Mittelstürmer Robert Lewandowski zu unterstützen. Laut eines Lippenlesers bei «Sky» hat sich Guardiola gegenüber Ribéry so geäussert: «Geh vorne rein. Spiel Sturm mit Lewandowski. Und Feuer frei auf Subotic.»

Guardiola suchte Rat bei Müller

Und tatsächlich: Ribéry stellte den völlig überforderten Subotic vor unlösbare Aufgaben. Gleich bei einer seiner ersten Aktionen stürmte er von der Aussenbahn mit dem Ball am Fuss an Subotic vorbei in den Strafraum, wobei sich der Dortmunder dann nur noch mit einem Foul behelfen konnte.

Weil Guardiola den deutschen Nationalspieler Thomas Müller bereits ausgewechselt hatte, stellte sich nun die Frage, wer den Elfmeter treten soll. Guardiola fand wieder die Lösung. Diesmal auf eine erstaunliche Art und Weise. Er rief den ausgewechselten Müller, der auf der Bank sass, kurzerhand zu sich, fragte diesen und befolgte schliesslich dessen Rat, Robben als Schützen zu bestimmen. Auch damit hatte Guardiola Erfolg. Der Holländer verwandelte den Penalty souverän. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.11.2014, 10:50 Uhr

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