Luzern wird nicht Meister

Zwei Punkte liegen bei Halbzeit der Super League zwischen den drei Topteams. Wettanbietern räumen dem zweitplatzierten FC Luzern lediglich Aussenseiterchancen ein.

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Schon in der ersten Runde der zweiten Phase der Schweizer Meisterschaft stehen wegweisende Duelle an: Das drittklassierte Zürich empfängt Leader Luzern, Basel spielt gegen Thun. Für die Buchmacher von Bwin.com ist der FCB grosser Favorit, seinen Titel zu verteidigen. Wer auf die Basler setzt, wird im Erfolgsfall am Ende der Saison nur das 1,55-Fache des Einsatzes erhalten. Sollte der FCZ seinen zwölften Titel feiern und damit zu Basel aufschliessen, gibt es immerhin das 3,75-Fache. Lediglich Aussenseiterchancen räumen die Buchmacher Wintermeister Luzern ein. Für einen Titelgewinn der Zentralschweizer zahlt Bwin den sechsfachen Einsatz aus.

Die Winterpause war keine Ruhephase im eigentlichen Sinne. Die Vereine der Super League, die am Wochenende den Meisterschaftsbetrieb wieder aufnehmen, haben beinahe ausnahmslos eine hektische Zeit hinter sich.

Ein abgebrochenes Trainingslager wegen politischer Unruhen, eine neue operative Führung, eine missglückte Entlassung, die Entmachtung eines Captains und eine Vielzahl von Transfers: Seit die besten Schweizer Klubs im Dezember den Kampf um Punkte unterbrochen haben, ist so manches geschehen. YB-Chef Ilja Kaenzig dürfte den meisten seiner Amtskollegen aus dem Herzen sprechen: «Ich bin froh, dass diese Schlagzeilen bald wieder durch den Fussball verdrängt werden.»

Direkt in die Champions League

Die Ausgangslage für die kommenden vier Monate ist spektakulär. Der Meistertitel ist finanziell so viel wert wie noch nie in der Geschichte des Schweizer Fussballs. Der nächste Titelträger qualifiziert sich im Normalfall direkt für die Gruppenphase der Champions League, was Einnahmen in der Höhe von 20 Millionen Franken garantiert. Nur wenn der kommende Champions-League-Sieger die direkte Qualifikation über die heimische Meisterschaft verpasst, muss der Schweizer Meister Ausscheidungsspiele bestreiten.

Im hinteren Teil der Tabelle kündigte sich ein nervenaufreibender Abstiegskampf an. Nicht nur in Zürich steht dabei die Frage im Vordergrund, ob die Grasshoppers sich aus ihrer unbequemen Lage befreien können. Lanciert wird das Rennen gegen die Relegation am Sonntag, wenn der Vorletzte St. Gallen den Letzten GC empfängt.

Dreikampf um den Titel?

Mit der besten Ausgangslage startet der FC Luzern in die Rückrunde. In den letzten sieben Jahren sicherte sich fünfmal der Halbzeit-Führende die Meisterschaft. Die Innerschweizer gehen allerdings mit minimalem Vorsprung in die zweite Phase der ASL und sind nicht frei von Sorgen. Die Stürmer Christian Ianu und Joao Paiva sind derzeit verletzt. Ianu fällt nach einem erneuten operativen Eingriff noch rund einen Monat aus, während Paiva sich von einem Muskelfaserriss erholt.

Auch Hakan Yakin ist angeschlagen. Der 86-fache Internationale wird wie bereits seit geraumer Zeit von Knieschmerzen geplagt und konnte deshalb die letzte Testpartie vor dem Gastspiel beim FC Zürich nicht bestreiten. Ein Yakin in Topform ist ohne Zweifel die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Rückrunde, mit der Möglichkeit auf den zweiten Meistertitel nach 1989. Der Spielmacher sammelte im letzten Halbjahr 20 Skorerpunkte und war damit an fast der Hälfte aller Luzerner Tore beteiligt.

Die ersten Verfolger von Luzern könnten nicht prominenter sein. Der FC Basel und der FC Zürich teilten die letzten sieben Meisterschaften unter sich auf und konnten beide in der jüngsten Vergangenheit schon eine Aufholjagd mit einem Triumph krönen: 2006 machte der FCZ in der Rückrunde acht Punkte auf den damaligen Wintermeister Basel wett, der FCB seinerseits fing im letzten Jahr trotz Sieben-Punkte-Rückstand die Young Boys noch ab.

Turbulentes Trainingslager des FCZ

In Basel war die Winterpause geprägt vom Abgang von Samuel Inkoom. Der Ghanaer verliess den 13-fachen Meister für rund acht Millionen Franken Richtung Ukraine, womit er sich 18 Monate nach seinem Wechsel ans Rheinknie mit zehnfacher Wertsteigerung wieder verabschiedete. Nur die Verkäufe von Felipe Caicedo und Matias Delgado spülten mehr Geld in die FCB-Kassen. Der Deutsche Markus Steinhöfer soll Inkoom ersetzen. Mit dem 19-jährigen Österreicher Aleksandar Dragovic wurde ein weiterer Verteidiger verpflichtet, der die Versetzung von Cagdas Atan ins zweite Glied und die sich für den Sommer abzeichnenden weiteren Abgänge kompensieren soll.

Auch der FC Zürich verzeichnete einen Zuzug für die Defensive. Der erfahrene Franzose Mathieu Béda ersetzt den nach Nordamerika gewechselten Alain Rochat. Im Mittelpunkt der Zürcher Winterpause stand das Trainingslager in Tunesien, das die Mannschaft wegen der politischen Unruhen abbrechen musste. «Es ging zum Teil sehr turbulent zu und her», resümiert Trainer Urs Fischer die letzten Wochen. «Es wurde uns aber nie langweilig.»

Fischer wird in den nächsten Runden auf den Topskorer Alexandre Alphonse verzichten müssen, der sich einen Muskelfaserriss zugezogen hat. Dafür sind Eric Hassli und Yassine Chikhaoui wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte. Bleiben die beiden aussergewöhnlichen Techniker fit, könnten sie für die Genialität sorgen, die der FCZ in der Hinrunde zum Teil vermissen liess.

Sorgenkinder: GC und St. Gallen

In Lauerstellung befinden sich der FC Sion und die Young Boys. Die Berner gehen mit acht Punkten Rückstand auf Luzern und dem neuen Schweden Alexander Fanerud in die Rückrunde, nachdem der Beginn des Jahres von dem Transfer-Wirrwarr des Südkoreaners Koo Ja-Cheol und der Entlassung von Manager Alain Baumann geprägt war. Insbesondere bei der Freistellung von Baumann bewies der Klub nicht zum ersten Mal wenig Feingefühl. Baumann wurde der blaue Brief während seiner Ferien zugestellt, wovon auch noch die lokale Presse erfuhr. Beim Kantonsrivalen Thun führte derweil die verspätete Ferien-Heimreise des Argentiniers Oscar Scarione zu Turbulenzen. Der Spielmacher wurde als Captain abgesetzt.

Über diese Sorgen können die Grasshoppers und St. Gallen nur lachen. Der in Niederhasli domizilierte Rekordmeister, der die nächsten Monate damit verbringen wird, den ersten Abstieg seit 1949 zu verhindern, setzte eine neue operative Führung ein, wobei die Machtbefugnisse von Trainer Ciriaco Sforza erweitert wurden. In sportlicher Hinsicht sollen unter anderem fünf neue Spieler, unter ihnen Mario Frick und Milan Gajic, den Aufschwung herbeiführen. Auch der FC St. Gallen verstärkte sich. Nach der finanziellen Rettungsaktion konnten sich die Ostschweizer Alberto Regazzoni und Daniel Beichler (Hertha Berlin) leisten. Zudem wurden drei zuletzt vertragslose Spieler ins Kader integriert. (son/si)

Erstellt: 04.02.2011, 18:58 Uhr

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