Magath, Daum und die Angst vor der zweiten Liga

Felix Magath empfängt mit Wolfsburg im Sonntagsspiel der Bundesliga Christoph Daums Frankfurter Eintracht. Eine Niederlage würde beide der zweiten Liga gefährlich nahe bringen.

Zwei altgediente im Abstiegskampf: Christoph Daum (Frankfurt) und Felix Magath (Wolfsburg) stehen sich am Sonntag in der Bundesliga gegenüber.

Zwei altgediente im Abstiegskampf: Christoph Daum (Frankfurt) und Felix Magath (Wolfsburg) stehen sich am Sonntag in der Bundesliga gegenüber. Bild: Keystone

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Die deutsche Meisterschaft geht am 28. Spieltag der Bundesliga langsam in die heisse Phase und wartet mit brisanten Partien auf. Aber alles wird vom Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und der Eintracht Frankfurt überstrahlt. Es geht zwar nicht um die Meisterschale, sondern nur um die Frage, wer den Klassenerhalt schafft, das Spiel vom Sonntag erfährt aber durch das Zusammentreffen von Wolfsburg-Trainer Felix Magath und Eintracht-Coach Christoph Daum eine ungeheure Aufmerksamkeit.

Beide Mannschaften sind, bemüht man die Statistik, stark abstiegsbedroht. Es spielen die schlechtesten Mannschaften der Rückrunde gegeneinander – Wolfsburg ergatterte nur acht Punkte, was einzig durch Eintrachts fünf Rückrundenpunkte unterboten wird. Wolfsburg hat darüber hinaus die schlechteste Saison seiner Bundesliga-Geschichte gespielt: Bis jetzt holte der Klub nur 27 Punkte in ebenso vielen Spielen. Dennoch kann Magath optimistisch sein, denn die Eintracht hat noch nie in Wolfsburg gewonnen und die letzten sieben Auswärtsspiele der laufenden Saison verlor sie allesamt. Zudem haben die Frankfurter mit 27 Treffern die schlechteste Offensive der Bundesliga, 16 davon gehen auf das Konto des überragenden Theofanis Gekas.

Aber von Statistik reden nur die wenigsten, vielmehr stehen trotz kaltblütiger Trainerwechsel Emotionen im Zentrum und die Frage, wie und ob die Coaches ihre Mannschaft motivieren können. Felix Magath und Christoph Daum gehören zu den bedeutendsten Bundesliga-Trainern und haben beide jeweils schon über 400 Bundesligaspiele an der Seitenlinie zugebracht. Zudem sind beide für ihren Aktionismus, ihre ungewöhnlichen, zuweilen harten, aber stets professionellen Trainingsmethoden bekannt. Nicht umsonst hat Magath sich den Namen «Quälix» erworben. Daum steht ihm aber in nichts nach. Nach seiner Übernahme des Trainingsbetriebs in Frankfurt befahl er Neun-Stunden-Tage, während den Trainingszeiten dürfen die Spieler das Gelände nicht verlassen. Zugleich liess er die Frankfurter Spieler auch die längste Trainingseinheit seit der Ära Magath vor zehn Jahren absolvieren.

Unverhofft kommt oft

Alle waren über die plötzliche Rückkehr von Christoph Daum überrascht. Der zuvor in der Türkei bei Fenerbahçe Istanbul engagierte Trainer hatte nach seinem Abgang aus der Süper Lig seit Juni 2010 eine längere Pause eingelegt. Wie er gegenüber der «FAZ online» sagte, hatten er und sein Assistenzcoach Roland Koch zwei Angebote. Dynamo Moskau wäre eine der beiden Optionen gewesen. Der Wechsel an den Main zu Frankfurt kam demnach auch für ihn unverhofft.

Ganz anders sieht es bei Felix Magath aus. Während Daum als «enfant terrible» nach seinem Kokain-Skandal die Bundesliga verlassen hatte und nun mit viel Aufhebens zurückgekehrt ist, spielt Magath seine Diven-Rolle in der Bundesliga weiter. Sein Kontrollbedürfnis liess ihn immer wieder in Konflikt mit den Vereinen geraten, welche er sowohl als Trainer betreute, als auch als Manager organisatorisch führte. In einem Interview mit der «Wolfsburger Allgemeinen Zeitung» sagte Magath erleichtert: «Ich weiss jetzt zumindest, was ich an dem VfL gehabt habe.» Diesen Verein will er nun aus dem Abstiegskampf führen und so bald als möglich wieder «jedes Jahr international spielen.» Im Gegensatz zum Rückkehrer Daum, mit dem sich Magath auch auf privater Ebene versteht, kündigte der Wolfsburger Coach an, dass dies «mein letzter Verein als Trainer in der Bundesliga sein» wird. (ot)

Erstellt: 01.04.2011, 16:08 Uhr

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