«Man hat mich schon als verheizt und verbrannt abgeschrieben»

GC läuft dem FCZ auf dem Platz Zürich langsam, aber sicher wieder den Rang ab. Präsident André Dosé und Trainer Uli Forte erklären gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet, weshalb nach einem Tief der Aufschwung kam.

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Die Tabelle lügt nicht. GC hat nach fünf Runden mit acht Zählern doppelt so viele Punkte wie der Stadtrivale FCZ auf dem Konto. Trainer Uli Forte, der schon während der letzten Spielzeit das Kommando des zurückgetretenen Ciriaco Sforza übernommen hatte, erklärt die Hintergründe, weshalb er sofort einstieg. «Ich musste den Puls der Mannschaft fühlen, um herauszufinden: was habe ich, was brauche ich und was will ich noch.» Das könne man aber nicht, wenn man an den Spielen und bei Trainings nur Zaungast sei. Dann habe die Analyse aufgrund der Trainings und Spiele ergeben, dass insbesondere eine starke Achse von Nöten sei. «Wir holten Vilotic und Grichting für die zentrale Abwehr, Salatic fürs Mittelfeld, Gashi für die Zehnerposition als Spielgestalter und Ben Khalifa als Goalgetter.»

Forte holte in den ersten sieben Spielen lediglich zwei Punkte

Nach der Übernahme von Sforza war die Bilanz Fortes ernüchternd. Er holte in den verbleibenden sechs Partien bei zwei Remis keinen einzigen Sieg. Und spätestens nach der Startniederlage in dieser Saison gegen Sion im eigenen Stadion wurde er zum grossen Verlierer abgestempelt. «Die Presse hat mich schon abgeschrieben, ich sei verheizt und verbrannt», führt der Coach aus. Er habe aber immer gewusst, dass sein Einstieg während der Saison das absolut Richtige gewesen sei.

«Ich lasse es nicht zu, dass der Schlendrian Einzug hält»

Die Grasshoppers sind im Aufwind. Doch Forte ist noch lange nicht zufrieden. Er tritt sogleich auf die Euphoriebremse: «Ich werde es nicht zulassen, dass der Schlendrian Einzug hält. Ich habe den Spielern klargemacht, dass sie auf dem Teppich bleiben und sich jeden Tag neu beweisen müssen. Nur so ist eine Weiterentwicklung möglich.» Wer sich nicht strikte an die Regeln des Vereins halte, bekomme die grössten Probleme.

Während des Spiels gegen Servette gerieten Torhüter Bürki und Verteidiger Xhaka aneinander. Forte hat den Zwischenfall mit den beiden Spielern thematisiert. «Mir ist lieber, wenn sie sich mal auf dem Rasen die Meinung geigen, als sich dann hintenherum zu beschweren», sagt er. Die beiden hätten sich ausgesprochen und sich die Hand gereicht.

«Wir wurden für unsere Transfers noch kritisiert»

Präsident André Dosé erklärt den Aufschwung so: «Alle im Verein arbeiten jeden Tag extrem hart. Bei GC ist man wieder erfolgshungrig, der Wille zur Leistung ist enorm, wir haben eine tolle Aufbruchstimmung im Club», sagt Dosé und fügt bei: «Obwohl wir für unsere Transfers kritisiert wurden, haben sich diese bisher absolut ausbezahlt. Bei uns wächst etwas zusammen.» Ein besonderes Lob zollt er Trainer Uli Forte. «Uli strahlt wieder viel Selbstvertrauen aus und das überträgt sich auch auf die Mannschaft. Er ist ein akribischer Arbeiter. Seine Arbeit hat System. Der Wille und die Disziplin in der Mannschaft sind gross. Die Chemie stimmt. Die Handschrift Fortes ist klar zu erkennen.»

«Das hat mich echt hässig gemacht»

Doch Dosé ist ein Mann, der sich wie Forte nie zufrieden gibt. «Wir können und müssen immer besser werden, uns täglich weiterentwickeln. Aber wir haben zurzeit im Spiel noch zu viele individuelle Fehler, die zu unnötigen Ballverlusten führen. Sonst hätten wir vielleicht drei oder vier Punkte mehr auf dem Konto.» Gegen Basel hätte man die Partie unbedingt gewinnen müssen. «Das hat mich extrem gestört und echt hässig gemacht», klagt Dosé rückblickend. Auch gegen Sion hätte man mindestens ein Unentschieden verdient gehabt.

«Wir werden kurzfristig noch einen Transfer tätigen»

«Gegen Servette war es zuletzt ein Geknorze. Wir haben zu viele Chancen ausgelassen. Aber im letzten Jahr hätte wir solche Spiele noch verloren, weil wieder irgendein Mist passiert wäre.» Der Präsident bedauert den verletzungsbedingten Ausfall von Spielmacher Shkelzen Gashi, der während sechs Wochen nicht zur Verfügung steht. «Das trifft uns hart. Er ist torgefährlich und spielt auch einen glänzenden letzten Pass in die Tiefe. Wir haben schon Spieler, die auf dieser Position spielen können. Aber einen Gashi kann man leider nicht eins zu eins ersetzen.» Dosé verrät, dass die Grasshoppers kurzfristig noch einen Transfer tätigen wollen.

Erstellt: 16.08.2012, 11:30 Uhr

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