«Man muss den Karren aus dem Dreck ziehen»

Der Unternehmer Edgar Oehler will mithelfen, die drohende Pleite des FC St. Gallen und des AFG-Stadions zu verhindern.

«Mit mir konnte man in der Vergangenheit immer rechnen»: Der 68-jährige Edgar Oehler ist Chef der Arbonia-Forster-Holding und Hauptsponsor des FCSG. Das AFG-Stadion ist nach seiner Firma benannt. Früher war er CVP-Nationalrat.

«Mit mir konnte man in der Vergangenheit immer rechnen»: Der 68-jährige Edgar Oehler ist Chef der Arbonia-Forster-Holding und Hauptsponsor des FCSG. Das AFG-Stadion ist nach seiner Firma benannt. Früher war er CVP-Nationalrat.

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Nach dem Nein des St. Galler Stadtparlaments zur Rettung der überschuldeten AFG-Arena steht der FC St. Gallen am Abgrund. Um den Konkurs abzuwenden, bleibt bloss eine gute Woche Zeit, das machte die Führung des Klubs mit Präsident Michael Hüppi gestern an einer Pressekonferenz klar. In dieser Zeit müssen weitere fünf Millionen Franken von Investoren aufgetrieben werden. Laut Investorenvertreter Dölf Früh gestaltet sich die Suche nach Geldgebern «sehr schwierig». Nun konzentriert sich auch seine Hoffnung auf Edgar Oehler.

Herr Oehler, die Politik lässt die AFG-Arena und den FC St. Gallen im Stich. Können Sie das verstehen?
Verständnis zu haben, fällt schwer. Aber als Demokrat muss ich den Entscheid des Stadtparlaments akzeptieren.

Die Politiker sagen, die Fussballmanager hätten das Desaster angerichtet. Jetzt sollen sie die Suppe auch selber auslöffeln.
Dem widerspreche ich nicht. Ich habe schon vor vier Jahren kritisiert, das Stadion mit diesen drei Gesellschaften funktioniere nicht besser als ein Trachtenverein. Allerdings sind die Verantwortlichen finanziell gar nicht in der Lage, die Suppe selber auszulöffeln.

Fordern Sie Rücktritte?
Auch das habe ich schon vor vier Jahren gefordert. Ich nenne heute aber keine Namen.

Sie glauben aber noch an eine Rettung von AFG-Arena und Klub?
Auf jeden Fall muss man den Karren jetzt wieder aus dem Dreck ziehen.

Wie soll das geschehen? Einen Plan B mit privaten Investoren gibt es offenbar nicht. Gesichert sind höchstens fünf Millionen Franken. Werden Sie selber mithelfen?
Dazu möchte ich mich nicht äussern.

Sie gelten als Hoffnungsträger. Kann man also mit Ihnen rechnen?
Mit mir konnte man in der Vergangenheit immer rechnen. Ich habe mich immer sowohl politisch als auch finanziell für die Region Ostschweiz eingesetzt. Und dafür, dass St. Gallen in der schweizerischen Fussballszene eine führende Rolle spielt.

Jetzt fehlen aber mindestens noch fünf Millionen Franken.
Ja, da muss jetzt einfach versucht werden, dieses Loch zu stopfen. Und ich hoffe natürlich, dass das auch gelingt.

Als Namensgeber der AFG-Arena zahlen Sie schon heute eine Million Franken. Ausgerechnet jetzt drohen Sie aber mit dem Ausstieg. Ist das nicht ein falsches Signal?
Ich steige nur dann aus, wenn der FC in die Amateurliga absteigen muss. So steht es nun einmal im Vertrag, den ich mit der Betriebs-AG abgeschlossen habe. Wenn das Stadion in Konkurs geht und der FC absteigen muss, nützt das Namensrecht ohnehin niemandem mehr etwas.

Sie betonten stets, die AFG-Arena sei Ausdruck des Ostschweizer Selbstbewusstseins. Was Bern oder Basel könnten, könne man selber auch. Wie verträgt sich das mit diesem Debakel bereits nach zwei Betriebsjahren?
Sind Sie Zürcher?

Sagen wir Wahlzürcher.
(Lacht) Dann können Sie sich gleich unter dem Tisch verstecken. Das grosse und reiche Zürich hat es bis heute nicht geschafft, eine AFG-Arena zu bauen. In Zürich wird seit Jahren bloss gestritten. Und für die neue Sportstätte werden auch die Steuerzahler aufkommen. In St. Gallen haben wir das Projekt hingegen in relativ kurzer Zeit realisiert. Und Bern ist nochmals ein anderer Fall. Im Stade des Suisse stecken etliche Millionen des Bundes.

War das St. Galler Stadion nicht von Anfang an ein Fehlkonstruktion? Es ist schlecht ausgelastet: Ausser Fussball gibt es kaum Massenevents wie Popkonzerte.
Da ging das Management in der Planung tatsächlich von falschen Voraussetzungen aus. Ich hatte aber von Anfang an gewarnt: Die Region Ostschweiz hat für andere Grossanlässe als Fussball ein zu kleines Einzugsgebiet, und die Zürcher kommen nicht zu Popkonzerten nach St. Gallen.

Wie soll ein Stadion je rentieren, das zu viele Tage im Jahr leer steht?
Im bin überzeugt: Wenn das Stadion entschuldet ist, besteht kein finanzielles Risiko mehr. Das Problem heute ist ja, dass man jährlich zwei Millionen Franken zurückzahlen muss. Das Geld fehlt in der Kasse, um die laufenden Rechnungen zu bezahlen.

Erstellt: 28.10.2010, 07:10 Uhr

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