Messi, Messi, immer wieder Messi

Der FC Barcelona ist nach einem 3:0 über Bayern München ganz nah am Final der Champions League.

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Niemand könne Lionel Messi stoppen. Pep Guardiola hatte das am Tag vor dem Spiel seiner Münchner Bayern gegen sein Barcelona tatsächlich gesagt. Und vermutlich hat er es sogar so gemeint. Darauf, dass sich seine Weissagung aber etwas mehr als 24 Stunden später auf diese Art und Weise bewahrheitet, hätte Guardiola sicher trotzdem gerne verzichtet.

Zweimal hatten seine Bayern Messi in diesem Halbfinal-Hinspiel der Cham¬pions League nicht im Griff, zweimal nutzte dieser die Gelegenheit. Mit seinen Toren Nummer 76 und 77 in der Königsklasse baute er seinem Team nicht nur ein starkes Fundament für das Rückspiel in München. Er überholte auch seinen ewigen Rivalen ¬Cristiano Ronaldo, der erst am Abend zuvor mit seinem 76. Tor in der Champions League einen Rekord aufgestellt hatte – für bloss einen Tag.

Dass Messi dann in der 94. Minute auch noch Neymar losschickte, um das 3:0 zu besorgen, könnte bereits der K.o.-Schlag gewesen sein in diesem Duell der beiden FCB. Und weil in Barcelona auch immer das Symbolische eine grosse Kraft hat, wälzten sich Messi und ¬Neymar nach diesem Treffer wie zwei junge Hunde auf dem Rasen des Camp Nou. Als weiteres Zeichen an alle Auguren, wie gut sich dieser Luxus-Sturm versteht, zu dem auch Luis Suarez gehört, der gestern ausnahmsweise ohne Torerfolg blieb. 111 Tore haben die drei in der laufenden Saison über alle Wettbewerbe nun erzielt. Manchmal können Zahlen durchaus Klasse ausdrücken.

Nun war es trotz der Ansage, niemand könne Messi stoppen, nicht so, dass Guardiola dem Argentinier einfach einen Freifahrtschein ausgestellt hätte. Wahrscheinlich ist in diesem Fall die deutsche Sprache einfach nicht exakt genug. Wahrscheinlich kommt das Spanische der Realität näher. Auf Spanisch heisst niemand «ninguno»: nicht einer. Und einer allein kann Messi tatsächlich kaum stoppen. Ganz viele aber manchmal schon.

Ein dichtes Netz mit zwei Lücken

Genau das war das Mittel, das Guardiola bei seiner Rückkehr ins Camp Nou anwenden liess, in jenem Stadion, in dem er als Trainer 14 Titel in vier Jahren gewonnen hatte. Nicht einer kümmerte sich um Messi, nicht zwei oder drei. Meist waren es vier, fünf Bayern, die ein dichtes Netz um den Argentinier spannen.

Es war ein schier unglaublicher Aufwand, den der deutsche Meister betrieb, um den Spielfluss der Katalanen zu ersticken. Mit all den Ausfällen, die die Bayern zu beklagen haben, scheinen sie besonders eng zusammengerückt zu sein. Die Klasse eines Ribéry, eines Robben oder eines Alaba, sie sollte durch Einsatz und Laufwillen wettgemacht werden.

76 Minuten lang ging dieses Rezept auf. Natürlich, Barcelona hatte früh grosse Chancen, in Führung zu gehen. Aber für irgend etwas haben die Bayern ja einen Weltmeister im Tor. Gegen Suarez und Dani Alves rettete Manuel Neuer zweimal mit seinem rechten Fuss. Einmal stand Rafinha mit all seinem Eifer zwischen Neymar und dem 1:0.

Doch ein Moment der Unachtsamkeit reichte, um die Bayern um ihren Lohn zu bringen. Eine Schwalbe Neymars reklamierten sie in der 77. Minute, die Konzentration sank für Sekundenbruchteile. Um Messi herum standen nicht drei und nicht vier, sondern da war keiner. Auf jeden Fall war da keiner nah genug, um ihn am Abschluss zu hindern. Die Bayern hätten sich vielleicht besser mit diesem 0:1 zufrieden gegeben. Doch sie öffneten, sie boten Barça und Messi den Raum, um noch zwei weitere Tore zu zaubern. Vielleicht kann trotzdem irgendjemand Messi stoppen. Die Bayern aber dürften es in diesem Jahr nicht sein.

FC Barcelona - Bayern München 3:0 (0:0)
Camp Nou. - 98'000 Zuschauer. - SR Rizzoli (It). - Tore: 77. Messi 1:0. 80. Messi 2:0. 94. Neymar 3:0.
FC Barcelona: ter Stegen; Dani Alves, Piqué, Mascherano (89. Bartra), Jordi Alba; Rakitic (82. Rakitic), Busquets, Iniesta (87. Rafinha Alcantara); Messi, Suarez, Neymar.
Bayern München: Neuer; Benatia, Boateng, Rafinha; Xabi Alonso; Lahm, Thiago Alcantara, Schweinsteiger, Bernat; Lewandowski, Müller (79. Götze).
Bemerkungen: Barcelona ohne Mathieu (verletzt), Bayern ohne Robben, Ribéry, Alaba und Badstuber (alle verletzt). Verwarnungen: 35. Xabi Alonso (Reklamieren). 46. Dani Alves (Foul). 52. Benatia (Foul). 56. Bernat (Foul). 66. Piqué (Foul). 69. Neymar (Unsportlichkeit).

Erstellt: 06.05.2015, 23:34 Uhr

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