Messi über das Geheimnis seines Erfolgs

Lionel Messi ist der beste Fussballer der Welt. Er steht nach dem 5. Meistertitel mit Barcelona vor dem 3. Champions-League-Final. Und erklärt, warum er zurzeit so viele Tore schiesst.

Messi und der Ball: In 54 Wettbewerbsspielen dieser Saison erzielte der 23-jährige Argentinier für den FC Barcelona 52 Tore.

Messi und der Ball: In 54 Wettbewerbsspielen dieser Saison erzielte der 23-jährige Argentinier für den FC Barcelona 52 Tore. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Lionel Messi, Sie haben mit dem FC Barcelona vorzeitig die spanische Meisterschaft gewonnen. Sind Sie erleichtert, dass Sie sich nun auf den Champions-League-Final vom 28. Mai konzentrieren können?
Es ist immer gut, vor der letzten Runde Meister zu sein, ob nun noch ein Champions-League-Final folgt oder nicht. Du willst nicht nervös sein, auf den letzten Match warten und möglicherweise auch noch von anderen Resultaten abhängig sein. Dass wir erneut und zwei Runden vor Schluss Meister wurden, beweist unsere Stärke. Doch natürlich ist es auch schön, an diesen Final zu denken, auf den wir jetzt alle blicken.

Einige Leute finden, der Halbfinal zwischen Barcelona und Real Madrid sei das eigentliche Endspiel gewesen. Hätten Sie im Final lieber gegen Real gespielt?
Der Gegner ist für mich gar nicht so wichtig. Trotzdem finde ich, dass es eine Art Traumfinal ist, wenn wir auf Manchester United treffen. Die United ist das einzige Team, das derzeit unser Niveau erreichen kann. Sie ist stark, und sie wird nicht versuchen, unser Spiel zu zerstören, wie das Real getan hat. Manchester will sein eigenes Spiel machen, und ich bin überzeugt davon, dass es deshalb einen vorzüglichen Final geben wird.

Ist es für die United ein Vorteil, dass der Final in London stattfindet?
Sie wird vielleicht ein paar Fans mehr haben, weil das eigentlich neutrale Publikum eher für Manchester sein wird, doch das wird keinen grossen Einfluss auf den Ausgang der Partie haben. Wir richten unser System nicht darauf aus, ob wir zu Hause oder auswärts spielen.

Sie haben schon in vielen Ländern Tore erzielt, aber noch nie auf englischem Boden. Ist der Final eine Chance für Sie?
Stimmt es wirklich, dass ich in England noch nie getroffen habe? Lassen Sie mich darüber nachdenken … Ja, Sie liegen richtig. Ich habe bisher nie darüber nachgedacht und glaube auch, dass es Zufall ist. Ich werde im Wembley alles dafür unternehmen, ein Tor zu erzielen. Aber Sie kennen mich: Wenn wir den Pokal gewinnen, interessiert es mich nicht, wer die Tore erzielt hat.

Es ist Ihr dritter Champions-League-Final. Ist er so speziell wie der erste?
Ich glaube schon. Die Champions League ist der wichtigste Wettbewerb neben der WM. Es sind die weltweit besten Spieler dabei. Ich habe grosse Erwartungen an diesen Final, weil ich glaube, dass beide Teams ohne taktische Fesseln spielen.

Wie schätzen Sie Manchester ein?
Ich sehe viel Potenzial in dieser Mannschaft. Sie war stark in der Premier League und gewann den Titel. Ich habe in der Champions League ein paar Spiele von ihr gesehen, es war sehr überzeugend, wie sie im Halbfinal Schalke besiegte (mit einem 2:0 auswärts und einem 4:1 im Rückspiel). Du musst dabei im Kopf haben, dass sich Schalke gegen Valencia und Inter für den Halbfinal qualifizierte, dann aber gegen Manchester United nicht den Hauch einer Chance hatte. Das sagt viel über die Kraft dieses Teams, über die Qualität der Spieler.

Wer gefällt Ihnen am besten?
Wer gefällt mir nicht? Manchester ist wie wir auf jeder Position gut besetzt.

Javier «Chicharito» Hernandez wechselte für weniger als 10 Millionen Euro aus Mexiko zu Manchester. Er hat in seiner ersten Saison 13 Tore in der Liga und 4 in der Champions League erzielt. Sind Sie von seiner Entwicklung überrascht?
Er ist sicher einer der Gründe, weshalb es der United in dieser Saison so gut läuft. Ich muss gestehen, dass ich vorher nicht viel über ihn gewusst habe, also kann man wohl sagen, dass ihm nun der Durchbruch gelungen ist. Er hat grosses Potenzial, und es könnte sich lohnen, seinen Weg zu verfolgen.

Gibt es Spieler bei Manchester, die es auch beim FC Barcelona in die Mannschaft schaffen würden?
Hernandez könnte zu uns passen. Er spricht Spanisch und hat einen grossartigen Stil. Es ist schwierig vorauszusehen, was er im Zweikampf als Nächstes tut, und gerade das sehen wir als Stärke unserer Mannschaft. Ich bin sicher, dass sowohl unser Management wie auch die Führung von Real Madrid solche Spieler beobachtet. Wayne Rooney wäre ebenfalls denkbar. Er spielt seit jüngsten Jahren auf höchstem Niveau (der 25-jährige Rooney debütierte für Everton mit 16 in der Premier League und ist nun seit 7 Jahren bei der United). Ich bin sicher, dass er seinen Stil innert kürzester Zeit den spanischen Verhältnissen anpassen könnte.

Wie schätzen Sie Trainer Alex Ferguson ein, der seit 1986 unter anderem 12 Meistertitel und zweimal die Champions League gewonnen hat?
Ich habe grössten Respekt vor seiner Arbeit. Du musst ein grossartiger Coach und eine aussergewöhnliche Person sein, wenn es dir gelingt, in demselben Klub immer wieder Titel zu gewinnen, Spieler und auch Spielstile weiterzuentwickeln. Für mich ist Josep Guardiola der beste junge Fussballtrainer, und Ferguson ist zweifellos der beste der älteren Generation. (Barça-Trainer Guardiola ist 40-jährig, Ferguson wird Ende Jahr 70.)

Sie sind 23-jährig, haben fünfmal die spanische Meisterschaft gewonnen und können jetzt den dritten Champions-League-Sieg holen. Wie viele Titel sollen es in Ihrer Karriere überhaupt werden?
Die einfache Antwort ist: so viele wie möglich. Es ist allerdings nicht so, dass ich zu Hause sitzen und die Jahre zählen würde, die mir noch bleiben als Profi, und wie viele Titel ich bis dahin gewinnen sollte. Ich schaue gar nicht so weit in die Zukunft, sondern geniesse es nur, in diesem wunderbaren Team meines Lieblingsvereins zu sein.

Sie haben vor zwei Jahren 38, dann 47 und nun erstmals über 50 Tore in einer Saison erzielt. Was haben Sie an Ihrem Spiel verändert, um auf so viele Treffer zu kommen?
Ich bin älter und erfahrener geworden. Viele Situationen auf dem Rasen habe ich schon einmal erlebt, und davon profitiere ich: Ich treffe klügere Entscheidungen. Ich weiss, wozu ich fähig bin, und das macht eine Menge aus. Dazu spiele ich mit einem riesigen Selbstvertrauen. Während eines Spiels habe ich verrückte Ideen im Kopf und bin mutig genug, diese Ideen auch umzusetzen.

Haben Sie eine Meinung, wer der Beste ist in der Geschichte: Pelé, Maradona oder Sie?
Ich weiss nicht, ob ich schon so weit oben stehe wie Pelé und Maradona. Beide waren grossartige Spieler und haben auch mit der Nationalmannschaft so viel gewonnen, das fehlt mir. Dazu kommt, dass es kaum möglich ist, Spieler aus den verschiedenen Zeitaltern des Fussballs miteinander zu vergleichen. Ich habe nicht die Ambition, die Leute einmal sagen zu hören: «Lionel Messi war der Beste der Geschichte.» Wenn ich in 50 Jahren in Erinnerung bin als wichtiger Spieler dieser fantastischen Barça-Mannschaft, bin ich sehr stolz.

Sind Sie überrascht, dass es nicht nur Ihnen, sondern auch Cristiano Ronaldo gelungen ist, so viele Tore zu erzielen in Meisterschaft und Cupwettbewerben dieser Saison?
Ich bin äusserst beeindruckt von Ronaldos Leistungen. Er hat Real Madrid an der Spitze der Liga gehalten und hätte es verdient gehabt, in einem offensiver ausgerichteten Team die Clásicos gegen uns zu spielen. Sein Endspurt mit zuletzt sieben Toren innert vier Tagen hat mich verblüfft, weil ich dachte, ich könnte den Pichichi gewinnen (so heisst die Trophäe für den Torschützenkönig der Primera División). Aber mit so vielen Toren verdient er den Titel. (Ronaldo hat eine Runde vor Schluss 39 Ligatore erzielt, Messi 31.)

Ist das aktuelle Barça-Team das stärkste, in dem Sie je gespielt haben?
Ja, ganz sicher. Viele Spieler sind zwar schon seit Jahren dabei, aber wir sind alle älter und erfahrener. Wir haben den besten Trainer, weil Guardiola so loyal zum Klub ist wie die Spieler aus der Nachwuchsakademie. Er tut immer das, was am besten für den Verein ist und nicht für ihn selbst. Er steht als Symbol dafür, wie Barcelona spielen und sich benehmen will.

Wird es für diese Mannschaft jemals Rückschläge ohne Titelgewinne in einer Saison geben?
Es ist unmöglich, eine Zukunftsprognose zu stellen. Beachten Sie aber bitte, dass der FC Barcelona seinen Erfolg sorgfältig aufgebaut hat. Was wir jetzt haben, ist das Resultat jahrelanger harter Arbeit in der Nachwuchsakademie, aber auch auf dem Transfermarkt mit den richtigen Zuzügen. Ich glaube, dass unsere Titelgewinne höchst verdient sind, und denke auch, dass dieses Team auf Jahre hinaus keine Rückschläge erleiden wird.

Erstellt: 17.05.2011, 10:54 Uhr

Artikel zum Thema

Lionel Messi geht fremd

Für einen chinesischen Werbespot tauschte der Superstar des FC Barcelona den Fuss- gegen den Tischtennisball. Mehr...

Mourinhos Irrtümer, Messis Tore

Real Madrid steht nach dem Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Barcelona mit dem Rücken zur Wand. Die «Königlichen» verloren ihr Heimspiel 0:2. Mehr...

Higuain und Kaka für Real, Messi für Barcelona

Spanien Real Madrid wahrt in der 33. Runde der Primera Division seine kleinen Chancen auf den Meistertitel. Die Madrilenen setzen sich in einem Torefestival auswärts in Valencia 6:3 durch. Mehr...

Lionel Messi

Geboren am 24. Juni 1987 im argentinischen Rosario, zog Lionel Messi zusammen mit seiner Familie als 13-Jähriger nach Spanien. Der Stürmer litt an Wachstumsstörungen, der FC Barcelona war von seinem Talent so angetan, dass er sich im Gegensatz zu argentinischen Grossklubs bereit erklärte, die Kosten für die nötige Hormontherapie zu übernehmen. Messi wurde trotzdem nicht grösser als 1,69 m, debütierte aber mit 17 in der Primera División, gewann seither fünf Meistertitel und zweimal die Champions League. In den vergangenen zwei Jahren wurde er ausserdem mit dem Ballon d’Or für den weltbesten Spieler ausgezeichnet.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...