Mit Glatze und imposantem Bart: Wer ist dieser GC-Hooligan?

Stefan N., der mutmassliche Rädelsführer der GC-Hooligans, hat Neonazi-Vergangenheit. Kurt Pelda hat recherchiert.

Stefan N. mit vermummten Hooligans in Luzern auf dem Rasen. Foto: Manuel Geisser

Stefan N. mit vermummten Hooligans in Luzern auf dem Rasen. Foto: Manuel Geisser

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Wer ist der Hooligan, der die Grasshoppers-Spieler am Sonntag in Luzern mutmasslich genötigt hat, ihre Trikots abzugeben? Und damit zum Abbruch des Spiels zwischen GC und dem FC Luzern beitrug? Stefan N., der Rädelsführer mit der Glatze und dem imposanten ­grauen Bart, ist in der Szene kein Unbekannter. Schon vor Jahren war er in Zürichs rechtsextremer «Hardturm-Front» als Hopper-Fan aktiv.

Auf Missfallen anderer Hooligans stiessen damals unter anderem seine Tätowierungen: Auf der Brust hatte er sich eindeutige Nazisymbole einstechen lassen und zudem die Wörter Ehre, Treue und Vaterland. Auf seiner rechten Hand prangt der Schriftzug «no ­mercy», möglicherweise bezogen auf die Thurgauer Neonazi-Gruppe «Erbarmungslos», bei der Stefan N. ­mitspielte. Die Ende der Neunzigerjahre gegründete Band trat an Konzerten unter anderem mit Songs wie «Weiss und stolz» oder «Lieber stehend sterben» auf. Davon zeugt eine Sampler-CD mit dem sinnigen Titel «White Nation».

Damals ­machte Stefan N. auch bei den Hammerskins der Patriotischen Ostfront mit, einer eindeutigen Neonazi-Gruppierung. In Frauenfeld gehörte er zu den Mitinitiatoren einer Demonstration gegen Ausländergewalt, die dann aber von den Behörden nicht bewilligt wurde. Wann genau die Distanzierung vom Nationalsozialismus erfolgte, ist nicht ganz klar. Ein guter Freund von Stefan N. erzählt, dass der aus dem Thurgau stammende Schweizer irgendwann doch noch erwachsen geworden sei. Vor mehr als zehn Jahren habe er den Ausstieg aus der Szene geschafft, und vor etwa fünf Jahren habe er sich die Neonazi-Tattoos überstechen ­lassen.

Zwischenhalt bei Balkanrockern

Bei seiner Wandlung vom Neonazi zum Fussball-Hooligan machte Stefan N., der angeblich in Winterthur wohnt, Zwischenhalt bei den Balkanrockern der United Tribuns. Bereits damals, 2014, sagte er in einem Interview mit «20Minuten», dass er mit Rechtsextremismus nichts mehr am Hut habe. Allerdings zeigten seine damaligen Posts auf Facebook, dass dem wohl nicht ganz so war.

Heute posiert Stefan N. dagegen in der Kapuzenjacke eines Schweizer Hip-Hop-Labels, für das er zum Beispiel in einem Facebook-Video Werbung macht. Der Chef des Labels, der erwähnte Freund von Stefan N., sagt dazu, dass ein Neonazi in der Hip-Hop-Szene undenkbar sei. Er würde so jemanden bei seinem Label auch nicht tolerieren.

GC-Fans, darunter Stefan N., provozieren in Luzern den Spielabbruch. Video: SRF, SDA, Tamedia

Allerdings zeigen Posts und Likes von Stefan N. auf Facebook immer noch eine gewisse Nähe zu rechtem Gedankengut: So gab er vor zwei Jahren einem Foto der deutschen Identitären Bewegung ein «Like». Im zugehörigen Text war die Rede vom «grossen Bevölkerungsaustausch». Das ist eine rechtsextreme Verschwörungstheorie, laut der die einheimischen europäischen Rassen von Migranten verdrängt würden. Nach dem Mord am Deutschkubaner Daniel H. in Chemnitz im letzten August lud Stefan N. das Chemnitzer Wappen mit Trauerflor auf sein Facebook-Profil. Nach dem Mord, für den zwei muslimische Migranten verantwortlich gemacht wurden, kam es in Chemnitz zu Ausschreitungen von Rechtsextremisten.

Der Post von Stefan N. kann als Trauerbezeugung für das Mordopfer oder als Sympathiebekundung für die demonstrierenden Rechtsextremisten interpretiert werden. Politisch ist Stefan N. sicher noch weit rechts einzuordnen – Stichworte Überfremdungsangst und übertriebener Patriotismus –, aber ein Neonazi ist er wohl nicht mehr.

Allerdings scheint er immer noch mit Rechtsextremisten und Personen aus der Kampfsportszene bekannt zu sein. Ausserdem verfügt er anscheinend über gute­ Kontakte nach Deutschland, unter anderem nach Chemnitz. Wie die Rechtsradikalen ist auch die Ultras- bzw. Hooligan-Szene international gut vernetzt. Zu hoffen ist nun nach den Ausschreitungen in Luzern, dass die Taten der Hooligans ein juristisches Nachspiel nach sich ziehen, getreu dem Tattoo, das sich Stefan N. in Frakturschrift auf den Hals stechen liess: «Wer Wind sät, wird Sturm ernten.»

Erstellt: 13.05.2019, 22:11 Uhr

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