Muss Yapi die Schweiz verlassen?

Der Vertrag des schwer gefoulten Gilles Yapi beim FCZ läuft im Sommer aus – für den Ivorer kann dies weitreichende Konsequenzen haben.

Gilles Yapi: Viele Fragen. Foto: Freshfocus

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Das Knie kaputt, die komplizierte Operation naht, eine lange Pause oder gar das Karriereende droht. Wie weiter?, dürfte sich Gilles Yapi fragen: Kann er in der Schweiz bleiben? Wie lange bekommt er seinen Lohn? Soll er gegen Sandro Wieser klagen?

Die Schweiz-Frage ist weder mit einem klaren Nein noch mit einem klaren Ja zu beantworten. Yapis Berater Gaetano Giallanza bestätigt, dass sein Klient eine Aufenthaltsbewilligung B und einen im Sommer 2015 auslaufenden Vertrag habe. Dieser beinhaltet die Klausel, dass er sich automatisch um ein Jahr verlängert, sobald Yapi mehr als zwei Drittel aller Spiele absolviert hat. Aufgrund seiner Verletzung dürfte ­dieser Passus vorderhand nicht greifen. Rein formal bedeutet diese Bewilligung Typ B, dass der Aufenthalt eines Ausländers aus einem Drittstaat an die Erwerbstätigkeit gebunden ist. Heisst in diesem Fall: Läuft der Vertrag aus und niemand stellt den verletzten Yapi an, muss er die Schweiz nach gängigem Recht verlassen. Nur: Nach Wegfall des ursprünglichen Aufenthaltszwecks gilt es von der Migrations­behörde zu prüfen, ob sich Yapi auf eine anderweitig abgestützte Bewilligung wie beispielsweise den Anspruch auf Familienleben oder einen Härtefall – wie den Unfall – berufen kann.

Ziel: In der Schweiz bleiben

Auch Berater Giallanza ist sich dessen bewusst: «Wir werden uns in den nächsten Wochen darum kümmern.» Yapis Ziel sei es, in der Schweiz zu bleiben. Er habe den Wohnsitz in der Schweiz behalten, als er im vergangenen Jahr während neun Monaten in Dubai spielte. Seine Frau und seine drei Kinder hätten während dieser Zeit weiterhin hier gelebt. Zudem werde man auch einen ­Antrag für die Niederlassungsbewilligung C mit unbeschränktem Aufenthaltsrecht prüfen – schliesslich lebe Yapi nun ­bereits seit neun Jahren in der Schweiz.

Ein ähnliches Schicksal wie Yapi widerfuhr 1999 dem damals 21-jährigen FCZ-Spieler David Opango. Er wurde im Spiel gegen Xamax von Nenad Savics gestrecktem Bein unterhalb des Knies getroffen und erlitt einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch. Noch am Krankenbett verlängerte der damalige FCZ-Präsident Sven Hotz Opangos Vertrag um zwei Jahre – «damit er jetzt, in einer seiner schwersten Stunden, nicht den Mut verliert», wie er damals sagte. Der Burundier, der als Asylbewerber in die Schweiz kam, gab zwar nach 18 Monaten Verletzungspause sein Comeback, erreichte aber nie mehr sein einstiges Niveau. Gibt es beim FCZ nun ähnliche Überlegungen und wird der Vertrag des 32-jährigen Yapi trotz Verletzung verlängert? FCZ-Medienchef Patrick Lienhart sagt, der Verein äussere sich nicht zu «Personal- und Club-internen Details».

Und wie sieht es mit dem Lohn aus? Obschon der FCZ auch hierzu keine Stellung nehmen will, dürfte Yapi abgesichert sein. Ein Club schliesst wie jeder Arbeitgeber eine obligatorische Unfallversicherung ab – diese versichert einen Lohn bis maximal 126 000 Franken und übernimmt 80 Prozent dieses Betrags. Für alle höheren Beträge sind Zusatzversicherungen nötig, die je nach Club verschieden gestaltet sind. Auf jeden Fall bekommt Yapi auch nach Ablauf des Vertrags weiterhin den versicherten Lohn – bis er wieder gesund ist.

Viele Vereine schliessen nicht einzelne Zusatzversicherungen, sondern Pauschalverträge für alle Spieler ab. So etwa die Young Boys: Im Fall einer Verletzung sind bei den Bernern bei jedem Spieler rund 400'000 Franken Lohn versichert – sofern er überhaupt so viel verdient. Verdient ein Verletzter mehr als die 400'000 Franken, zahlt YB die Differenz. Damit gehört der Berner Fussballclub zu den kulantesten Vereinen der Schweiz.

Der FCZ bereitet Klage vor

Auch der FC Basel versichert seine Spieler über das Minimum hinaus. Aber nur bis zu einer gewissen Grenze. Darüber muss ein Spieler allenfalls selbst weitere Versicherungen abschliessen. Daneben beansprucht der Verein eine Art Sport­invalidenversicherung. Muss ein Spieler seine Karriere wegen einer Verletzung beenden, zahlt die Versicherung ein Vielfaches des Jahreslohns – ein Grossteil davon geht an den FCB. Damit will sich der Club gegen den implodierten Marktwert des betroffenen Spielers und ein Loch in der Bilanz absichern.

Und was ist in Yapis Fall mit der im Raum stehenden Strafklage? Der FCZ arbeitet gemeinsam mit den Anwälten an einer Klage, die sie im Wohnkanton von Wieser einreichen werden. Reto Steinmann, Einzelrichter im Eishockey und hauptsächlich im Strafrecht tätiger Rechtsanwalt, sagt ­jedoch: «Lediglich das Opfer ist legitimiert, eine Strafklage einzureichen – ­zumindest bei Antragsdelikten wie der einfachen Körperverletzung.» Daher dürfte die Staatsanwaltschaft gar nicht erst auf die Klage des FCZ eintreten. Sollte sich Yapi entscheiden, die Klage mitzutragen, droht Wieser ein Strafverfahren. Und daran dürfte auch eine dritte Partei interessiert sein – die Unfallversicherung des FCZ. Denn käme Yapi mit einer Strafklage durch, würde der Erfolg einer allfälligen Schaden­ersatzklage gegen Wieser wahrscheinlicher, sagt Steinmann.

Anmerkung der Redaktion: In einer ursprünglichen Fassung stand geschrieben, dass Gilles Yapi selbst von einer Strafklage gegen Sandro Wieser absehen würde. Diese Darstellung ist falsch: Laut FCZ sei dazu noch keine Aussage möglich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2014, 22:14 Uhr

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