«Mussten Sie schon während eines Spiels dringend aufs WC?»

Eine Schulklasse aus Horgen wollte von Yann Sommer genau wissen, wie das geht mit dem Harndrang auf dem Fussballplatz.

Der frechste Gegner und der schönste Sieg: Yann Sommer stellt sich den Fragen von Erstklässler. Video: Fabian Sanginés

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Yann Sommer steht zwar schon bereit, aber die sechs Erstklässler haben nun wirklich keine Zeit für ihn. Kurz bevor der Schweizer Nationalgoalie um die Ecke gekommen ist, haben die Schüler Xherdan Shaqiri entdeckt und belagern diesen nun aufgeregt. Es geht um Autogramme aufs Trikot und ins Panini-Heft, das fast alle mitgebracht haben. Sommer schmunzelt, als er das Bild sieht.

Die sechs Buben aus dem Horgener Schulhaus Baumgärtli sind in der vergangenen Woche nach Feusisberg gereist, um Yann Sommer im WM-Vorbereitungscamp Fragen zu stellen. Sie tun das stellvertretend für ihre Schulklasse. Und einer von ihnen ist dem Anlass gerecht gleich in Montur gekommen: Mit Ball, Trikot, Hose, Stulpen, die Schienbeinschoner sind auch schon montiert. Später hat er eben selber noch Training. Die Schüler haben in der Deutschstunde beraten und notiert, was sie alles wissen möchten vom 29-jährigen Goalie.

Sie haben gelernt, die Fragen sauber zu lesen – so sauber das eben geht in der 1. Klasse. Und nachdem Shaqiri alle Autogrammwünsche erfüllt und Lehrerin Christine Klingler alle Handybilder geschossen hat, scharen sich die Jungs auf der Terrasse des Teamhotels um Sommer. Sie sind bereit, ihre Fragen zu stellen. Und wenn es mit dem Lesen doch noch etwas happert, beugt sich Sommer hinüber und sagt: «Warte, ich helfe dir.» Er liest dann die Frage vor. Und der Bub spricht nach.

Hast du schon einmal ein Goalie-Goal erzielt?

Ja, das ist mir bei den Junioren einmal mit einem Auskick gelungen. Der Ball sprang einmal vom Boden auf und flog von da direkt ins Tor.

Was war deine beste Parade?

Das war gegen Albanien im ersten Gruppenspiel an der Europameisterschaft 2016. Shkelzen Gashi kam in den letzten Minuten alleine auf mich zu, ich konnte den Ball aber abwehren.

Welcher war dein Lieblingsclub als Kind?

Das war immer Real Madrid. Und auch der FC Basel, bei dem ich lange gespielt habe. Ich bin als kleiner Junge in Basel aufgewachsen. Es war etwas sehr Besonderes für mich, auch beim FCB spielen zu können.

Wer war dein Lieblingsspieler?

Gianluigi Buffon. Kennt ihr den?

Ja.

Er war stets mein Lieblingsgoalie und ist noch immer mein Idol.

Warum wurdest du Goalie?

Eine gute Frage. Mein Vater war Goalie, mein Onkel auch.

In welchem Land?

Auch in der Schweiz, nicht weit weg von hier, dort drüben. (Sommer dreht sich um und zeigt quer über den See, sein ­Vater stand einst bei Küsnacht auf der anderen Seite des Zürichsees im Tor.) Ich wollte schon als kleiner Bub ein Goalie sein wie mein Papi. In meinem ersten Fussballtraining fragte der Trainer, wer Goalie sein möchte. Ich bin zum Tor ­gerannt, seither bin ich Goalie.

Wieso bist du so gut geworden?

(lacht) Viel Training, viel Freude am Fussball. Mir machte das Spiel schon in eurem Alter unheimlich viel Spass. Euch auch, oder?

Jaaa!

Wir spielten auf dem Pausenplatz, wir trafen uns in der Freizeit zum Fussball, ich habe viel trainiert. Und manchmal hatte ich auf meinem Weg auch etwas Glück.

Welches Tor vergisst du nie?

Eigentlich vergesse ich Gegentore relativ schnell. Es gibt aber einige Treffer, die mich enorm ärgerten – weil sie für uns das Ende in einem Wettbewerb ­bedeuteten oder entscheidend waren. Als wir an der Europameisterschaft gegen Polen das Penaltyschiessen verloren und ausschieden – solche Tore ­lassen dich nachher zwei Wochen lang nicht in Ruhe.

Wer war dein frechster Gegenspieler?

Mein frechster? Ich glaube, der spielt bei mir in der Nationalmannschaft: Xherdan Shaqiri. Er versucht, besondere Tore zu erzielen und uns Goalies dabei nicht so gut aussehen zu lassen. (schmunzelt)

Wie wohnst du?

In Düsseldorf, mitten in der Stadt, in einem ganz alten Haus.

Welches Hobby hattest du als Kind?

Früher hatte ich eine Trommel, ein Bongo. Kennt ihr das?

Ja.

Spielt ihr auch Blockflöte in der Schule?

Nein.

Ich spielte Blockflöte. Mein Hobby war aber eigentlich nur der Fussball. Wir ­haben ständig gespielt, den ganzen Tag – sofern wir nicht in der Schule waren.

Was wolltest du werden, bevor du Goalie geworden bist?

Ich wollte immer Goalie werden. Andere Gedanken, Feuerwehrmann oder Polizist, hatte ich nicht.

Ich habe auf Youtube gesehen, dass die Fussballspieler viele Autos haben. Wie viele Autos hast du?

(lacht) Ich habe zwei Autos. Ein neues. Und ein ganz altes. Ich finde, man braucht nicht so viele Autos.

Nein, das ist zu teuer.

Zu teuer, genau.

Musstest du im Spiel auch schon aufs WC?

Ja. Das Problem allerdings ist: Während eines Spiels kannst du nicht einfach ­davonlaufen, du musst den Drang also unterdrücken. Während der Pause kannst du dann gehen.

Es ist aber schon schwierig, das zu unterdrücken, wenn ein Schuss kommt.

Gut, wenn der Druck so gross ist, musst du gehen. Dann musst du es dem Schiedsrichter halt sagen.

Ist dir das schon einmal passiert?

Nein. Ich gehe immer vor dem Match. Das reicht für 90 Minuten.

Was war die Rekordzuschauerzahl bei einem Spiel von dir?

80 000 in Dortmund, in einem grösseren Stadion habe ich nie gespielt.

Welches war dein Lieblingsspiel?

Eines meiner Lieblingsspiele war die Partie mit dem FC Basel in der Champions League gegen Manchester United. Wir siegten 2:1 und kamen in den Achtelfinal, während Manchester United ausschied.

Wie viele Pokale hast du schon gewonnen? Und welcher sieht am schönsten aus?

Mit dem FC Basel bin ich ein paar Mal Meister und Cupsieger geworden. Einer der schönsten Titel ist der Meistertitel. Zu Juniorenzeiten habe ich immer wieder Pokale gewonnen, in Deutschland und mit dem Nationalteam leider noch nicht. Aber das kann ja noch werden.

Welches ist das schönste Stadion, in dem du Goalie warst?

Ich hatte das Glück, in vielen schönen Stadien zu spielen. Eines der schönsten ist dasjenige von Benfica Lissabon. Doch auch unser Heimstadion in Deutschland, der Borussia-Park, ist sehr schön. Oder das Joggeli in Basel.

Wer ist der frechste Goalie?

Das kann ich dir nicht sagen. Wir Goalies haben untereinander ein sehr gutes Verhältnis, auch wenn wir Gegner sind, bleibt es freundschaftlich.

Ist deine Mannschaft gut?

(lacht) Ich hoffe es. Wenn wir nun hier über die Nationalmannschaft reden, dann sage ich: Sie ist definitiv gut, eine tolle Mannschaft mit guter Stimmung. Ich freue mich sehr, mit diesem Team an die WM fahren zu können. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.05.2018, 22:23 Uhr

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