Nach Kehrtwende kommt Challandes

Der neue Trainer des FC Thun heisst Bernard Challandes. Obwohl die Oberländer anfangs andere Suchkriterien hatten, einigten sie sich mit dem 59-Jährigen auf einen Einjahresvertrag.

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Es ist die Stadionführung der etwas anderen Art. Bauschutt und Staub, der Geruch nach Farbe, überall Kabel, Männer mit Helm. Und irgendwann, nach einigen Treppen und Kurven, ein improvisierter Pressesaal, dem ein gewisser Charme nicht abzusprechen ist. Es ist Sommerpause im Fussball, auch beim FC Thun, doch gerade bei den Oberländern laufen die Vorbereitungen für die neue Saison hochtourig. Gebaut wird vor allem noch am neuen Stadion, das 10'000 Zuschauer fassende Schmuckkästchen des Berner Oberlands soll am 9.Juli eingeweiht werden. Bis dahin bleibt noch einiges zu tun, erst der frisch verlegte Kunstrasen leuchtet in einladendem Grün.

Die Erwartungen sind hoch

Auch im sportlichen Fundament fehlte dem FC Thun in den letzten Wochen noch ein Stein. Doch gestern konnten die Bauherren um Andres Gerber (Sportchef) und Markus Stähli (Präsident) die Presse endlich über den neuen Trainer informieren. Stolz flankieren die beiden Funktionäre die neue Hauptfigur, die stilsicher in die Kameras lächelt. Bernard Challandes ist ein bekanntes Gesicht im Schweizer Fussball. Präsident Stähli eröffnet die Pressekonferenz denn auch mit der Ehrerbietung an den neuen Mann und zitiert aus dessen Palmarès. Den viel gereisten, profunden Kenner des Schweizer Fussballs war zuletzt bei Neuenburg Xamax unter Vertrag, ihn braucht man eigentlich niemandem lange vorzustellen, und so kommt schnell die Frage auf: Challandes ist ein guter Trainer, aber warum er? Warum jetzt doch ein arrivierter Fussballlehrer und kein junges, neues Gesicht? Warum nun ein lebendiger, bisweilen enthusiastischer, manchmal gar eruptiver Charakter und keinen stillen Schaffer im Hintergrund, den man auf der Trainersuche lange Zeit als Idealbild skizzierte? Thuns Präsident Markus Stähli erklärt: «Wir steigen nun in die zweite Super-League-Saison en suite. Diese ist gemeinhin schwierig. Dazu haben wir ein neues Stadion, was die Erwartungen hebt. Dann spielen wir europäisch und müssen den erreichten Rang bestätigen. Das alles hat uns dazu bewogen, unseren Fokus auf routinierte Kräfte zu richten.»

Weg von der Jugend also, hin zu Bewährtem? Die Neuorientierung in der Trainersuche nach einem Exponenten, der auf der Karriereleiter schon die höchste Sprosse erklommen zu haben scheint, müsse für den FC Thun keine Neulancierung der Spielphilosophie bedeuten, so die Verantwortlichen. Challandes sagt: «Ich will mit Thun weiterhin nach vorne spielen, mit viel Ballbesitz, mit Risiko. Wir sind mit jungen, aber guten Spielern besetzt.» Den ersten Kontakt zwischen Sportchef Gerber und Challandes gab es bereits zwei Tage nach dem Cupfinal, den Challandes mit Xamax 0:2 gegen Sion verlor. Man kannte sich noch von früher, Challandes war 1995 für eine Saison Gerbers Trainer. Das ergab gute Gespräche: «Ich habe gespürt, dass mich die Verantwortlichen des FC Thun wirklich wollen. Das ist bei mir die Grundvoraussetzung für ein Angebot», sagt Challandes.

Erster Wunsch des Neuen

Nun sitzt Challandes auf der Tribüne des halbfertigen Stadions, und nicht Martin Rueda, auch nicht Carlos Bernegger, keiner der Namen also, die in den letzten Tagen mit dem FC Thun in Verbindung gebracht wurden. «Von den 80 Bewerbenden haben wir mit einigen Gespräche geführt. Bernard Challandes mussten wir entgegenkommen, doch er kam auch uns entgegen», sagt Gerber. Challandes scheint glücklich mit der neuen Aufgabe, er erhielt einen Einjahresvertrag mit Option auf Verlängerung. Auch das Kader behagt ihm so weit. «Gerne hätte ich noch einen treffsicheren Stürmer.» Gerber und Konsorten wollen den neuen Trainer dabei unterstützen, «wir schauen uns um». Der Staff um Adrian Kunz und Eric-Pi Zürcher bleibt bestehen. Challandes freut sich auf den Trainingsbeginn nächste Woche, er strotzt vor Energie: «Ferien hatte ich keine. Fussball ist Ferien.»

Erstellt: 07.06.2011, 06:33 Uhr

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