Nach der Sinnkrise die Gala

Dem 1:3 im Hinspiel liess Bayern München im Viertelfinal gegen den FC Porto ein überzeugendes 6:1 folgen.

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26 Minuten ist keine lange Zeit. Auch im Fussball nicht, das Spiel dauert mehr als dreimal so lang. Trotzdem lässt sich ein ordentlicher Weg zurückzulegen in dieser Zeit. Der von der Hölle in den Himmel zum Beispiel. Die Fussballer des FC Bayern München legten ihn gestern zurück: zwischen der 14. und der 40. Minute im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen den FC Porto.

Debattiert hatten sie und gestritten, mit sich selbst gehadert und einander beschuldigt, und manche schmissen in der Zwischenzeit sogar ihr Amt hin. Eine veritable Sinnkrise hatten sich die Bayern selbst auferlegt nach dem frustrierenden 1:3 im Hinspiel in Porto, -sogar die Magie von Pep Guardiola war plötzlich infrage gestellt, ausgerechnet, der doch gemeinhin als Messias gilt. Von dem Sportvorstand Matthias Sammer (vermutlich ernsthaft) sagt, dass er «ein Segen auch für den deutschen Fussball ist». Als ob der SC Paderborn etwas vom Katalanen hätte. Oder der Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der nach Differenzen mit Guardiola gegangen ist.

Nun denn: Falls das alles eine Sinnkrise war, dann nimmt sie jedes Fussballteam gern. Im Rückspiel entledigte sich der deutsche Rekordmeister unerwartet beschwingt aller Sorgen und erreichte mit einem 6:1-Sieg die Halbfinals, die am Freitag ausgelost werden. Aber wahrscheinlich können das ja nur die Bayern: Schon im Achtelfinal gegen Schachtar Donezk hatten sie sich nach einem 0:0 im Hinspiel in Rücklage befunden und mit einem 7:0 daheim geantwortet. Und vor drei Jahren waren sie gar gegen den FC Basel 0:1 zurückgelegen, ehe auch da in München ein 7:0 folgte. Es ist das Rekordresultat der K.-o.-Phase der Champions League.

Von wegen Geduld!

Das Ausscheiden gegen Porto hätten sie sich nur schwer leisten können, «für einen Club wie die Bayern ist nur das Triple gut genug», hatte Guardiola ja gesagt. Und so viel anders als im Hinspiel gaben seine Spieler in der Allianz-Arena denn auch wieder Anlass zu Zuversicht, dass ihnen dieses Triple, bestehend aus Meisterschaft, Cup und Champions League, doch gelingen kann. Sie begannen gegen die Portugiesen enorm druckvoll und lauffreudig, von der Zurückhaltung keine Spur, zu der Sammer aufgerufen hatte: «Wir können die Entscheidung auch in der 85. Minute herbeiführen.»

Nicht mit seinen Spielern aber – die suchten die frühe Entscheidung. Schon in der 10. Minute vergaben Thomas Müller und Robert Lewandowski Grosschancen – der Deutsche scheiterte an Porto-Hüter Fabiano, der Pole am Pfosten. Die Bayern spielten Powerplay.

Das zahlte sich bald aus, und die bayerische Entschlossenheit war beeindruckend. Zunächst trafen der herausragende Thiago Alcántara (14.), Jérôme Boateng (22.) und Lewandowski nach einer Traumkombination (27.) mit dem Kopf, während das im Hinspiel noch so überzeugende Porto kein Mittel fand, der Übermacht wenigstens etwas beizukommen. Die Bayern dominierten: Müller traf mit einem abgefälschten Schuss (36). und Lewandowski nach bemerkenswerter Vorarbeit Müllers (40.). Dann waren die 26 Minuten vorbei, beinahe Halbzeitpause, 5:0 und das Spiel entschieden.

In der zweiten Hälfte beschränkten sich die Bayern auf die Spielkontrolle, Porto, das im Achtelfinal den FC Basel eliminiert hatte, kam deswegen etwas besser auf. Aber als ihm in der 73. Minute das 1:5 durch Jackson Martínez gelang, da schien das etwas spät. Jedoch: Hätte der Kolumbianer nur wenig später das Tor getroffen, statt Zentimeter am Pfosten vorbeizuschiessen, die Spannung wäre aus dem Nichts zurück gewesen.

Es war aber ein Bayern-Abend. Und so setzte Xabi Alonso den Schlusspunkt und kein Porto-Spieler: Der Bayern-Regisseur verwertete in der 88. Minute einen Freistoss zum 6:1. Doppeltorschütze Lewandowski jubelte beim TV-Sender Sky: «Wir haben geil gespielt.»

Bayern München - FC Porto 6:1 (5:0). - 70'000 Zuschauer. - SR Atkinson (Eng). - Tore: 14. Thiago Alcantara 1:0. 22. Boateng 2:0. 27. Lewandowski 3:0. 36. Müller 4:0. 40. Lewandowski 5:0. 73. Jackson Martinez 5:1. 88. Xabi Alonso 6:1.

Bayern München: Neuer; Rafinha (72. Rode), Boateng, Badstuber, Bernat; Lahm, Xabi Alonso, Thiago Alcantara (90. Dante); Müller, Lewandowski, Götze (86. Weiser). - FC Porto: Fabiano; Reyes (33. Ricardo), Maicon, Marcano, Martins Indi; Herrera, Casemiro, Oliver Torres; Quaresma (46. Neves), Jackson Martinez, Brahimi (67. Evandro).

Bemerkungen: Bayern München ohne Robben, Ribéry, Alaba, Javi Martinez und Benatia (alle verletzt), FC Porto ohne Danilo und Alex Sandro (beide gesperrt) sowie Tello und Adrian Lopez (beide verletzt). 10. Pfostenschuss von Lewandowski. 87. Gelb-Rote Karte gegen Marcano wegen Fouls. Verwarnung: 34. Herrera (Foul). 38. Jackson Martinez (Unsportlichkeit). 42. Badstuber (Foul). 71. Marcano (Foul).

Barcelona - Paris St-Germain 2:0 (2:0). - SR Moen (No). - Tore: 14. Neymar 1:0. 34. Neymar 2:0.

Barcelona: ter Stegen; Daniel Alves, Piqué, Mascherano, Jordi Alba; Rakitic, Busquets (55. Sergi Roberto), Iniesta (46. Xavi); Messi, Neymar; Suarez (75. Pedro Rodriguez). - Paris St-Germain: Sirigu; van der Wiel, Marquinhos, David Luiz, Maxwell; Verratti, Cabaye (66. Lucas), Matuidi (80. Rabiot); Cavani (80. Lavezzi), Ibrahimovic, Pastore.

Bemerkungen: Barcelona ohne Vermaelen (verletzt). Paris St-Germain ohne Aurier (gesperrt) und Thiago Motta (verletzt). Verwarnungen: 3. David Luiz (Foul).

Erstellt: 21.04.2015, 23:24 Uhr

Barcelona - PSG

Ohne jemals bedrängt zu werden, sicherte sich der FC Barcelona den siebten Einzug in die Champions-League-Halbfinals in den letzten acht Jahren. Im Camp Nou waren die Fronten aufgrund des 3:1 von Barça in der ersten Partie schon vor dem Anpfiff klar abgesteckt. Die letzten Zweifel am Aufstieg beseitigten die Katalanen in der 14. Minute: Andres Iniesta setzte tief in der eigenen Hälfte zu einem Solo an, liess vier PSG-Spieler stehen und spielte ideal auf Neymar, der Gäste-Goalie Salvatore Sirigu umkurvte und zum 1:0 einschob.

Auch danach hatte Spaniens Tabellenführer das Heft in der Hand. Die Franzosen blieben trotz der Rückkehr der im Hinspiel gesperrt gewesenen Zlatan Ibrahimovic und Marco Verratti harmlos und kassierten in der 34. Minute den zweiten Gegentreffer. Nach Flanke von Dani Alves köpfelte Neymar ein und erzielte damit sein insgesamt fünftes Tor gegen PSG in dieser Saison. In der zweiten Hälfte schonte Barça Schlüsselspieler wie Iniesta oder Sergio Busquets bereits für das Stadtderby am Samstag gegen Espanyol und spielte den Vorsprung ohne gröbere Probleme über die Zeit. (si)

Viertelfinals

Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet am Mittwoch ab 20.45 Uhr live von den restlichen Viertelfinals Real Madrid - Ateltico Madrid und AS Monaco - Juventus Turin.

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