«Nicht mit der Wut der Verzweiflung»

Der AC Bellinzona droht der finanzielle Kollaps. Trainer Martin Andermatt und Spielmacher Hakan Yakin nehmen Stellung. Präsident Gabriele Giulini bricht endlich sein Schweigen.

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Die Angestellten der AC Bellinzona warten nun schon seit Dezember 2012 auf ihren Lohn. Drei ausstehende Monatssaläre treffen die Spieler zum Teil hart. Doch sie wollen weiterkämpfen, wie Spielmacher Hakan Yakin gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet versichert. «Die Mannschaft lebt und glaubt immer noch daran, dass Präsident Gabriele Giulini seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommt.» Der ehemalige Internationale, der bei der AC Bellinzona auch im Verwaltungsrat sitzt, erklärt seine ungebrochene Zuversicht so: «Gabriele Giulini ist ein Ehrenmann. Er hat uns immer sehr gut behandelt und war stets ein äusserst grosszügiger Präsident.»

«Wir kämpfen für uns selbst»

In letzter Zeit sei viel geschrieben und geredet worden. Ein Horrorszenario habe das andere gejagt. «Obwohl es nicht einfach und für viele sogar extrem schwer ist, weil er einen finanziellen Engpass überbrücken muss, haben wir uns alle dafür entschieden, weiterzumachen. Wir wollen nicht nach Aarau fahren, dort in einer Wut der Verzweiflung vier Rote Karten kassieren und uns abschlachten lassen», sagt Yakin. Bellinzona könne im Brügglifeld punktemässig zum Leader aufschliessen. Und diese Chance wolle sich die Mannschaft nicht entgehen lassen. «Hätten wir zuletzt gegen Chiasso und Locarno nicht vier Punkte liegen lassen, wären wir Tabellenführer. Wir kämpfen am Montag in Aarau auch für uns selbst.» Hakan Yakin will noch immer an die Wende zum Guten glauben. Das Einzige, was er sich wünschen würde, wäre eine transparentere Kommunikation durch den Präsidenten. «Anderseits kann ich Gabriele Giulini aber auch verstehen. Es wurden zuletzt viele Unwahrheiten in die Welt gesetzt.»

«Wollt ihr weitertrainieren»

Trainer Martin Andermatt fühlte bei seinen Spielern den Puls. «Ich habe sie gefragt: Wollt ihr weiterspielen und weitertrainieren? Ich bekam ein klares Ja als Antwort. Die Spieler ziehen mit und geben alles. Sie glauben noch, dass in Bellinzona alles wieder gut kommt, sonst würden sie ja nicht mehr auf dem Trainingsplatz stehen.» Kein Verständnis hat Andermatt hingegen für die Schwarzmaler. «Lange hat man von der Kuh die Milch getrunken. Im Moment will man die Kuh aber auf die Schlachtbank führen.» Andermatt hat Präsident Gabriele Giulini am vergangenen Samstag zuletzt gesehen. «Vor dem Spiel gegen Locarno hat er noch kurz zur Mannschaft gesprochen. Er war immer noch ausserordentlich zuversichtlich. Seither hatte ich jedoch keinen Kontakt mehr zu ihm.»

«Ich kämpfe wie ein Löwe»

Seit Samstag war der ACB-Boss abgetaucht und war für niemanden zu erreichen. Am Mittwochabend hat er beim Tessiner Sender Fuorigioco News sein Schweigen gebrochen. Giulini, der kurzfristig vier bis fünf Millionen Franken aufbringen müsste, bestätigte die grossen Probleme. «Wir hoffen, dass wir eine Möglichkeit finden. Wir versuchen, die Situation zu reparieren. So gut es eben möglich ist. Es ist eine schwierige Zeit.» Giulini gibt sich kämpferisch wie seine Spieler. «Ich will das Vertrauen der Fans nicht verletzen. So wie ich das in all den Jahren nicht getan habe. Ich kämpfe wie ein Löwe, um alles hinzukriegen.» Offenbar will eine Investorengruppe Giulinis Aktienkapital übernehmen. «Ich wäre bereit, meine Anteile abzugeben und mich ersetzen zu lassen», sagt er dazu.

Erstellt: 07.03.2013, 14:19 Uhr

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