Nomen est omen beim SC Wipkingen

Über die Mühen des SC Wipkingenund seiner 34-jährigen Vorsitzenden Sonya Ernst.

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Die Lage war ernst: 2009, als der SC Wipkingen just zum 90-Jahr-Jubiläum kurz vor der Auflösung stand, eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen und das Präsidium eilig neu besetzt werden musste. Und die Lage ist bis heute ernst geblieben. Dabei stemmt sich Sonya Ernst - ihr Name klingt in diesem Zusammenhang fast schon wie pure Ironie - gegen den Untergang. Sie lenkt seither die Geschicke des Vereins, führt einen unermüdlichen Kampf an allen Fronten, der zuweilen einer gegen die Windmühlen ist.

Die Probleme seien schnell auf den Punkt gebracht. «Es fehlt am Geld und am Engagement ehrenamtlicher Leute», klagt Ernst. Dass die 34-Jährige seit der Übernahme des Vorsitzes Ämter geradezu kumuliert hat und aktuell deren sechs bekleidet, ist nicht etwa einem allfälligen Machtanspruch zuzuschreiben. Vielmehr gilt ihr hohes Verantwortungsbewusstsein als Triebfeder. «Der Verein mit seiner Tradition, insbesondere aber der Nachwuchs liegen mir am Herzen», beteuert sie. Entflammt ist ihre Leidenschaft für Fussball und den Quartierclub im Kreis 10 vor 15 Jahren. Damals spielte die Zürcherin noch Landhockey für GC, schaute aber eigentlich lieber den Fussballerinnen zu, die auf der gleichen Anlage trainierten, und war später konsequenterweise Überläuferin.

Innerhalb des 130 Mitglieder starken Verbunds ist Ernst verantwortlich für den Spielbetrieb der Frauen und Junioren, für das Schiedsrichterwesen, leitet die Nachwuchsabteilung und betreut die C-, E- und F-Junioren. In der Summe ergibt das ein Engagement von wöchentlich mindestens zehn Stunden im Dienst des SC Wipkingen. Dabei hat auch ihr Tag nicht mehr als 24 Stunden.

Es war gut gemeint

Ernst räumt ehrlich ein, dass sie es sich «einfacher vorgestellt und den Aufwand unterschätzt» habe. Aber diese Konzentration und übermässige Beanspruchung waren auch nicht vorauszusehen. «Vielmehr war es gut gemeint, dass ich noch für dieses und jenes zugesagt habe», präzisiert Ernst. Doch inzwischen nahm das Engagement grenzwertige Ausmasse an, womit sie niemandem einen Gefallen tut. «Denn ich muss mich so sehr verzetteln, dass ich gar nicht mehr in der Lage bin, mich um alles seriös zu kümmern.»

Ernst, die noch immer vor innovativen Ideen sprudelt, kommunizierte deshalb einen detaillierten Rücktrittsplan. Die Absicht dahinter ist, dass sie ratenweise verschiedene Chargen abgibt und sich so auf ihre Tätigkeit als Juniorentrainerin und Präsidentin - sie ist bis 2013 gewählt - konzentrieren kann. Im Sommer wird eine erste wegweisende Generalversammlung abgehalten. Die Neuwahl des Vorstandes und die beantragte Erhöhung der Mitgliederbeiträge werden die Haupttraktanden sein. Beim Blick in die Zukunft bleibt Ernst vage, nicht aber hoffnungslos. Zudem ist eine Taskforce eingesetzt, um dem Ausnahmezustand trotzen zu können. Dazu passt die Geschichte Sonya Ernsts, die als Frau an der Spitze eines Fussballclubs eine Ausnahmeerscheinung darstellt - «aber ganz gut damit lebt».

Erstellt: 20.06.2012, 15:37 Uhr

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