Petkovic hat noch zwei WM-Plätze frei

Das Schweizer Kader für Russland steht praktisch fest. Wer noch auf der Kippe steht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Brasilianer haben traditionell so viel Aufregung rund um ihre Nationalmannschaft, dass sie dankend auf den zusätzlichen Nervenkitzel verzichten. Bei ihnen hat Trainer Tite bereits die Namen der 23 Spieler bekannt gegeben, die an die WM reisen dürfen. Sein Schweizer Berufskollege Vladimir Petkovic hat das Vorgehen des ersten WM-Gegners mit Interesse zur Kenntnis genommen und stellt fest: «Sie wollten wohl von Anfang an alle Diskussionen unterbinden.»

Er selbst aber gönnt der Schweiz ein paar Wochen des Rätselratens. Am Donnerstag will er 27 Spieler bestimmen, die das Trainingslager in Lugano mitmachen. Und erst am 4. Juni soll das 23-Mann-Kader stehen, das mit nach Russland fliegen darf.

Wobei Petkovic seine Mannschaft im Kopf schon fast fix beisammen hat. Lange muss er jedenfalls nicht überlegen, als er zum Auftakt der WM-Vorbereitung gefragt wird, wie viele Positionen denn noch offen seien? «Eine bis zwei», sagt der Nationaltrainer an dem Tag, an dem sich die ersten 15 Kandidaten in Feusisberg treffen. Es sind jene Spieler, deren Meisterschaften in England, Deutschland und Portugal bereits seit über einer Woche zu Ende sind.

Zu den 15 gehört mit Admir Mehmedi einer der grössten Wackelkandidaten. Nicht, weil der Offensivspieler des VfL Wolfsburg in Petkovics Plänen keinen Platz hätte. Aber Mehmedi hat sich Mitte März einen Bänderriss zugezogen und seither erst Einzeltrainings absolviert.

Der Cupfinal als Handicap

Kann er nicht rasch die Übungen mit der Mannschaft bestreiten, verpasst er die WM, weil Petkovic nicht glaubt, dass genug Zeit da ist für ein Aufbautraining. Zwar hat er Mehmedi keine Deadline gesetzt, aber er sagt: «Jeder Tag ist wichtig. Sollte er mit nach Lugano kommen, dann entscheidet sicher die erste Woche bis zum Test gegen Spanien.»

Petkovic hat einen klaren WM-Fahrplan vor Augen. Und der lässt bis zum Schweizer Startspiel am 17. Juni gegen Brasilien nicht viel Raum, um auf ­Spieler zu warten, die nicht fit sind. Oder auf solche, die vielleicht noch etwas körperliche und seelische Erholung brauchen, weil ihre Saison sehr spät endet.

Darum spricht der Schweizer Cupfinal auch gegen zwei Aufsteiger der ablaufenden Spielzeit. Djibril Sow und ­Kevin Mbabu spielen noch mit ihren Young Boys gegen den FC Zürich um das Double. Und Petkovic meint: «Es ist ein Nachteil, dass sie am Sonntag noch im Einsatz sind.» Möglich, dass wenigstens Mbabu mit nach Lugano darf. Aber für mehr wird es dem Rechtsverteidiger nur dann reichen, wenn sich einer aus dem Duo Stephan Lichtsteiner oder ­Michael Lang verletzt.

Auf der Torhüterposition wurde Pet­kovic die Wahl seiner drei WM-Fahrer abgenommen, weil Marwin Hitz freiwillig auf die Endrunde verzichtet. Die Absage des künftigen Dortmunder Goalies hat ­Petkovic zwar «überrascht». Zugleich ist er aber dankbar, dass ein Spieler von sich selbst aus feststellt, wenn er keine Lust darauf hat, sich mindestens fünf Wochen in den Dienst der Gruppe zu stellen – ohne selbst auf einen Einsatz hoffen zu dürfen.

Denn in erster Linie geht es Petkovic darum, seine Spieler bis zum Turnieranfang zu einer Einheit zu formen, in der sich die einzelnen Charaktere ergänzen. Damit sie dafür sorgen, dass die Mannschaft stärker wird als es die Einzelspieler je sein könnten: «Die Spieler sollen zusammenstehen. Und ganz sicher nehmen wir keine Pampers mit nach Russland.» Will heissen, Petkovic sucht Leute, die zwar nicht murren, wenn ihnen nur die Rolle des Ergänzungsspielers bleibt. Die sich aber zugleich vor grossen Aufgaben nicht in die Hosen machen.

Für Stürmer hat es Platz

Einer, auf den diese Beschreibung offenbar passt, ist Mario Gavranovic. Der Stürmer, der bei Dinamo Zagreb unter Vertrag steht, stieg mit wenig ­Kredit in die WM-Kampagne. Doch in den beiden Testspielen gegen Griechenland und ­Panama scheint er sich nahe an ein ­Ticket nach Russland herangespielt zu haben. Und das, ohne in der WM-Qualifikation auch nur eine einzige Minute auf dem Platz gestanden zu haben. Der Nationaltrainer meint, auf Gavranovic angesprochen: «Wir brauchen sicher mehrere Stürmer. Ich werde für alle guten Offensivspieler einen Platz finden.»

Schliesslich, erklärt Petkovic, werde es für sein Team nie nur darum gehen, hinten die Null zu halten: «Wir werden immer offensiv antreten.» Es klingt wie ein erstes, süsses WM-Versprechen des Schweizer Nationaltrainers.

Klare WM-Kandidaten: Sommer, Bürki, Mvogo; Lichtsteiner, Lang, Schär, Djourou, Akanji, Elvedi, ­Rodriguez, Moubandje; Behrami, Xhaka, Dzemaili, Gelson Fernandes, Shaqiri, Embolo, Zakaria, Freuler; ­Seferovic, Gavranovic.

Wackelkandidaten: Mehmedi, Drmic, ­Zuber, Widmer, Edimilson Fernandes, Frei, Oberlin, Derdiyok.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.05.2018, 09:18 Uhr

Artikel zum Thema

Marwin Hitz sagt Petkovic ab

Überraschung vor der WM: Der dritte Goalie der Nationalmannschaft gehört nicht mehr zum Kader. Mehr...

Ohne Steffen und Stocker, mit YB-Gipfelstürmern

Bis am Montag um Mitternacht musste Vladimir Petkovic der Fifa sein vorläufiges 35er-Kader für die WM melden. Dabei ist ein Quartett ohne Länderspiel. Mehr...

Welcher Trainer für die meisten Torjubel sorgte

Infografik Kantersieg gegen einen WM-Teilnehmer: Ob Petkovic die Schweiz zur Tormaschine machte, zeigt der Vergleich mit seinen Vorgängern. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...