Petkovics Leben mit Zweifeln

Erleichterung nach dem Sieg über Irland: Doch sichert dieser Erfolg den Job des Nationaltrainers auch langfristig?

58 Spiele mit der Schweiz und trotzdem fühlt er sich «seit fünfeinhalb Jahren infrage gestellt»: Vladimir Petkovic. Bild: Getty Images

58 Spiele mit der Schweiz und trotzdem fühlt er sich «seit fünfeinhalb Jahren infrage gestellt»: Vladimir Petkovic. Bild: Getty Images

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Und jetzt? Ist dieses 2:0 gegen Irland ein Sieg für Vladimir Petkovic? Für den Trainer, der glaubt, dass er seit seinem ersten Tag im Amt infrage gestellt wird?

Fünfeinhalb Jahre bald ist er der Coach der Schweizer, er war nicht erste Wahl, als er auf Ottmar Hitzfeld folgte. Kaum hatte er seine ersten Spiele hinter sich gebracht, klagte er über fehlenden Respekt.

Passend dazu war seine Bemerkung aus dem Frühjahr 2015: «Ottmar Hitzfeld war da, die Legende», sagte er damals, «wer ist das jetzt, der auf ihn kommt?» Die Frage drückte seine ganzen Zweifel aus. Bis heute kleben sie an ihm. Das ist sein Problem und seine Schwäche. Sein nach aussen gekehrter Stolz soll Selbstsicherheit ausdrücken, das reicht nicht, seine Selbstzweifel zu kaschieren, seine Sensibilität.

Jubel und Erleichterung allerseits nach dem 2:0. Video: SRF.

Gegen Irland steht er bereits zum 58. Mal an der Seitenlinie bei einem Match der Schweiz. Die Bilanz ist positiv: Achtelfinal an der EM 2016, Achtelfinal an der WM 2018, 31 Siege vor diesem Abend in Genf, nur ein Pflichtspiel daheim verloren, gleich zum Debüt im September vor fünf Jahren.

Petkovics Start war harzig gewesen, von den Resultaten und den Emotionen her. Es war schwierig, ihn als Person zu greifen. Die Anerkennung fand er mit der EM in Frankreich. Da zeigte seine Mannschaft ein erkennbares, ein spielerisches Gesicht. Dafür erhielt er Lob. Er wurde auch gelobt für die Qualifikation zur WM in Russland, die mit zehn Siegen in zwölf Spielen endete.

Petkovic ist: wehleidig

Bei ihm hat sich das nicht festgesetzt. Sonst hätte er sich am Vorabend dieser Partie gegen Irland anders geäussert. Da sagte er, Kritik sei eine normale Sache, es gebe Zeiten, in denen man infrage gestellt werde. Nur eben: Bei ihm sei das öfters der Fall, «seit fünfeinhalb Jahren schon». Er gab sich abgeklärt. Dabei war es nur eines: wehleidig.

Eine Million Franken erhält er vom Verband pro Jahr. Es ist ein stolzes Salär für einen Trainer, der in zwölf Monaten im Durchschnitt elf, vielleicht zwölf Einsätze hat. Für einen Trainer, der in der Kommunikation gröbere Defizite aufweist und in dieser Beziehung nicht eben viel zur positiven Aussendarstellung der Nationalmannschaft beiträgt.

Als Seferovic gegen Irland früh ins Tor trifft, bricht die Erleichterung aus Petkovic heraus. Der Moment sagt alles, wie sehr er den Druck gespürt hat. Zwei Siege fehlen der Schweiz nun noch, um sich für die nächste EM zu qualifizieren, es sind Pflichtsiege angesichts der Gegner, die Georgien und Gibraltar heissen. Die Ausgangslage ist schön. Und trotzdem heisst das längst nicht: dass das mühsam erduldete 2:0 gegen Irland ein Sieg für Petkovic ist und er ein Nationaltrainer über den kommenden Sommer hinaus sein muss.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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Erstellt: 16.10.2019, 00:26 Uhr

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