Petkovics Premiere, Stockers Sorge

Die Schweizer starteten mit neuem Trainer und zwei Problemfällen in die Vorbereitung auf das England-Spiel.

Ein Nationalcoach für alle: Vladimir Petkovic beim Kindertraining in Freienbach. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Ein Nationalcoach für alle: Vladimir Petkovic beim Kindertraining in Freienbach. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

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Der Chef steht mit verschränkten Armen mitten auf dem Platz und schaut nur zu. Beobachtet, wie seine Spieler selber ­Anweisungen geben und Übungen vormachen. Es ist Montag, Kindertraining auf dem Chrummen in Freienbach. Yann Sommer kickt einem Knirps den Ball in die Hände, Admir Mehmedi ermuntert eine Gruppe, mit Sorgfalt Pässe zu spielen, in einer Ecke des Platzes beteiligen sich vier Nationalspieler an einem ­Mätschli. Vladimir Petkovic hat den Überblick am Nachmittag, der auch eine Premiere für ihn ist: Erstmals steht der neue Nationalcoach gemeinsam mit seiner Mannschaft auf dem Platz. Besonders spektakulär ist das zwar nicht, aber alleweil ein Vergnügen für die Kinder. Und für die Eltern am Spielfeldrand genauso.

Auf einem Nebenplatz trainiert ein Sextett ernsthafter und unter sich: Goalie Marwin Hitz, Xherdan Shaqiri, Josip Drmic, Loris Benito, Pajtim Kasami und Valentin Stocker. Drei Ordnungskräfte achten mit geschwellter Brust, dass sie das ungestört tun dürfen. Grosszügigerweise lassen sie zwei junge Leichtathletinnen auf der Tartanbahn ihre Runden drehen. Ansonsten droht keine Gefahr: Es schaut gar niemand zu.

EM 2016 als Pflichtvorgabe

So ist das also an diesem Montag, an dem die Schweizer in die Vorbereitung auf ihr erstes Spiel der EM-Qualifikation vom kommenden Montag gegen England starten. Und am Ende der Kampagne soll die nächste Turnierteilnahme feststehen. «Absolute Pflicht» nennt das Peter Stadelmann, der Delegierte der Nationalmannschaft. Das ergibt sich ­allein aus der Tatsache, dass 24 der 54 Uefa-Mitgliedsverbände 2016 in Frankreich dabei sein dürfen.

Stadelmann wünscht sich, dass in den kommenden zwei Jahren ein nächster Fortschritt erzielt wird und «eine Annäherung an die ganz Grossen» gelingt. «Irgendwann», sagt Stadelmann, «ist an einer Endrunde ein Viertelfinal fällig.» Er fand es merkwürdig, dass den Schweizern ein festlicher Empfang bereitet wurde, als sie nach verlorenem WM-­Achtelfinal heimkehrten. «Würde sich ­einer unserer Skifahrer für einen fünften Platz feiern lassen?», fragt er und bringt zum Ausdruck, dass dieses Team andere, höhere Ambitionen haben soll.

Die aktuelle Auswahl hat, abgesehen vom neuen Coach, ein minimal verändertes Gesicht. Mit Silvan Widmer, Loris Benito und Marwin Hitz sind drei Neue dabei, mit Fabian Frei und Pajtim ­Kasami zählen zwei wieder dazu, die auch schon dabei waren. Und ebenfalls im Aufgebot stehen zwei, die im Sommer den Club wechselten mit der Überzeugung, auch einen Karrieresprung zu machen: Josip Drmic und Valentin Stocker.

Regional- statt Bundesliga

Drmic zog mit der beeindruckenden ­Referenz von 17 Toren für 6,8 Millionen Euro von Nürnberg nach Leverkusen, aber eine erste Bilanz bei Bayer fällt ­düster aus. In fünf Wettbewerbspartien wurde er dreimal eingewechselt, in der 62., 73. und 88. Minute. In der Bundesliga schaute der 22-Jährige zweimal nur zu. Es ist ein Indiz dafür, wie schwierig es sein wird, an einem Stürmer des Kalibers von Stefan Kiessling vorbeizukommen. Stocker hat es in Berlin noch gar nicht ins Aufgebot geschafft. Er spielte gegen den VfB Auerbach und eine Halbzeit lang ­gegen Viktoria 1889 Berlin in der viertklassigen Regionalliga Nord statt in der Bundesliga gegen Werder Bremen und Leverkusen. Trainer Jos Luhukay findet für den 25-Jährigen, den er öffentlich als «Transfer zweiter Kategorie» tituliert hat, noch keine Verwendung.

Damit irritiert er auch Vladimir Petkovic, der die Gedankengänge seines Trainerkollegen nicht nachvollziehen kann, in der Nationalmannschaft vor­läufig aber nicht auf Stocker verzichten will: «Mit seiner Qualität wird er sich durchsetzen.» Überholt worden ist Stocker an der WM von Admir Mehmedi, der sich keine Sorgen um seinen Platz in der Bundesliga machen muss. In Freiburg ist er gesetzt, und überwunden hat er beim Einrücken in Feusisberg die Enttäuschung, am Vorabend gegen Gladbach einen Penalty verschossen zu ­haben. «Ich bin nicht der erste und nicht der letzte Spieler, dem das passiert ist», sagt er und signalisiert, dass ihn in den nächsten Tagen sowieso nur eines interessiert: England.

Erstellt: 02.09.2014, 02:30 Uhr

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