«Ponte muss die Lösung finden»

Präsident Christian Constantin steckt mit dem FC Sion in Not. Kritik lässt er an sich abprallen.

Bedrohlicher Blick des unzimperlichen Chefs: Christian Constantin beobachtet die Arbeit seiner Trainer mit grosser Ungeduld.

Bedrohlicher Blick des unzimperlichen Chefs: Christian Constantin beobachtet die Arbeit seiner Trainer mit grosser Ungeduld. Bild: Keystone

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Raimondo Ponte betont eines schnell: Er bereue es nicht, bei Sion eingestiegen zu sein. Aber der Trainer hat nicht lange gebraucht, um herauszufinden, worauf er sich eingelassen hat: Seine neue Mannschaft ist ein einziges Rätsel, trotz eines Budgets von gut 20 Millionen Franken.

Statistische Werte legen den alarmierenden Zustand offen: 8 Niederlagen in Folge, davon 7 in der Meisterschaft; 17 erzielte Tore in 21 Super-League-Spielen; Platz 9, der Vorsprung auf Lausanne ist vor dem heutigen Heimspiel gegen YB auf 4 Punkte geschrumpft; noch 6889 Zuschauer im Schnitt, Tendenz weiter abnehmend. Viele Anhänger haben den Verursacher der Not längst ausgemacht: Christian Constantin, den Präsidenten.

Sind Sie nervös?
Ich bin beunruhigt. 17 Tore bis jetzt . . . 17! Das ist viel zu wenig. Und acht Niederlagen in Serie. Das macht mich wahnsinnig, auch wenn wir siebenmal auswärts verloren haben. Wir sind zu schwach im Abschluss. Die Spieler sollten ihre Einstellung dringend ändern.

Muss Raimondo Ponte bereits um seinen Job fürchten?
Nach erst zwei Wochen kann ich noch keine schlüssige Bilanz ziehen. Abgesehen davon: Wir trennten uns von Laurent Roussey vor allem auch deshalb, weil er mir mitteilte, er wisse nicht mehr weiter. Ich musste handeln und holte Ponte. Ich weiss nicht, ob er die Lösung hat, aber er muss sie finden.

Das tönt nicht, als würden Sie ihm eine Garantie bis Saisonende geben.
Uns stehen drei Heimspiele bevor: YB, Luzern und Aarau. Wenn wir weiter verlieren, dann . . . Ponte kennt die Regeln. Wir befinden uns in grosser Gefahr, das ist offensichtlich. Wenn es früher nicht lief, glückte gelegentlich ein Tor nach einer Standardsituation. Und heute? Nicht einmal das gelingt mehr.

Es ist erstaunlich, dass der FC Sion mit einem jährlichen Budget von mindestens 20 Millionen Franken nicht mehr zustande bringt.
Jeder Franken ist eine Fehlinvestition, wenn man nie gewinnt. Aber das ist Teil des Sports, und wir sind nicht die Einzigen, die so etwas erleben. Der EV Zug macht eine ähnlich heikle Phase durch.

Aber kann es für Sie ein Vergnügen sein, pro Saison mindestens vier Millionen Franken aus dem eigenen Vermögen in den Club zu stecken?
Habe ich eine Wahl?

Sie könnten sich zurückziehen.
Und dann? Wissen Sie, was in diesem Fall geschehen würde? Es wäre das Ende des Clubs, weil niemand sonst bereit ist, einzusteigen. Darum kann ich unmöglich sagen: Schluss, das wars. Auch wenn es Dinge im Leben gibt, die mir sympathischer sind, als dauernd Geld zu investieren, ohne dafür etwas zu bekommen.

Welchen Vorwurf machen Sie dem Sportchef, der das Kader zusammengestellt hat?
Ich bin ja der Sportchef.

Also verzichten Sie auf Kritik?
Nein, ich muss den Sportchef tadeln. Gleichzeitig frage ich mich: Was hätte ich anders tun können? Wir haben in unserer Mannschaft viele Nationalspieler oder solche, die es einmal waren: Vanins, Ferati, Vanczak, Cichero, Kouassi, Rüfli, Herea, Vidosic, Christofi . . . Da hat der Sportchef doch gute Arbeit geleistet. Oder will einer behaupten, dass das nicht Qualität ist? Was fehlt, ist ein richtiger Torjäger, das gebe ich zu.

Sie gelten als unzimperlich, wenn Sie mit Angestellten unzufrieden sind. Haben Sie an Lohnkürzungen gedacht?
Diese Offerte haben mir die Spieler bereits gemacht. Wenn wir keinen Europacupplatz erreichen, muss ich im Mai keine Saläre auszahlen. Ich gehe davon aus, dass ich insgesamt rund eine Million Franken einsparen kann. Auch wenn die Spieler anderer Meinung sind. Sie denken immer noch, dass sie besser sind, als die aktuelle Tabellenlage vermuten lässt.

Die Anhänger quittieren die schwachen Leistungen, indem sie das Tourbillon meiden. Bereitet das nicht zusätzlichen Kummer?
Nein, weil das seine Logik hat. Wenn wir um den Titel spielen, sind 13'000 da. Wenn wir Probleme haben wie jetzt, sind es halt 7000. Und gegen YB erwarte ich 4000, höchstens 5000.

Viele machen Sie für die Misere verantwortlich und bleiben aus Protest fern.
Das ist mir egal, die Kritik stört mich nicht. Wer ausser mir ist bereit, Verantwortung zu übernehmen? Ich habe mich damit abgefunden, dass in einer schwierigen Lage keiner bereit ist zu helfen. Nur die Spieler können dafür sorgen, dass sich die Stimmung wieder ändert. Aber dafür müssen sie endlich aufwachen. Und sich bewegen.

Erstellt: 26.02.2014, 14:40 Uhr

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