Analyse

Präsident Canepa gewinnt Machtkampf

Beim FCZ gibt es personelle Veränderungen: Gregor Greber tritt als Mitglied des Verwaltungsrats per sofort zurück und Claudio Ammann wird per 1. Februar 2013 neuer CEO des Clubs.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der FCZ gab gestern in einem nüchternen Communiqué zwei personelle Mutationen bekannt: Mit Gregor Greber tritt ein Mitglied des Verwaltungsrats per sofort zurück und mit Claudio Ammann ein neuer CEO per 1. Februar 2013 in den Club ein. Das tönt wenig spektakulär, passt aber durchaus ins Bild, das der Verein seit Wochen abgibt.

Bei den Zürchern läuft vieles schief. Die Mannschaft liegt auf dem sechsten Platz, der Rückstand auf den FC Basel und den vierten Rang beträgt dreizehn Punkte. Sie werden kaum aufzuholen, der Club wohl auch kommende Saison nicht im Europacup vertreten sein. Wo der Erfolg fehlt, sind Unruhe, Unzufriedenheit und zuweilen sogar Missgunst nicht weit. Trainer Rolf Fringer musste diese Saison wiederholt Spieler sanktionieren, weil sie sich illoyal verhielten. Die erste Mannschaft sei ein Abbild des ganzen Vereins, pflegt er dazu zu sagen. Und in diesem brodelt es schon geraume Zeit, vor allem in der Führungsebene.

Der FCZ braucht dringend Geld, um das Budget von rund 20 Millionen Franken ausgeglichen zu gestalten. Momentan läuft eine Kapitalerhöhung von 1,4 auf 4,2 Millionen Franken, mit der die Kapitalbasis gestärkt werden soll. Zudem lässt sich der Verein potenzielle zukünftige Transfers seiner Spieler von externen Investoren bevorschussen, um sich die Liquidität zu sichern.

Das Zerwürfnis mit Greber

Fringer ist von der Führung wiederholt signalisiert worden, für Zuzüge stehe in der Winterpause kein Geld zur Verfügung. Und zusätzlich soll gespart werden. Nur: Über die Art der Sparmassnahmen gingen die Meinungen im Verwaltungsrat offenbar diametral auseinander. Vizepräsident Gregor Greber, ein aufstrebender Mann aus der Finanzbranche, wollte überall und alles abbauen, was nicht die erste Mannschaft betrifft: das (höchst erfolgreiche) FCZ-Frauenteam, den Fanshop, das Museum und FCZ-TV. Sie alle sind von Präsident Ancillo Canepa kreiert worden, sie alle sind im Verein fest verankert. Selbstredend stellte sich der Präsident dem Ansinnen seines Stellvertreters entschlossen entgegen.

Es war nicht das erste Mal, dass im FCZ-Verwaltungsrat Knatsch herrschte. Vor zwei Monaten war dem Präsidenten eine Kampagne des «SonntagsBlicks» sauer aufgestossen. «Canepa vor Rücktritt – Bickel vor dem Rauswurf» titelte die Zeitung auf ihrer Frontseite. Canepa stellte sich sofort vor seinen Sportchef Fredy Bickel. Gleichzeitig vermutete er, dass die Story aus dem engsten Zirkel des Verwaltungsrates lanciert worden war. Die Namen der Leute, die er verdächtigte, gab er öffentlich nie preis.

Derweil sägte Greber, der auch deutliche Ambitionen aufs Präsidentenamt hegte, munter weiter am Stuhl von Bickel. Dessen Position ist nach einigen fragwürdigen Transfers (Magnin, Ramazotti) geschwächt. Canepa aber, der nach der Kapitalerhöhung vierzig Prozent der Aktien halten wird, weigerte sich, den Sportchef zu entlassen. Er schätzt die fachliche Kompetenz Bickels, er hat nicht vergessen, dass der FCZ auch dank ihm seit 2005 dreimal Meister und einmal Cupsieger wurde.

Ammann, ein neuer Name

Die Folge ist, dass Greber «aufgrund unterschiedlicher Auffassung über die strategische Ausrichtung» beschlossen hat, sofort aus dem Verwaltungsrat auszutreten. Dies liess der Club gestern in besagter Mitteilung verlauten, in der er zudem eine neue Organisationsstruktur ankündigte: Ab Februar übernimmt Claudio Ammann die neu geschaffene Position des CEO. Ammann war mehrere Jahre als Geschäftsführer beim japanischen Elektronikkonzern Sony in der Schweiz tätig und in dieser Funktion auch Geschäftspartner des FCZ. Er soll Canepa, der sich fortan ausschliesslich seinen Aufgaben als Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats widmen wird, im operativen Tagesgeschäft (Sponsoring, Marketing, Stadion etc.) entlasten. Und auch Sportchef Bickel soll sich wieder ganz auf seine Stärken konzentrieren können: Fringer und die Spieler unterstützen sowie gute Transfers tätigen.

Erstellt: 21.11.2012, 08:58 Uhr

Artikel zum Thema

Historischer Sieg des FC Luzern im Letzigrund

Der FC Zürich muss im eigenen Stadion dem FC Luzern nach 17 Jahren wieder einmal einen Sieg zugestehen. Das Team von Rolf Fringer verliert gegen dessen früheren Arbeitgeber mit 0:2. Mehr...

«Die Pyros sind über die Alpen nach Zürich gelangt»

Im Museum des FC Zürich hat am Mittwoch eine Sonderausstellung zum Thema Fankultur begonnen. Dabei wird auch das heisse Eisen «Pyros in Stadien» angegangen und eine Erklärung geliefert, warum es sie braucht. Mehr...

Fringers FCZ: Mit neuem Tenü und neuem Goalie in Luzern

Der FC Zürich wird am Sonntag in Luzern die Super-League-Saison 2012/13 in einem neuen Auswärtstrikot beginnen. Und Trainer Rolf Fringer hat sich in der Goaliefrage entschieden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kunst in der Luft: Seifenblasen machen Spass vor dem Louvre in Paris. (19. Juli 2019)
(Bild: Alain Jocard) Mehr...