Puff mit Buff

Oliver Buff galt lange als Sohn des FCZ. Nun spielt er für den Rivalen Grasshoppers und muss sich heftige Kritik anhören.

Im GC-Trainingsanzug auf dem GC-Campus: Oliver Buff (27) gibt ein noch ungewohntes Bild ab. Foto: Tom Egli

Im GC-Trainingsanzug auf dem GC-Campus: Oliver Buff (27) gibt ein noch ungewohntes Bild ab. Foto: Tom Egli

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Weg. Aus. Vergessen. Wer in diesen Tagen mit Anhängern des FC Zürich spricht und den Namen Oliver Buff nennt, der hört bitteren Zorn zwischen den Zeilen: «Buff? Wer ist das? Kenn ich nicht. Nie gehört.»

Buff ist Fussballer und hat 12 Jahre das Leibchen des FCZ getragen, er ist im Letzigrund aufgewachsen, hat bald einmal raffinierte Pässe gespielt und schöne Tore geschossen, sich bejubeln lassen und seine Zuneigung zum Verein unverhohlen gezeigt.

Als er einmal aus aussichtsloser Position im Stadtderby einen GC-Spieler umgrätschte (und dabei Rot sah), wurde das als Liebeserklärung für den FCZ gedeutet. Buff war ein Sohn des Clubs und wurde von den Fans getragen. Heute ist von dieser Liebe wenig übrig, seit Oktober spielt Buff bei GC, dem Stadtrivalen.

Es ist ein Wechsel, der die Menschen beider Clubs beschäftigt. So stark, dass er bei den einen Wutanfälle auslöst und bei den anderen äusserst gründliches Vergessen. Im Sinn von: Worüber man nicht spricht, das existiert nicht. Ein Stück Geschichte wird tabuisiert, weil sie nicht gefällt. Und doch hat sie so stattgefunden.

Lange wollte auch Buff nicht darüber sprechen, er war sich der Brisanz des Themas bewusst, nach ein paar Wochen Warten gibt es einen Termin, 30 Minuten Redezeit. Man kann sich fragen, ob man eine verflossene Liebe in einer halben Stunde erklären kann. Und ob man offen über die einen sprechen kann, ohne die anderen zu vergrämen.

Er sitzt zu Hause auf dem Sofa und stellt mit Erstaunen fest, wie schnell man weg ist vom Fenster.

Doch nun steht er da, im GC-Trainingsanzug auf dem GC-Campus, und spricht davon, wie er sich bei GC eingelebt hat (es ist ihm leichtgefallen). Buff trägt nicht nur andere Kleider, er ist ein anderer Fussballer geworden. Als ihn Uli Forte diesen Herbst das erste Mal sah, erschrak er. Buff sieht dünn aus. Forte nennt es nun drahtig und voll austrainiert.

Es ist eine Folge von Buffs eineinhalbjährigem Abstecher nach Spanien zu Saragossa. Er ernährt sich seitdem nach dem Paleo-Prinzip und nimmt keinen Zucker und nur wenige Kohlenhydrate zu sich. Mit Saragossa hätte er aufsteigen sollen, das Unterfangen misslang, darauf wurde ihm als gut bezahltem Spieler ein Abgang nahegelegt.

Es folgte ein Aufenthalt in Zypern beim Verein Anorthosis Famagusta, der ihm plötzlich den Lohn nicht mehr zahlte. Er floh zurück in die Schweiz, machte ein Probetraining bei YB und trainierte mit anderen arbeitslosen Fussballern in Dietikon. Eine gewöhnungsbedürftige Zwischenstation für einen ehemaligen U-17-Weltmeister.

Es ist Sommer, bald einmal Herbst, und Buff noch immer ohne Club. Er sitzt zu Hause auf dem Sofa und stellt mit Erstaunen fest, wie schnell das geht. Wie schnell man weg ist vom Fenster, wie schnell sich «kein Schwein für einen interessiert», so sagt er das, «ich bin ja noch nicht 35». Der 27-Jährige macht sich Gedanken über die Zukunft, meldet sich für den Trainerdiplomkurs an, schreibt sich für ein Fernstudium im Fach Sportmanagement ein.

Er ist besonnener geworden und erwachsener

Am meisten aber sehnt er sich nach etwas Struktur und dem Teamleben. «Das kann dir niemand ersetzen», sagt er. Als er den FCZ 2017 verliess (und ein Vertragsangebot ausschlug), konnte er den neuen Club noch wählen, damals sagte er: Bin offen für alles, ausser Basel und GC. Doch nun, zwei Jahre später, ist das anders. Er ist an einem Punkt angelangt, an dem existenzielle Interessen romantisches Denken verdrängt haben. Der FCZ und die anderen Super-League-Clubs wollen ihn nicht, GC bietet ihm eine Chance, und Buff weiss, jede Woche ohne Verein macht ihn auf dem Markt uninteressanter.

Bei GC kennt er Uli Forte, den einstigen FCZ-Trainer, der will auf ihn setzen, nach wenigen Minuten ist man handelseinig. Forte hat gemerkt, wie Buff erwachsener geworden ist, besonnener und gelassener. «Er regt sich nicht mehr so schnell auf.» Doch auch Forte weiss um Buffs Geschichte, also geht er zum Präsidenten und Sportchef und fragt, ob die FCZ-Vergangenheit ein Problem sei. Nein, kommt es zurück. Priorität habe das Sportliche, und da könne Buff helfen.

Er hat Träume
für die Zukunft. Er will sie momentan für sich behalten. Nur die Realität zählt.

Und doch gibt es neben dem sportlichen Aspekt auch den emotionalen und die jahrzehntealte Fehde zwischen den Clubs. Buff hat die Fotomontage gesehen, auf dem er ein GC-Leibchen trägt und einen Schal in den Händen hält. Darauf steht: «Fertig Usgang in Züri für mich.» Die Aussage löst vielleicht im ersten Moment Schmunzeln aus, doch sie birgt eine niederträchtige Drohung.

Tatsächlich bekräftigen gewisse Clubanhänger ihre Clubliebe mit Körpereinsatz. Das zeigt das Beispiel von Kay Voser, der einst für GC, dann für den FCZ spielte. Wenn der inzwischen zurückgetretene Voser am Wochenende nach zehn Uhr durch die Langstrasse geht, kann es unangenehm werden. Er wird angepöbelt, beleidigt und wurde auch schon ins Gesicht geschlagen. Buff sagt dazu: «Ich bin nicht viel im Ausgang.» Und: «Auch diese Menschen werden einmal älter und besonnener.»

Buff erzählt, wie ihm bei seinem Abgang 2017 vom FCZ klargemacht wurde, dass er als abtrünniger, ablösefreier Spieler beim FCZ keine Zukunft mehr habe. Er spricht von einer zugeschlagenen Tür. «Wegen dieser Umstände schloss ich mit dem FCZ ab – und er mit mir», sagt er. «Ich verstehe die Leute, die mir den Wechsel übel nehmen. Und doch können sie nicht von mir verlangen, dass ich meine Karriere aufs Spiel setze, nur aus Loyalität dem FCZ gegenüber, der mich nicht mehr wollte.»

Buff hat Träume und Wünsche für die Zukunft – er will sie momentan für sich behalten. Die vergangenen zwei Jahre hätten ihm gezeigt, dass im Fussball nur die Realität zähle: das Jetzt und die Saison mit GC. «Träume kann man sich daheim im Zimmer an die Wand hängen», sagt er. Die Wand in Buffs Zimmer ist in diesen Tagen weiss und leer.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 21.11.2019, 12:06 Uhr

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