Rotation ins Glück

Gleich fünf «neue» Spieler setzte FCB-Coach Urs Fischer am Samstag ein. Warum sich die Basler das leisten können.

Egal, wer beim FC Basel momentan auf dem Platz steht, am Ende wird gejubelt.

Egal, wer beim FC Basel momentan auf dem Platz steht, am Ende wird gejubelt. Bild: Keystone

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Eigentlich hätten es sieben sein sollen, sieben Stück; doch dann packten Urs Fischer plötzlich Zweifel. «Sind sieben neue Spieler gegen den FC Luzern nicht vielleicht doch zu viel des Guten?» Der Trainer des FC Basel ging nochmals in sich und als die Begegnung am Samstag dann angepfiffen wurde, waren von den ursprünglich geplanten sieben Wechseln nur noch fünf übrig geblieben. Fischer hatte es bei den Rochaden von Taulant Xhaka, Breel Embolo, Shkelzen Gashi, Luca Zuffi und Philipp Degen belassen.

Man kann an dieser Stelle jetzt die Vermutung anstellen, dass die Basler vielleicht auch mit elf Neuen gewonnen hätten, aber was, wenn Fischer es damit übertrieben hätte und der FCB die erste Niederlage in dieser Saison eingefahren hätte? Ohne Frage, das Handeln mit Einsatzminuten und Regenerationszeit, ist ein heikles Spiel – auch wenn das beim Blick auf die Resultate gar nicht so aussieht: 2:0 gegen Vaduz, dann ein 3:2 gegen GC mit fünf neuen Spielern, 3:1 gegen Posen mit zwei, 3:0 gegen Sion mit sechs Neuen, 1:0 gegen Posen mit vier. Und jetzt dieses 3:1 in Luzern.

Fischers Vertrauen

«Die Qualität der Spieler macht es für mich einfacher», sagte Fischer nach dem Spiel, befragt nach seinen Rotationsmethoden. Und wer will das schon abstreiten bei den Bildern, die man aus dem Spiel zwischen Basel und Luzern in Erinnerung behalten wird? Die beiden Tore sowie die Vorlage des überragenden Breel Embolo, die Ideen von Luca Zuffi, der Vorwärtsdrang von Philipp Degen, die Aggressivität von Taulant Xhaka und im Fall von Shkelzen Gashi – nun ja – immerhin dessen blosse Anwesenheit.

Das System wechselte Fischer nicht und es ist zu erkennen, dass die Spieler seine Vorgaben verinnerlicht haben. Da reicht ein druckvoller Start des Gegners sowie ein frühes Gegentor nicht, um das Basler Gefüge ins Wanken zu bringen. Fischer sah am Samstagabend nicht mal das Bedürfnis, seiner Mannschaft in der frühen Phase ein paar Anweisungen mit auf den Weg zu geben: «Ich bin nicht an die Seitenlinie gegangen. Ich wusste, dass die Jungs sich nach so einem Start nicht verrückt machen lassen.» Und er sollte ja recht behalten angesichts der eindrucksvollen Reaktion.

«Marek ist der Nächste»

Basel kehrte ein 0:1 in ein 3:1 und es war im Vergleich zum Rückspiel gegen Posen kein Leistungsabfall erkennbar, wenn überhaupt, dann eine Steigerung. Die Konkurrenzsituation scheint die Basler Spieler aktuell eher zu motivieren als zu hemmen. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass der Trainer es gerne anders handhaben würde. «Ein, zwei, drei Wechsel», das ist die Grössenordnung, die Fischer vorschwebt, wenn er über die Rotation des FCB nachdenkt, nicht «sechs, sieben.» Aber Fischer hat aktuell gar keine Wahl, zu gedrängt ist der Terminplan.

Der 49-Jährige muss nicht nur zusehen, dass er die Spieler bei Laune, deren Muskeln bei Gesundheit und die Automatismen in Gang hält. Es geht bei all den Wechseln auch um ganz simple Dinge: «Wenn ein Stürmer während des Spiels ein- oder zweimal aufs Tor des Gegners schiesst, dann ist das ein anderer Effekt, als wenn er sich im Training mal eine Stunde den Ball nehmen kann und an seinem Abschluss arbeitet.» Darum erhielt wohl am Wochenende Marc Janko eine Pause, um sich für das anstehende Spiel gegen Thun am Mittwoch vorzubereiten – und er wurde ja dank Embolo auch gar nicht benötigt.

Ändern wird sich das Prozedere in absehbarer Zeit nicht, die hohe Taktung der Spiele geht unbeirrt weiter. Und es wird in den kommenden Wochen auch Spieler treffen, die bisher noch nicht auf die Ersatzbank mussten. «Alle Spieler werden ihre Pausen erhalten, Marek ist der Nächste», kündigte Fischer an und verriet damit, dass selbst Abwehrchef Suchy mal wird pausieren müssen.

«Ist das Risiko zu gross?»

Das alles erinnert an die vergangene Saison – und doch erinnert zur gleichen Zeit gar nichts an das Vorgehen unter Paulo Sousa. Der wechselte nämlich zu Beginn der Saison nicht nur munter die Spieler, sondern gleichzeitig auch noch die Systeme, sodass die Verunsicherung der Spieler bald offensichtlich wurde. Zudem wich er Fragen nach seinen Beweggründen konsequent aus, während Fischer seine Wechsel mit dem Verweis auf die Erschöpfung der Spieler logisch zu erklären pflegt.

Für den FC Basel geht es in der Liga am Mittwoch weiter, wenn es für Fischer gegen seinen ehemaligen Club Thun geht. Er hat jetzt die frischen Bilder vom Sieg gegen Luzern, einem guten Auftritt, vor Augen. Und trotzdem wird er in den kommenden Stunden wieder in sich gehen. «Soll ich es dieses Mal wagen und sieben neue Spieler aufstellen? Ist das Risiko zu gross?» Und Fischer wird hoffen, auch im siebten Spiel die richtige Antwort zu finden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.08.2015, 12:28 Uhr

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