Schlechte Aussichten für den FC Basel

Nach der 1:2-Niederlage gegen Chelsea ist der FC Basel im Europa-League-Halbfinal in Rücklage. Das ärgerliche Tor in der Nachspielzeit beschert den Baslern eine Herkules-Aufgabe in London.

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Am Ende eines erneut aufwühlenden Europa-League-Abends blieben Fragen. Hätte der FC Basel in der Nachspielzeit besser das 1:1 gehalten, als noch den Sieg zu suchen? Musste Valentin Stocker das letzte Foul wirklich begehen? Warum irritierte Fabian Schär Torhüter Yann Sommer, indem er vom weiten zum nahen Pfosten gerannt ist? Hätte Sommer den Ball halten müssen? Die Antwort auf alle Fragen: Vielleicht. Im Nachhinein ist man immer klüger. «Wir versuchten nochmals alles für den Sieg. Vielleicht waren wir dabei etwas zu unkonzentriert», räumte Murat Yakin ein, um aber gleich nachzuschieben: «Wir haben gegen einen grossen Gegner ein gutes Spiel gemacht.» Aber auch er spürte wohl, dass es schwierig wird, Chelsea auswärts zu schlagen. Deshalb wohl liess er auf den Sieg drängen.

Der FC Chelsea war tatsächlich ein hervorragender Gegner. Die Blues waren eine Klasse besser als zuletzt ihre Stadtrivalen von Tottenham. Gut organisiert, taktisch und technisch unglaublich gut, wurden sie von Rafael Benitez genau auf die Basler Stärken geschult. Aus einem starken Londoner Kollektiv heraus ragten der Belgier Eden Hazard, der nicht zu bremsen war, sowie David Luiz, der den Baslern im zentralen Mittelfeld den Schneid abkaufte. Und in letzter Sekunde per Freistoss den Basler Hoffnungen fürs Rückspiel einen heftigen Dämpfer versetzte.

Ein geschenkter Penalty

Unter der Mauer und zwischen Sommers Händen hindurch traf der Brasilianer mitten ins rotblaue Herz. «Das 1:2 in der 94. Minute zu kassieren, ist sehr ärgerlich», meinte Fabian Schär kopfschüttelnd. Da konnte ihn auch sein souveränes Penaltytor zum zwischenzeitlichen 1:1 nicht trösten. Dass der Elfmeter ein Geschenk war, muss aber auch erwähnt werden. Cesar Azpilicuetas Zweikampf gegen Valentin Stocker war keinesfalls penaltywürdig. Der Ausgleich war aber nichtsdestotrotz verdient.

Vor diesen Ereignissen in den Schlussminuten war nämlich der FC Basel die spielbestimmende Mannschaft gewesen. Ein zügiges Angriffsspiel, orchestriert von einem umsichtigen Marco Streller und einem überhaupt nicht handicapierten Stocker, brachte die Londoner ein ums andere Mal in Verlegenheit. Aber die finale Geste, die kam nicht. «Die letzte Konzentration im Abschluss hat heute gefehlt», stellte auch Yakin fest. Die beiden Gegentore nach Standardsituationen dürften ihm aber nicht gefallen haben.

Gemischte Gefühle

Beim 0:1 nach einem Eckball von Frank Lampard stand Joo Ho Park nicht nahe genug beim Torschützen Victor Moses. Und das Freistosstor von Luiz war eine Verkettung von unglücklichen Ereignissen. Valentin Stocker war nach dem Spiel deshalb hin- und hergerissen: «Es ist unglaublich, dass wir Chelsea in die eigene Hälfte drängen konnten. Das ist der Champions-League-Sieger. Aber andererseits ist es traurig, dass wir verlieren, obwohl wir so viel fürs Spiel gemacht haben.»

Nach diesem Resultat sind die Rollen fürs Rückspiel in einer Woche noch klarer verteilt. Chelsea ist auf Finalkurs, während der FCB an der Stamford Bridge die «Mission Impossible» erfüllen muss, zu gewinnen und dabei mindestens zwei Tore zu erzielen. «Jetzt wissen wir, was wir zu tun haben», meinte Yakin trocken. Und auch Stocker wirkt alles andere als pessimistisch für die Begegnung in London: «Wir haben gesehen, dass Chelsea keine Über-Mannschaft ist. Es ist noch nichts verloren.» Und auch Schär macht sich Mut. «Wir haben bereits gegen Tottenham gezeigt, dass wir auch auswärts gut spielen können», sagte der Torschütze. Aber auch an der White Hart Lane kassierte Basel zwei Gegentore. Das darf man sich gegen Chelsea nicht erlauben. Dem Final sind die Basler im Hinspiel sicher nicht näher gekommen.

FC Basel - Chelsea FC 1:2 (0:1)
St.-Jakob-Park. – 36'000 Zuschauer (ausverkauft). – SR Kralovec (Tsch). – Tore: 12. Moses 0:1. 87. Schär (Foulpenalty) 1:1. 94. David Luiz 1:2.
Basel: Sommer; Philipp Degen, Schär, Dragovic, Park; Fabian Frei; Salah (78. David Degen), Elneny (65. Zoua), Serey Die (61. Diaz), Stocker; Streller.
Chelsea: Cech; Azpilicueta, Ivanovic, Terry, Cole; David Luiz, Lampard (80. Oscar); Ramires, Hazard (71. Mata), Moses; Torres.
Bemerkungen: 48. Pfostenschuss Stocker. 54. Pfostenschuss Torres. FCB ohne Bobadilla (nicht spielberechtigt) und Voser (verletzt), Chelsea ohne Ba (nicht spielberechtigt), Marin, Aké und Ferreira (alle verletzt). Verwarnungen: 69. Cole (Spielverzögerung/im Rückspiel gesperrt). 70. Dragovic (Foul/im Rückspiel gesperrt). 80. David Degen (Foul). 83. David Luiz (Foul). 89. Schär (Foul).
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2013, 00:06 Uhr

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