Seferovic erlöst die Fussball-Schweiz

Ein später Treffer von Haris Seferovic bewahrt das Schweizer Nationalteam gegen Zypern vor dem zweiten 0:0. Bis zum erlösenden Tor war es ein Spiel der vergebenen Chancen.

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Als alle schon eine weitere Nullnummer gegen den aufsässigen Fussballzwerg Zypern befürchteten, setzten die Schweizer im wegweisenden WM-Qualifikationsspiel doch noch den entscheidenden Schlag. Xherdan Shaqiri spielte nach einem Konter einen perfekten Ball in den Strafraum, Joker Haris Seferovic schloss mit einem Heber zum umjubelten 1:0 ab. Es war sein erstes Länderspieltor – und was für ein wichtiges. Die Schweizer vergrösserten ihren Vorsprung an der Tabellenspitze der Gruppe E damit auf vier Punkte und sind der Endrunde in Brasilien ein grosses Stück näher gekommen.

In der Anfangsphase hatte sich die SFV-Equipe weder vom Wirbel über die Nichtnominierung von Blerim Dzemaili noch vom einsetzenden Regen ablenken lassen. Schon in der siebten Minute kam die Elf des auf die Tribüne verbannten Trainers Ottmar Hitzfeld im spärlich gefüllten Stade de Genève zur ersten Chance: Josip Drmic, der zusammen mit seinem FCZ-Kollegen Mario Gavranovic eine Doppelspitze bildete, setzte sich gegen zwei Bewacher durch, sah seinen Richtung leeres Tor kullernden Ball aber noch kurz vor der Linie abgewehrt.

Nach dem folgenden Eckball traf Gavranovic per Kopf gar den Pfosten. Spätestens jetzt war es nebensächlich, dass der enttäuschte Dzemaili wegen seiner Nichtberücksichtigung für die Startformation offenbar gedroht hatte, das Schweizer Camp zu verlassen und nie mehr unter Hitzfeld zu spielen. Dzemaili, der trotz besserer Leistungen im Verein seinem Napoli-Teamkameraden und Nationalmannschafts-Captain Gökhan Inler den Vortritt lassen musste, soll die Reservistenrolle inzwischen aber akzeptiert haben.

Immer wieder Stocker

Nach dem Startfurioso taten sich die engagierten Schweizer gegen die erwartet defensiven Zyprioten schwer. Erst in der 21. Minute gab es wieder so etwas wie Gefahr, als Valentin Stocker auf Gavranovic flankte, dieser sich im Strafraum aber zu kompliziert anstellte und mehr an Kung-Fu-Panda als an einen Goalgetter erinnerte. Drei Minuten später versuchte es Stocker auf eigene Faust: Sein Schuss aus der zweiten Reihe strich nur knapp über das Tor. Stocker hatte auch bei den beiden nächsten Schweizer Gelegenheiten seine Füsse mit im Spiel, der FCB-Star zeigte eindrücklich, weshalb diverse Vereine aus dem Ausland hinter ihm her sind.

In der 32. Minute hatten die Fans den Torschrei schon auf den Lippen, der mit einem Pass in die Tiefe lancierte Drmic traf nach einem Haken aber nur das Aussennetz. Die Szene war sinnbildlich für den Schweizer Auftritt in der ersten Halbzeit: Die Gastgeber agierten mit viel Schwung und Willen, aber ohne die letzte Cleverness und Präzision. Fast schon ein wenig ernüchternd war, wie Ricardo Rodriguez den Ball bei einem Konter in der 40. Minute aus der Distanz weit über das Tor beförderte.

Ein folgenreicher Fehlentscheid

Ins Schwitzen kamen die Zyprioten dagegen in der 44. Minute: Erst scheiterte Xherdan Shaqiri aus kurzer Distanz, dann Rodriguez. Unmittelbar vor der Pause sah Inler nach einem vermeintlichen Foul die gelbe Karte. Es war ein kleiner, aber durchaus folgenreicher Fehlentscheid des Schiedsrichters. Der Captain, der viele Zweikämpfe annahm, aber im Spielaufbau Schwächen offenbarte, verpasst die kommende WM-Qualifikationspartie gegen Island am 6. September. Dann wird wohl der diesmal erst spät eingewechselte Dzemaili zum Zug kommen.

Vergebene Chancen und Pfiffe von den Rängen

Nach dem Seitenwechsel ging es munter weiter mit den vergebenen Chancen – und als es Shaqiri in der 53. Minute recht kläglich auf eigene Faust versuchte, statt den einschussbereiten Gavranovic zu bedienen, gellten Pfiffe von den Rängen. Keine fünf Minuten später waren die Schweizer dem 1:0 erneut ganz nah, Zyperns Schlussmann Antonis Giorgallidis wehrte den Schuss von Gavranovic aber mirakulös ab. Die Schweizer Schwächen im Abschluss wären nach einer Stunde fast mit dem 0:1 bestraft worden, als Zypern quasi aus dem Nichts zu einer guten Chance kam, Torhüter Diego Benaglio aber auf dem Posten war. Kurz darauf stand wieder Giorgallidis im Zentrum des Geschehens – er wehrte einen verheissungsvollen Schuss von Stocker ab.

Eine Viertelstunde vor Schluss nahm Hitzfelds Stellvertreter Michel Pont den starken Stocker aus dem Spiel und brachte für ihn Tranquillo Barnetta. Ohne den bis dahin klar besten Schweizer fehlte es der SFV-Auswahl noch augenfälliger an Ideen. Mehr als eine Schusschance für Gavranovic und einen Konter, den Shaqiri mit einem Schuss auf Georgallides verschenkte, brachte die Schweiz zunächst nicht zu Stande – bis Seferovic in der 90. Minute doch noch den Siegestreffer erzielte. Seine Einwechslung – er war 16 Minuten zuvor für Drmic gekommen – erwies sich als der berühmte Glücksgriff. Trainer Pont lobte in seiner ersten kurzen Matchanalyse den Teamgeist der Schweizer. Captain Inler befand, seine Equipe habe sich das Leben selber schwer gemacht.

Schweiz - Zypern 1:0 (0:0)
Stade de Genève, 16'200 Zuschauer. - SR Mazzoleni (It). - Tor: 90. Seferovic (Shaqiri)
Schweiz: Benaglio; Lichtsteiner, Djourou, Von Bergen, Rodriguez; Shaqiri, Behrami (67. Dzemaili), Inler, Stocker (77. Barnetta); Gavranovic, Drmic (73. Seferovic).
Zypern: Giorgallidis; Theofilou (93. Dobrasinovic), Merkis, Charalampous, Charalambous; Nikolaou, Laban-Bounayre, Alexandrou; Aloneftis (62. Kyriacou), Makridis; Sotiriou.
Bemerkungen: Schweiz ohne Derdiyok und Schwegler (beide rekonvaleszent), Zypern ohne Charalambidis (Taufe der Kinder) und Christofi (Hochzeit) sowie Dossa Junior und Efrem (beide verletzt). Schweizer Ersatzspieler: Sommer, Wölfli, Ziegler, Senderos, Xhaka, Emeghara, Klose. 8. Kopfball von Gavranovic an den Pfosten. Verwarnungen: 13. Angelis Charalampous (Foul). 20. Sotiriou (Foul). 33. Makridis (Foul). 45. Inler (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 67. Charalambous (Foul).

(ak)

(Erstellt: 12.06.2014, 10:41 Uhr)

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