Servette stolpert und bangt

Die Genfer kamen gegen Biel nicht über ein 1:1 hinaus und mussten Wohlen wieder die Tabellenspitze überlassen. Das passte zum Abschluss einer Challenge-League-Woche mit unerfreulichen Nachrichten.

Hängender Kopf: Eine Woche zum Vergessen für Servette.

Hängender Kopf: Eine Woche zum Vergessen für Servette. Bild: Keystone

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Zehn Runden vor Saisonschluss übernahm in der Challenge League der FC Wohlen wieder die Tabellenspitze – weil es Servette daheim nicht fertig brachte, seine Pflicht zu erfüllen: Gegen den abstiegsbedrohten FC Biel geriet die Mannschaft von Trainer Kevin Cooper kurz vor der Pause in Rückstand, rettete aber dank Benjamin Besnards 1:1 noch einen Punkt. Nur 3310 Zuschauer verloren sich im grossen Stade de Genève, jenem Stadion also, das sich für den Club als Hypothek herausstellt.

Wieder einmal macht in Genf der Begriff «Rettung» die Runde. Es fehlt Geld, erneut, allein für den März sind 400‘000 Franken ausstehend. Für die Finanzierung des Spielbetriebs bis Ende der Meisterschaft sollen insgesamt gar vier Millionen Franken notwendig sein.

«Money? No problem»

Dabei glaubten sie bei Servette doch so sehr an eine bessere Zukunft, als Hugh Quennec vor drei Jahren den Club übernahm, sie hofften auf eine Zukunft ohne ständige Geldsorgen und negative Schlagzeilen. Der kanadische Neu-Präsident war kein Unbekannter, als Chef des Hockey-Clubs Servette galt er als Mann mit Macherqualitäten. Er übernahm, was Majid Pishyar ihm hinterlassen hatte - Pishyar, der so gerne in die Welt hinaustrug, was er alles an Unternehmungen führte. Der vor allem auch zu sagen pflegte: «Money? No problem.» Und es dann doch fertig brachte, Servette an den Rand des Ruins zu bringen.

Wo Pishyar gegenwärtig steckt, das will in Genf eigentlich niemand wissen, und doch taucht sein Name zwangsläufig wieder auf, weil er während seiner Amtszeit einen Pachtvertrag für das Stadion abgeschlossen hat – für 32 Jahre. Die Unterhaltskosten des Stade de Genève belaufen sich jährlich auf zwei Millionen Franken, «mindestens», wie ein Funktionär aus dem Club sagt, «es sind vermutlich noch mehr». Um anzufügen: «Es ist verrückt, dass man das Stadion so einem Hochstapler in die Hände geben konnte.»

Stadionkapazität reduzieren

Servettes Clubleitung ist nicht länger gewillt, Geld in ein Stadion zu investieren, «das nie richtig fertig gebaut worden ist», wie Quennec es formuliert. Die Mängelliste sei viel zu lang, als dass es gerechtfertigt wäre, Servette für jede Reparatur zu belangen. Nun soll eine Verringerung der Kapazität im Stadion die Not lindern. Der Plan sieht vor, Kapazität von 30‘000 auf 18‘000 Plätze zu reduzieren. Der daraus gewonnene Raum könnte von Gewerbetreibenden genutzt werden. Die baulichen Massnahmen kosten aber eine Menge Geld, der Betrag dürfte sich auf gegen 30 Millionen Franken belaufen. Präsident Quennec hofft auf Unterstützung der öffentlichen Hand und auf private Geldgeber. Ausserdem soll der Natur- gegen einen Kunstrasen ausgewechselt werden.

Sicher ist, dass Eile geboten ist, um schleunigste Mittel aufzutreiben, mit denen die aufgerissenen Löcher gestopft werden. Sonst drohen dem 17-fachen Schweizer Meister erneut Zeiten wie 2005. Damals waren die Genfer ein erstes Mal Konkurs gegangen. 2012 stand der nächste Absturz bevor. Und 2015 ist die Not erneut da. Quennec versicherte unter der Woche, die Existenz des Clubs werde gesichert, und er habe keine Angst um Servette. Aber er muss schleunigst Geld finden, um die Belegschaft für die März-Dienste zu entschädigen. Wenn das bis Ende April nicht bei der Liga bestätigt worden ist, droht ein Disziplinarverfahren, droht vor allem ein Punktabzug, der die Ausgangslage im Aufstiegsrennen beeinträchtigen könnte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.04.2015, 11:27 Uhr

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