Shaqiri: «Das war der pure Genuss»

Der junge WM-Fahrer des FC Basel bringt sogar sein eigenes Luxemburg-Trauma mit.

Kampfgeist und jugendliche Dynamik: Xherdan Shaqiri in seinem bisher einzigen Länderspiel gegen Uruguay.

Kampfgeist und jugendliche Dynamik: Xherdan Shaqiri in seinem bisher einzigen Länderspiel gegen Uruguay. Bild: Keystone

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Irgendwann im Laufe des Sonntagabends piepste das Handy von Xherdan Shaqiri. Inmitten der Basler Cupfinalparty am Barfüsserplatz kam ein SMS von Ottmar Hitzfeld an. Darin gratulierte der Nationaltrainer zum Cupsieg mit dem FC Basel.

Mehr stand nicht in der Kurznachricht – obwohl doch spätestens da Shaqiri ein ernsthafter Kandidat für das Schweizer Kader an der WM war. Das nächste Mal, dass der junge Basler den Nationaltrainer sah, war gestern Nachmittag, 15 Uhr, im Schweizer Fernsehen. Zusammen mit seiner Familie sass Shaqiri daheim in Kaiseraugst vor dem TV und erfuhr, dass er zum Kader gehört. «Meinen Namen neben all den anderen zu hören, war der pure Genuss», sagt er. Kurz darauf steht Shaqiri mit den anderen Basler WM-Teilnehmern im Medienraum des St.-Jakob-Parks, und er ist der Gefragteste von allen.

Ein Traum geht in Erfüllung

Es war ein steiler Weg des erst 18-jährigen Flügelspielers. An Auffahrt vor einem Jahr hatte Shaqiri mit den FCB-Junioren am Blue-Stars-Turnier in Zürich teilgenommen. Ende Mai dann verlor er ein Freundschaftsspiel mit der U-18-Nationalmannschaft vor 200 Zuschauern in Herzogenbuchsee gegen Luxemburg. Später, im September, spielte er am EM-Qualifikationsturnier mit dem U-19-Nationalteam in Litauen. Im November schliesslich kam er zu zwei Kurzeinsätzen mit der U-21 im Rahmen von deren EM-Qualifikation. So weit das internationale Jahr 2009 des Xherdan Shaqiri. Daneben entwickelte er sich beim FC Basel vom Ergänzungs- zum Stammspieler.

2010 gelangte er zu seinem ersten A-Länderspiel, für 45 Minuten spielte er am 3. März gegen Uruguay. Nun fährt er mit zur Weltmeisterschaft. Mit all den Grossen und ganz Grossen wie seinem Vorbild Lionel Messi. «An einer WM mit den besten Spielern der Schweiz zu sein – damit geht für mich ein Traum in Erfüllung», sagt Shaqiri, dessen Eltern in seinem ersten Lebensjahr aus Kosovo eingewandert waren und der im Baselbiet aufwuchs.

Besonders schwärmt er von den Spaniern, am 16. Juni in Durban erster Gruppengegner der Schweiz: «Diese Spieler einmal aus der Nähe zu sehen, ist eine grandiose Vorstellung.» Er selbst könnte der jüngste aller 736 WM-Teilnehmer sein.

«Er ist wirklich stark und sehr weit»

Das Lob von Alex Frei Obwohl Shaqiri findet, dass das Aufgebot eine Belohnung für seine starke Saison sei, hatte er nicht wirklich damit gerechnet. Im Gegenteil: Die Ferien nach Saisonende waren geplant – nur gebucht noch nicht. So viel Geduld musste schon sein. Prompt ist FCB-Vizepräsident Bernhard Heusler vom Aufgebot nicht überrascht. «Für sein Alter ist er bewundernswert stabil und auf dem Platz unglaublich reif», sagt er. Shaqiri habe die Begabung, sehr oft das Richtige zu machen. Auch Alex Frei lobt den jungen Mitspieler: «Er ist wirklich stark und sehr weit», sagt der Basel-Stürmer und Captain des Nationalteams. Er werde ihm in Südafrika mit Rat zur Seite stehen.

Wuchtige Leichtigkeit Für den Entwicklungssprung ist Thorsten Fink massgeblich verantwortlich. Als im Basler Mittelfeld Carlitos verletzt ausfiel, setzte der Deutsche ohne zu zögern auf Shaqiri. «Weil Xherdan Potenzial hat und es eine riesige Freude ist, ihm zuzusehen».

«Ein Talent mit grosser Technik»

Und gerade jetzt, in der Schlussphase der Meisterschaft, einschliesslich des Cupfinals gegen Lausanne, kommen die Qualitäten des 1,69 Meter grossen Flügelspielers zum Tragen. Dynamisch, wie er sich auf der rechten Flanke durchsetzt, zur Mitte zieht und mit links schiesst. Seine auffallend kräftigen Waden verleihen seiner Leichtigkeit die Wucht.

Das war nicht immer so. Yves Débonnaire, einst sein Trainer im U-17-Nationalteam, erinnert sich an «ein Talent mit grosser Technik». Aber auch an einen Spieler, dem es an Kondition, Kraft und Spielintelligenz mangelte. Auf Stufe U-17 zählte Shaqiri nicht zu den Besten seines Jahrgangs 1991, an der EM 2008 war er lediglich Ersatzspieler – nachdem er zuvor in der Qualifikation gar nie aufgeboten worden war. Débonnaire gibt gerne zu, dass er sich «geirrt haben könnte». Aus ihm sprechen Bewunderung und Überraschung gleichermassen, wenn er sagt: «Manchmal schreibt der Fussball die schönsten Geschichten.»

Erstellt: 12.05.2010, 10:32 Uhr

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