Shaqiri in die britische Provinz – kann Sinn machen

Bayern, Inter Mailand, Stoke City: Ein Abstieg für den Schweizer Starstürmer?

Xherdan Shaqiri: Der Schweizer Nationalspieler steht vor einem Wechsel zu Stoke City.<br />Foto: Valeriano Di Domenico

Xherdan Shaqiri: Der Schweizer Nationalspieler steht vor einem Wechsel zu Stoke City.
Foto: Valeriano Di Domenico

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Vordergründig braucht es nichts mehr als eine Aufzählung, um den offenbar kurz bevorstehenden Transfer von Xherdan Shaqiri zu bewerten: Bayern München, Inter Mailand, Stoke City. Unweigerlich geht die Tonlage von Club zu Club nach unten. So klingt der Abstieg eines Mannes, der einst zu Grossem auserkoren schien. Doch wer nun die Nase rümpft, weil das mittelenglische Stoke-on-Trent nicht das gleiche Flair versprüht wie die Metropolen München und Mailand, macht sich die Sache zu einfach. Natürlich ist ein Wechsel nach Stoke für jemanden, der als 20-Jähriger vom FC Basel direkt zu den Bayern geholt wurde, kein Beweis einer besonders cleveren Karriereplanung. Der im Winter selbst forcierte Transfer von den Bayern zu Inter war ein Fehler. Einer, der vermeidbar war, blinkten doch bereits vor dem Transfer grelle Warnlichter.

Aber nun, da sich Shaqiri mithilfe seines als Berater agierenden Bruders Erdin in die ungemütliche Lage in Mailand gebracht hatte; nun, da er auf der Resterampe angeboten wurde, um Platz zu machen für den nächsten Mailänder Heilsbringer, kann der Wechsel nach Stoke Sinn machen. Sicher tut er das aus finanzieller Sicht. Wer würde einen Vertrag ablehnen, wie ihn Shaqiri dem Vernehmen nach erhalten soll: für vier Jahre jeweils 4,5 Millionen Franken netto?

Stoke hat auf Shaqiri gewartet

Kommt dazu, dass Stoke wirklich auf Shaqiri zu bauen scheint. Dafür spricht nicht nur die Ablösesumme von rund 18 Millionen Franken. Warum sonst hätte Manager Mark Hughes so lange auf die Zusage des Schweizers gewartet? Bereits im Juli hatte Hughes um Shaqiri geworben, doch damals erkannte er weder beim Spieler noch seiner Entourage den «nötigen Enthusiasmus». Andere Clubs hätten da das Kapitel Shaqiri abgeschlossen. Hughes entschied sich für den Slogan der Keuschheitsbewegung: «Wahre Liebe wartet.» So lange, bis sich Shaqiri so weit umentschieden hatte, gestern den medizinischen Check zu absolvieren. Denn genau das braucht er dringend: einen Trainer, der ihm Vertrauen und Einsatzzeit schenkt.

Wer nämlich im Transfer zu Stoke nur den Abstieg sieht, vergisst, dass Shaqiri in den letzten drei Jahren im Club nicht mehr war als Edelreservist. Pro Partie spielte er im Schnitt jeweils bloss während rund einer Halbzeit. Das ist keine Bilanz, die ihn zu einem Vertrag bei einem wirklich grossen Club befähigen würde.

Und vielleicht ist ein Wechsel nach Stoke, dieser Schritt zurück, für Shaqiri auch die Gelegenheit, seiner Arbeit wieder mit etwas mehr Bescheidenheit nachzugehen. In seinen letzten Monaten in München und danach auch in Mailand sollen er und sein Bruder Erdin mit ihrem Auftreten clubintern nicht nur Freunde gewonnen haben. Nicht zuletzt dürfte Vladimir Petkovic den Transfer wohlwollend betrachten. Für den Schweizer Nationaltrainer ist ein Shaqiri als Stammspieler in einem Verein mit wenig Renommee nämlich wertvoller als ein Shaqiri, der bei einem Weltclub die Bank drückt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2015, 23:25 Uhr

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