«Shaqiri ist das Beste, was den Bayern passieren konnte»

In der letzten Saison verpassten die Bayern sämtliche Ziele. Jetzt entwickeln sie ein neues Selbstbewusstsein und führen die Tabelle an. Günter Netzer und andere Experten sagen, was dahintersteckt.

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«Die Bundesliga ist kein Wunschkonzert, sie ist vielmehr ein Stahlbad», sagte Hannovers Adrian Nikci im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet in der vergangenen Woche. Auch Xherdan Shaqiri müsse sich in München bei den Bayern durchbeissen und täglich neu beweisen. In der Tat: Der Schweizer Internationale ist bei Trainer Jupp Heynckes nicht immer erste Wahl, sass in der Champions League gegen Valencia und auf Schalke nur auf der Bank. Doch der Basler liess sich durch die vermeintlichen Rückschläge nicht destabilisieren und wartete geduldig auf seine nächste Chance, die am Dienstag im Heimspiel gegen Wolfsburg prompt auch kam. Die beiden deutschen Nationalspieler Thomas Müller und Toni Kroos, notabene noch die beiden Torschützen beim 2:0-Sieg auf Schalke am vergangenen Samstag, gehörten nicht mehr zur Startelf, wobei Müller nicht einmal im Aufgebot stand.

«Shaqiri wäre bei jeder anderen Mannschaft gesetzt»

Dafür kehrte Shaqiri zurück und nutzte seine Chance auf eindrückliche Art und Weise, und dankte dem Trainer für das grosse Vertrauen. Er machte gegen Wolfsburg als Spielmacher direkt hinter der einzigen Sturmspitze Mandzukic ein herausragendes Spiel und erhielt in der deutschen Presse die besten Noten. Die Platzherren waren der Mannschaft des Schweizer Torhüters Diego Benaglio haushoch überlegen. Das belegen auch die Zahlen: 25:4 Torschüsse, 10:2 Eckbälle. Dem deutschen Rekordmeister gelang nach der verpatzten letzten Saison diesmal ein Traumstart in die neue Spielzeit. Die Münchner führen die Tabelle nach fünf Runden mit fünf Siegen souverän an. Hinter dem Erfolgsgeheimnis steckt auch Xherdan Shaqiri. Dieter Hoeness, der Bruder von Bayern-Präsident Uli Hoeness, sagte im «Doppelpass» auf Sport 1: «Die Bayern haben in der Breite mehr Qualität. Sie können auch problemlos einen Xherdan Shaqiri in der Startelf bringen.» Auch ARD-Experte Beckmann ist von den Qualitäten des Basler Stürmers überzeugt. «Shaqiri wäre bei jeder anderen Mannschaft gesetzt», sagte Beckmann nach dem Spiel gegen Wolfsburg.

«Shaqiris Druck auf die Stars macht die Bayern wieder stark»

«Shaqiri ist das Beste, was den Bayern passieren konnte», sagt Experte Erich Vogel. Der Zürcher ist vom kleinen Basler geradezu angetan. «Er hat sich jetzt schon einen grossen Stellenwert in der Mannschaft erarbeitet.» Der 20-jährige Shaqiri sei für sein Alter schon sehr weit und reif. «Er geht mit seinen Teamkollegen und auch mit den Medien äusserst souverän und clever um», sagt Vogel. Shaqiri werde einst sogar der absolute Publikumsliebling in München. «Die Bayern haben mit Shaqiri den idealen Typen geholt. Die anderen Vereine, die zögerten und ihn nicht genommen haben, weil sie nicht ganz überzeugt von ihm waren, sind selber schuld.» Shaqiri passe ideal ins Rotationskonzept von Trainer Jupp Heynckes. Er sei unbekümmert und frech. Er habe auch keine Angst vor grossen Namen, trete im Training und in den Spielen selbstbewusst auf. «Shaqiris Druck auf die Stars macht die Bayern wieder so stark. Sie sind nicht mehr auf Gedeih und Verderb von Ribéry und Robben abhängig», erklärt Vogel. «Heynckes ist ein erfahrener Trainer. Er hält auch die Spieler, die in seinem Rotationsprinzip mal auf der Bank Platz nehmen müssen, bei Laune, weil er ihnen mit Argumenten seine Massnahmen erklärt. Seit Spieler von der Qualität eines Shaqiri in München spielen, wissen auch die ganz grossen Stars, dass sie stets Vollgas geben müssen.»

Netzer wundert sich über Shaqiri

«Es ist schon verwunderlich, wie sich Shaqiri in München in kurzer Zeit so positiv entwickelt hat», sagt der deutsche Welt- und Europameister Günter Netzer. Er habe nie an den fussballerischen Qualitäten des Schweizers gezweifelt. «Ich habe immer Hoffnungen gehabt, aber war mir dann doch nicht ganz sicher, ob er sich in München auch tatsächlich von Anfang an durchsetzen kann.» Shaqiri habe ihn jetzt aber eines Besseren belehrt. «Und das ist sehr erfreulich. Aber das entspricht seinem Charakter. Shaqiri ist nicht arrogant oder überheblich. Er ist einfach unbekümmert, geht mit einem sympathischen Selbstbewusstsein konsequent seinen Weg. Dass er lauter Stars um sich herum hat, nimmt er zwar zur Kenntnis, lässt sich dadurch aber nicht beeindrucken. Das nimmt er einfach mit einer stoischen Ruhe wahr.» Shaqiri sei auch für die ganz Grossen im Bayern-Team mittlerweile ein echter Konkurrent geworden. «Das schürt den Konkurrenzkampf und das beflügelt die ganze Mannschaft.»

«Shaqiri kann sogar Publikumsliebling werden»

Ciriaco Sforza, der ehemalige Spielmacher der Bayern, war lange skeptisch, ob Shaqiri sich in einem Starensemble überhaupt durchsetzen könne. «Wenn er es nicht schafft, werden ihn die Bayern schon bald an einen anderen Bundesligaclub ausleihen», mutmasste Sforza vor einem Monat gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Sforza ist erfreut darüber, dass sich der Basler so schnell integriert hat. «Auch wenn er nicht gespielt hat, ist Shaqiri stets ruhig geblieben und hat nicht die beleidigte Leberwurst gespielt. Er hat Coach Jupp Heynckes mit starken Leistungen im Training und im Spiel die richtigen Argumente geliefert. Dank den Neuzuzügen wie Mandzukic, Dante, Martinez und vor allem Shaqiri hat sich der Konkurrenzkampf bei den Bayern eindeutig verschärft.» Shaqiri komme mit seiner sympathischen und spontanen Art auch bei seinen Mitspielern hervorragend an. «Das ist sehr wichtig in München», weiss Sforza aus eigener Erfahrung. «Wenn er so weitermacht, dann kann er mit seiner spektakulären Art Fussball zu spielen und mit seinem sympathischen Auftreten auch neben dem Platz sogar zum absoluten Publikumsliebling in München werden.»

Erstellt: 27.09.2012, 11:19 Uhr

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