Shaqiris Last-Minute-Goal – Hitzfelds Lächeln

Die Schweizer Fussball-Nati beendet das Jahr mit einem Erfolgserlebnis. In Sousse gewinnt sie gegen Tunesien dank Toren von Eren Derdiyok und Xherdan Shaqiri mit 2:1 (1:0).

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Das Gastspiel in der drittgrössten Stadt Tunesiens wird zumindest bei den Fans schnell wieder vergessen sein. Die letzte Partie des Jahres bot wenig Spektakuläres. Es war ein typisches Freundschaftsspiel in einem unwürdigen Rahmen vor weniger als 1000 Zuschauern.

Vielleicht konnte Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld Erkenntnisse gewinnen. Die zuletzt nicht zur Stammformation gehörenden Yann Sommer, Timm Klose, Reto Ziegler und Blerim Dzemaili erhielten eine Bewährungsprobe. Sie durften von Beginn weg spielen. Später kam dann der von Bosniern umworbene Izet Hajrovic noch zu seinem Länderspieldebüt.

Sommers einziger Fehler

Ziegler machte als Ersatz von Ricardo Rodriguez eine gute Figur und auch Sommer spielte stark. Seine Interventionen waren stilsicher, er strahlte Sicherheit aus. Kurz vor der Pause wehrte er einen Schuss von Chadi Hammami ab, als seine Vorderleute die Orientierung verloren hatten.

Sommers Pech war, dass er beim Gegentreffer in der 59. Minute unglücklich aussah. Der nur scheinbar harmlose Schuss von Joker Zouheir Dhaouadi aus rund 25 Metern flog an Freund und Feind vorbei und landete zur Überraschung aller zum 1:1 im Netz.

Eine Aufmunterung für Derdiyok

In der Vorwärtsbewegung fehlte bei beiden Mannschaften oftmals die letzte Konsequenz. Doch die Schweizer zeigten einige Male ihr Potenzial. Das 1:0 fiel in der 40. Minute. Eren Derdiyok köpfelte einen Freistoss von Tranquillo Barnetta ein. Für den bei Hoffenheim zum Ersatzspieler degradierten Derdiyok war der 8. Treffer im 44. Länderspiel ein willkommenes Erfolgserlebnis. Und auf das 1:1 reagierte die Schweiz in der 96. Minute durch einen Schuss von Xherdan Shaqiri, der noch den nicht mehr erwarteten, aber verdienten Sieg gegen die seit der 74. Minute dezimierten Gastgebern einbrachte.

Tunesien, das ohne die Spieler von Meister Espérance de Tunis antrat, zeigte viel Einsatz und war ohne Zweifel motiviert. Ab und zu kämpften die Nordafrikaner am Rande der Legalität. Vor dem Tor von Sommer stellten sie sich aber ungeschickt an. Die Schweizer waren abgeklärter und in ihren Angriffen strukturierter. Kurz vor dem 1:0 schoss Stephan Lichtsteiner nach einem Doppelpass mit Shaqiri aus guter Position daneben.

Inlers Penalty – und die stolze Bilanz

Die beste Möglichkeit zu einem zweiten Treffer in der ersten Halbzeit verpasste aber Gökhan Inler. Der Captain wurde nach 17 Minuten am Strafraumrand – oder vielleicht sogar leicht ausserhalb – gefoult. Der nicht immer richtig liegende Schiedsrichter Fleischer aus Ghana entschied auf Penalty. Tunesiens Keeper Mathlouthi wehrte den zu wenig plazierten Elfmeter von Inler reflexschnell ab.

Die Schweiz schloss auch ohne Penaltyglück das Jahr standesgemäss ab. Die Bilanz 2012 ist mit sechs Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen hervorragend. Und insbesondere in der WM-Qualifikation schnitt die Mannschaft stark ab.

Die späte Freude im Schweizer Lager

Lange Zeit sah das Gesicht von Nationalcoach Hitzfeld grimmig aus. Nach der Partie war das dank dem späten Tor von Shaqiri anders. «Natürlich sind solche späte Siege immer etwas Spezielles. In der Schlussphase waren wir zahlenmässig überlegen und wollten diesen Erfolg unbedingt erzwingen. Das Team ist also doch noch belohnt worden», erklärte der nun gut gelaunte Trainer gegenüber SRF. Auch für Derdiyok, bei Hoffenheim nicht erste Wahl, lohnte sich der Trip nach Tunesien in besonderem Masse. «Dieses Tor ist Gold wert für mich», meinte der Stürmer, der sein achtes Goal im Dress der Nationalmannschaft schoss.

Hitzfeld nahm zudem seinen Torhüter in Schutz. Der Coach fand, dass Sommer sehr gut gespielt habe und beim Gegentreffer unschuldig gewesen sei. Letztlich betonte der Lörracher, dass sein Team in diesem Jahr spielerische Fortschritte erzielt habe. «Die Mannschaft ist mit Freude bei der Sache und ist vor allem konstanter geworden.»

Tunesien - Schweiz 1:2 (0:1)
Stade Olympique, Sousse. - 1000 Zuschauer. - SR Fleisher (Ghana). - Tore: 40. Derdiyok (Freistoss Barnetta) 0:1. 59. Zouheir Dhaouadi 1:1. 96. Shaqiri 1:2.
Tunesien: Mathlouthi; Bédoui, Chams, Abdennour (58. Souissi), Gharbi; Ben Yahia, Hammami (70. Belaid); Oueslati, Darragi, Jemâa (54. Zouheir Dhaouadi); Harbaoui (68. Ben Youssef).
Schweiz: Sommer; Lichtsteiner (46. Rodriguez), Djourou, Klose (68. Von Bergen), Ziegler; Dzemaili (46. Behrami), Inler (46. Fernandes); Shaqiri, Xhaka (72. Ben Khalifa), Barnetta (84. Hajrovic); Derdiyok.
Bemerkungen:Tunesien ohne Chikhaoui und Chermiti (Zürich/beide nicht im Aufgebot), Schweiz ohne Gavranovic und Stocker (beide verletzt). Schweizer Ersatzbank: Wölfli, Mehmedi. 18. Mathlouthi wehrt Foulpenalty von Inler ab. 74. Gelb-rote Karte gegen Bédoui. Verwarnungen: 23. Bédoui (Foul). 63. Xhaka. 91. Souissi. 92. Djourou (alle Foul).

Erstellt: 14.11.2012, 20:49 Uhr

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