«Sie haben mit dem Herz und nicht mit dem Kopf gewählt»

Pedro Pinto von CNN World Sport interviewte Sepp Blatter und befragte den Fifa-Präsidenten zur Einführung der Torlinien-Technologie, zur umstrittenen WM-Vergabe sowie zum Vorwurf der Korruption.

Die Grenze für Blatter: Mehr Technologie als jene der Torlinie wird es nicht geben.

Die Grenze für Blatter: Mehr Technologie als jene der Torlinie wird es nicht geben. Bild: Reuters

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Derzeit findet in Qatar der Asian Cup statt, die asiatische Kontinentalmeisterschaft. Die Spiele finden vor mehrheitlich leeren Rängen und fernab der öffentlichen Wahrnehmung (ausserhalb Asiens zumindest) statt. In elf Jahren findet an gleicher Stelle der grösste Sportanalass der Welt statt – die Fussball-WM. Die Wahl geriet auch in die Kritik, weil es in den Sommermonaten, in denen die WM traditionell stattfindet, in Qatar bis zu 50 Grad heiss werden kann. Die ansonsten eher konservative Fifa erwägt die Verlegung in den Winter. Selbst Sepp Blatter gibt zu, dass «es fragwürdig aussieht, im Juni/Juli dorthin zu gehen».

Im Interview mit Pedro Pinto von CNN World Sport schätzt Blatter die Chancen, dass die WM 2022 im Winter stattfindet, auf «definitiv über 50 Prozent» ein. Die grossen Ligen in Europa hätten nun elf Jahre Zeit, um ihren Kalender danach auszurichten. «Wenn es den Willen gibt, dann kann man in diesem Jahr den internationalen Kalender auch anpassen», so Blatter. Als unfair gegenüber den anderen Kandidaten für die WM 2022 würde er eine solche Verlegung nicht sehen, betonte der Fifa-Präsident.

«Zeigt der Welt, dass wir unsere Arbeit machen»

Gänzlich von sich (und der Fifa) wies er die immer wieder geäusserten Korruptionsvorwürfe. «Wir haben 300 Millionen Aktive in der Fifa. Wenn nun zwei, drei oder vier davon zur Korruption neigen, dann kann man doch nicht sagen, dass die ganze Fifa korrupt ist», so Blatter. Überhaupt habe die Ethikkommission sehr schnell auf die Vorwürfe reagiert. «Schneller als jedes Gericht», wie der Walliser betont.

Fehler oder zumindest Schwächen gibt Blatter gleichwohl zu. «Die technischen Rapporte haben selten den Gewinner vorausgesagt», meinte er im Interview bei CNN World Sport. «Die Mitglieder des Exekutivkomitees wählen mehr mit ihrem Herzen als mit dem Kopf», sagte er. Dennoch seien die aufwändig erarbeiteten Berichte über die kandidierenden Nationen wichtig. «Es zeigt der Welt, dass wir unsere Arbeit machen.»

«Eine sehr konservative Organisation»

Blatter kritisierte auch die Art, wie die Exekutivkomiteemitglieder gewählt würden. «Ich bin der einzige, der vom Kongress gewählt wird. Alle anderen Mitglieder werden von den Konföderationen bestellt. Das macht es so schwierig, meine Minister zu managen», so Blatter, der sich im Juni zum vierten Mal als Fifa-Präsident wählen lassen. Gegenkandidaten gibt es offiziell keine.

Bis zu diesem Zeitpunkt könnten bereits wegweisende Entscheide zum Thema Torlinientechnologie gefallen sein. «Wir haben 17 verschiedene Systeme getestet und drei oder vier davon werden dem International Board (die Regelkammer der Fifa; Anm. d. Red.) vorgeschlagen. Das technische Komitee wird zuerst noch seine Empfehlung abgeben können», erklärt Blatter.

«Wenn eines dieser Systeme genau und unmittelbar funktioniert, also nicht kompliziert ist, dann wird die Torlinientechnologie eine gute Chance haben», gibt sich Blatter zuversichtlich, auch wenn er festhält, dass der International Football Association Board (IFAB) «eine sehr konservative Organisation» ist. Der IFAB wird in der ersten März-Woche in Wales erneut zusammentreten und über das weitere Vorgehen befinden.

Erstellt: 14.01.2011, 06:12 Uhr

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