«Sie haben uns eine Tracht Prügel verpasst»

Obwohl der FC Barcelona über 300 Pässe mehr spielte als der FC Bayern, ging er in München 0:4 unter. Und man muss sich fragen, was der designierte Bayern-Trainer Josep Guardiola im Sommer überhaupt noch verbessern kann.

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63 Prozent Ballbesitz hatte der FC Barcelona in diesem denkwürdigen Halbfinal-Hinspiel der Champions League in der Münchner Allianz Arena. Entgegen der Doktrin, dass der Weg zum Erfolg nur über Kurzpassspiel und Ballbesitz führen könne, stand unter dem Strich aber eine demütigende 0:4-Niederlage für die Katalanen. Zu ideenlos, zu zaghaft und zu unflexibel waren sie, um den überlegenen und leidenschaftlichen Bayern, bei denen selbst Arjen Robben grätschte, auch nur annähernd Paroli bieten zu können.

«Sie haben uns eine Tracht Prügel verpasst. Wir müssen auch nicht über den Schiedsrichter reden, es gibt keine Ausreden», bekannte Gerard Piqué freimütig. Der Barça-Verteidiger wusste wohl, dass Referee Victor Kassai beim 2:0 der Bayern zwar eine Abseitsstellung von Mario Gomez und vor dem 3:0 ein Blocken von Thomas Müller übersehen hatte, seine Mannschaft aber auch zweimal einem möglichen Penaltypfiff wegen Handspiels entgangen war. Mittelfeldspieler Xavi mochte sich ebenfalls nicht als Schönredner betätigen und konstatierte: «Wir hatten in der ersten Hälfte viel Ballbesitz, konnten aber damit nichts anfangen. Wir haben überhaupt keine Chancen kreiert.»

Hoeness freut sich wie Rumpelstilzchen im Goldlager

Ganz anders die Bayern, deren Auftritt ihren vom Schwarzgeldskandal gebeutelten Präsidenten Uli Hoeness auf der Tribüne vor Entzücken wie das Rumpelstilzchen im Goldlager der Schweizer Nationalbank umherhüpfen liess. Die Mannschaft von Jupp Heynckes spielte ebenso athletischen wie inspirierten Tempofussball, kreierte 15:4 Torchancen und warf die Frage auf, was der frühere Barça- und designierte Bayern-Trainer Josep Guardiola überhaupt noch verbessern kann. Der FC Barcelona spielte zwar deutlich mehr Pässe als die Deutschen, nämlich 669 gegenüber 331, und weist in der Statistik die bessere Quote auf (91 Prozent gegenüber 82 Prozent), nur spielte der Verlierer fast immer quer oder rückwärts und der Sieger immer wieder gefährlich in die Tiefe.

Ein ideenloses Kurzpass-Kollektiv

Barcelonas Hoffnung, der angeschlagene Lionel Messi möge dem ideenlosen Kurzpass-Kollektiv wie nach seiner Einwechslung im Viertelfinal-Rückspiel gegen Paris St-Germain zu mehr Durchschlagskraft verhelfen, erwies sich als Trugschluss. Wohl auch weil die Bayern keine zusammengekaufte Truppe wie PSG sind, sondern eine gewachsene, im Training ständig geschliffene und vom gestrengen Sportvorstand Matthias Sammer gepushte Einheit. «So einen Abend habe ich auch noch nicht erlebt und ich bin schon lange dabei. 4:0 gegen die beste Mannschaft der Welt, das ist wie ein Traum hier», schwärmte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Jordi Roura, der Co-Trainer des FC Barcelona berichtete, seine Spieler seien deprimiert und niedergeschlagen. «Es war ein Spiel, auf das wir uns gefreut haben. Es tut weh, es ist schwer.» Der für einmal wirkungslose Weltfussballer Messi sprach von superioren Bayern, die in allen Belangen besser waren und meinte, wenn es im Rückspiel nichts mit einem Wunder werde, müsse Barça den Blick halt schon auf die kommende Saison richten. Kämpferisch klingt anders.

Thomas Müller, mit zwei Toren und diversen guten Aktionen wohl der Beste in einem grandiosen Bayern-Team, genoss es sichtlich, dass er nach den schmerzhaften Niederlagen mit dem deutschen Nationalteam gegen die mit Barça-Spielern gespickte spanische Auswahl endlich auf der richtigen Seite stand. «Ich werde nie vier Spieler gleichzeitig ausspielen, aber für 13 Kilometer bin ich immer gut», sagte der Angreifer. «Wir haben versucht, sie unter Druck zu setzen im Mittelfeld. Das ist uns sehr gut gelungen. Wir haben es immer besser gemacht, und so viel investiert. Schön, dass es sich gelohnt hat», ergänzte der omnipräsente Bastian Schweinsteiger, wie Müller ein gebranntes Kind, was Spiele gegen spanische Mannschaften betrifft.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2013, 06:30 Uhr

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