Sinnlos mit Josef

Uli Hoeness möchte seinen «ziemlich besten Freund» zum Abendessen einladen. Doch das ist kompliziert.

Uli Hoeness und Jupp Heynckes.

Uli Hoeness und Jupp Heynckes. Bild: Reuters

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Uli Hoeness hat schon mehrmals versucht, seinen Trainer Jupp Heynckes zu einem Essen einzuladen. Vergeblich. Er nennt Heynckes seinen «ziemlich besten Freund», und er war damals bei seinem 65. Geburtstag sehr gerührt, als Heynckes ihm ein selbst gemachtes Video schenkte, mit Glückwunschbotschaften von anderen besten Freunden. Es ist einer dieser kalten Wintertage der letzten Woche, Hoeness hat es sich bequem gemacht auf seinem hellen Sofa in seinem Anwesen hoch über dem Tegernsee, und er sagt zu seiner Frau Susi, er wolle Heynckes nun ein SMS schreiben und so versuchen, mit Jupp in Kontakt zu kommen. Seine Frau schmunzelt, sie weiss genau, dass sie ihren Mann, der noch nie eine Mail geschrieben und in seinem Büro ein Faxgerät hat, über das man ihn erreichen kann, dabei unterstützen muss. Er liest, sie schreibt. Es könnte so sein.

«Lieber Jupp, hast du Zeit für mich?»
SMS-Nachricht von Hoeness, 19.48 Uhr

«Für dich immer, mein Ulrich (Heynckes sagt manchmal Ulrich zu Uli, wenn es ihm ernst ist). Ich muss im Hotelzimmer nur noch ein Video schauen. Unseren nächsten Gegner studieren.»
SMS-Nachricht von Heynckes, 19.49

«Melde dich, Josef (so sagt er dann auch ernsthaft zu Jupp), wenn du Zeit hast.»
SMS-Nachricht von Hoeness, 19.50

«Jetzt.»
SMS-Nachricht von Heynckes, 20.57

«Du, Jupp, ich finde, wir sollten endlich Essen gehen, ganz gemütlich, und ein Glas spanischen Rotwein trinken.»
SMS-Nachricht von Hoeness, 20.58

«Ulrich, du weisst genau, dass ich in diesen Monaten keinen Alkohol trinke, ich will mich auf die Spiele konzentrieren. Es ist wichtig in meinem Alter. Ende Mai können wir das sehr gerne.»
SMS-Nachricht von Heynckes, 21.30

«Jupp, es muss jetzt sein. Es geht auch um die Verträge von Ribéry und Robben und ob wir diese verlängern sollen.»
SMS-Nachricht von Hoeness, 21.31

«Ich würde euch raten, es zu tun.»
SMS-Nachricht von Heynckes, 21.50

«Du weisst, Franck ist wie mein zweiter Sohn. Aber es geht nur mit dir.»
SMS-Nachricht von Hoeness, 21.51

«???»
SMS-Nachricht von Heynckes, 22.15

«!!! Ja, Jupp! Nur mit dir ist es möglich, mit ihnen zu verlängern. Bei allen anderen Trainern würde das riesige Unruhe bringen. Josef, du musst . . .» (Susi Hoeness hat zu früh auf «senden» gedrückt)
SMS-Nachricht von Hoeness, 22.16

«Jupp, hast du meine letzte Nachricht nicht gelesen?»
SMS-Nachricht von Hoeness, 22.57

«Josef???!!!»
SMS-Nachricht von Hoeness, 23.19

«Ich schaue wieder Video.»
SMS-Nachricht von Heynckes, 23.51

«Und?»
SMS-Nachricht von Hoeness, 23.52

«Uli, im Juni, wenn ihr in Südfrankreich in den Ferien seid, besuche ich euch, wie letztes Jahr, und dann können wir auch gerne französischen Wein trinken.»
SMS-Nachricht von Heynckes, 00.12

Uli Hoeness legt sein Handy auf den grossen Tisch vor dem Sofa, sehr unwirsch ist er, er schaut auf die Börsenkurse, die ständig über den grossen TV-Schirm flimmern, es mache keinen Sinn, sagt er zu seiner Frau. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2018, 20:57 Uhr

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