Sion 2026: Constantin bringt sich zurück ins Spiel

Der Sion-Präsident will beim Olympiaprojekt wieder mitreden – nachdem er es hatte verlassen müssen.

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Christian Constantin ist das personifizierte Glück für Journalisten. Denn wem er auch immer ein Interview gewährt, der weiss: Schlagzeilen und damit breite Resonanz sind garantiert. Dies war dem «Le Matin»-Journalisten natürlich auch beim aktuellsten Gespräch mit dem Präsidenten des FC Sion bewusst – wobei es diesmal um eine andere Passion des Wallisers ging als Fussball: die Winterspiele von 2026.

Constantin gehörte zu den Ersten, die den Grossanlass in die Schweiz holen wollten, insofern darf er durchaus als Pionier oder Wegbereiter in der Sache verstanden werden. Bloss musste Constantin die Komiteespitze nach seiner ­öffentlichen Prügelattacke gegen den früheren Fussballtrainer Rolf Fringer verlassen. Man hielt Constantin für ein Risiko, gerade der damalige Präsident Jean-Philippe Rochat.

Nun versucht Constantin das Comeback. Im Interview mit «Le Matin» stellt der 60-Jährige nämlich klar, dass er sich keineswegs kampflos auf die Seite schieben lasse. Aus einem einfachen Grund: Es brauche ihn, damit dieses Olympiaprojekt überhaupt zum Fliegen komme. Oder in seinen Worten: «Momentan ist es tot, weil kein Enthusiasmus dafür vorhanden ist.» Also will ihn Constantin entfachen, unter anderem indem er im Januar 800 Fackelträger in einer Halle versammeln will. Den «Turbo zünden» nennt das Constantin im Interview.

Bloss hat der Umtriebige im Sion-­Komitee gar keine Mitsprache mehr. Da kann er also zünden, was er will: Olympisch ist daran erst einmal wenig. Der neue starke Mann heisst Jürg Stahl. Der SVP-Politiker und Präsident von Swiss Olympic präsidiert seit Anfang Dezember das OK von «Sion 2026». Grund: Jean-Philippe Rochat war zurückgetreten, weil die Kanzlei, die er mitverantwortet, in Zusammenhang mit den Panama Papers gebracht wurde. Wenn sich ein ohnehin von der Schweizer Bevölkerung schon kritisch verfolgtes Projekt eines nicht erlauben kann, sind es Schlüsselpersonen mit beflecktem Ruf.

Bodenmann für Constantin

Dazu gehört natürlich auch der ewige Polterer Constantin, weshalb die Reaktion von Jürg Stahl trocken ausfiel. Er habe das Interview gelesen und es zur Kenntnis genommen, sagte er via den Medienverantwortlichen von Swiss Olympic. Mehr wollte er vorerst nicht ­sagen. Denn Stahl kündigte erst kürzlich seinen Kaderjob bei einer Versicherung, damit er ausreichend Arbeitszeit und Kraft ins Olympiaprojekt investieren kann.

Dass Constantin also gerade den jetzigen Zeitpunkt für seinen lauten Bittgang wählte, ist clever: Tatsächlich befindet sich die Spitze im Umbruch. Stahl, bislang Vize, muss sich erst einarbeiten. Die temporäre Stille ist neben Constantin einem zweiten prominenten Walliser aufgefallen – Peter Bodenmann. Der andere begnadete Walliser Polemiker schrieb in seiner «Weltwoche»-Kolumne zur Projektspitze, zu der neben dem Berner SP-Ständerat Hans Stöckli damals noch Rochat gehörte: «Christian Constantin war der Vater des olympischen Projekts ‹Sion 2026›. Seit er weg ist, fehlt jeder Druck auf der Leitung. Jean-Philippe Rochat, Jürg Stahl und Hans Stöckli können in vernünftiger Zeit keinen Bienenstock verschieben.»

Dabei ist zumindest das Veranstalten dieses Grossanlasses gemäss Constantin ziemlich einfach: «Wegen der Hooligans ist es schwieriger, Sion gegen Basel zu veranstalten als Sion 2026», behauptet er zum Beispiel. Oder sagt, vom «Le Matin»-Journalisten unwidersprochen, weil sonst die knackige Aussage lädiert wäre: «Ich habe im Alleingang ein Dossier konstruiert, anhand dessen Bern 995 Millionen Franken für Schweizer Winterspiele aufbrachte.»

Der Neid der anderen

Diese Aussage ist nur schon deshalb falsch, weil das Projekt von Constantin mit einem zweiten fusionierte, also sich viele Väter bzw. Mütter den Erfolg notieren lassen dürften, wie OK-Vize Stöckli es ausdrückt. Zu Constantins selektiver Wahrnehmung zählen auch die Umstände seines Abgangs, den er zwar auf Druck, aber selber einleitete. Man habe ihn wegzudrängen versucht, sagt er und kennt ­natürlich auch den Grund: «Es ging ums Ego. Man wollte meinen Platz. Ich kann das verstehen. Wer mit mir in einem Komitee sitzt, nervt sich ein bisschen. Halte ich mich nämlich in einem Saal mit Journalisten auf, werden mir die Fragen gestellt. Das kann die Personen an meiner Seite verärgern. Jeder will der Chef sein.»

In einem Punkt werden die aktuellen Olympiapromotoren ohnehin auf Constantin zugehen müssen: Die Markenrechte an «Sion 2026» gehören ihm – und auch gleich «Sion 2030» hat er sich sichern lassen. Fällt im kommenden Juni das Projekt nämlich vor der Walliser Stimmbevölkerung durch, hätte Constantin zumindest schon einmal diesen Namen auf sicher. Wobei er zuversichtlich ist: Mit ihm an Bord werde man die Spiele 2026 schon bekommen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.12.2017, 23:02 Uhr

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