Spekulationen um Blatters Rolle bei Suspendierung seines Gegners

Sepp Blatter ist seinen stärksten Konkurrenten losgeworden und scheint nur noch einen Schritt von der vierten Amtszeit entfernt. Sein abgesägter Vize könnte ihm noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Nach seinem Rückzug ist Sepp Blatter so gut wie gewählt: Mohamed bin Hammam.

Nach seinem Rückzug ist Sepp Blatter so gut wie gewählt: Mohamed bin Hammam. Bild: AFP

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Mit der Suspendierung der Exekutivkomitee-Mitglieder Mohammed bin Hammam und Jack Warner hat der Korruptionsskandal in der Fifa einen neuen Höhepunkt erreicht. Bin Hammam wollte in der Fifa-Präsidentenwahl vom kommenden Mittwoch gegen Amtsinhaber Blatter antreten. Wenige Stunden vor einer Anhörung durch die Fifa-Ethikkommission hatte der Funktionär aus Katar seine Kandidatur jedoch zurückgezogen.

Nach der Anhörung wurde Bin Hammam von der Ethikkommission vorläufig suspendiert. Ihm wird Bestechung von karibischen Fifa-Funktionären vorgeworfen. Ebenfalls suspendiert wurde Fifa-Vizepräsident Jack Warner. Auch er soll in einen Bestechungsfall verwickelt sein.

Spekulationen um Komplott

Der deutsche Sportjournalist Jens Weinreich hatte bereits vor zehn Tagen auf seinem Blog spekuliert, Bin Hammam werde am 1. Juni «kein Kandidat mehr sein». Weinreich bezog sich auf «gut unterrichtete Quellen» und präsentierte zwei mögliche Szenarien, nach denen sich die Schlammschlacht in der Fifa abgespielt haben könnte. Demnach sollen Blatter-Getreue gezielt kompromittierende Informationen über Bin Hammam zusammengetragen haben, die gegen den Blatter-Konkurrenten verwendet werden können. Angeblich soll Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke persönlich dem Katarer den Rückzug aus der Wahl nahegelegt haben.

Das zweite Szenario besagt, dass Blatter den Sohn des Emirs von Katar – der wie Blatter im Internationalen Olympischen Komitee sitzt – eingespannt haben soll. Demnach habe Blatter den Prinzen gewarnt, die Korruptionsvorwürfe gegen FIFA-Funktionäre könnten die WM 2022 in Katar in Mitleidenschaft ziehen. Blatter und der Sohn des Emirs sollen einen Deal abgeschlossen haben: Katar sorge für Bin Hammams Rückzug, dafür unternehme Blatter alles, dass die WM in Katar stattfinden könne.

Warner kündigt «Fussball-Tsunami» an

Blatter ist nach dem Ausscheiden Bin Hammams der einzige Kandidat für die Wahl vom Mittwoch, einer vierten Amtszeit des Wallisers scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Es sei denn, der suspendierte Vizepräsident Jack Warner macht seine Drohung wahr. Er hatte vor seiner Reise zur Anhörung der Ethikkommission für die kommenden zwei Tage «schockierende» Enthüllungen angekündigt: «Sie werden einen Fussball-Tsunami erleben, der die Fifa und die Welt erfassen wird, und das wird sie schockieren.» Details nannte Warner nicht.

Währenddessen sieht sich der Weltfussballverband drei Tage vor der Wahl seines Präsidenten immer heftigerer Kritik ausgesetzt. Franz Beckenbauer, der bald von seinem Posten im Fifa-Exekutivkomitee zurücktritt, bezeichnete den Skandal gegenüber BBC als «Katastrophe für den Fussball». Der ehemalige Marketingchef der Fifa, der Schweizer Guido Tognoni, sagte in einer Analyse gegenüber der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens, dass «Blatter riesige Angst vor Bin Hammams Kandidatur hatte». Denn der Katarer habe dem Walliser bei dessen Kandidatur 1998 die nötigen Stimmen besorgt.

Laut ungenannten Quellen der englischen «Times» soll gar der britische Premierminister David Cameron die Geschäfte der Fifa als «ziemlich schmuddelig» bezeichnet haben. Cameron unterstütze seinen Sportminister Hugh Robertson gar in dessen Forderung, die Wahl vom Mittwoch zu verschieben.

Erstellt: 30.05.2011, 00:04 Uhr

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