Stuttgart will «Stallgeruch»

Fredi Bobic entliess Christian Gross und will den VfB als Sportdirektor zum Erfolg zurückführen. Dabei setzt er auf heimische Tugenden.

Der grosse Hoffnungsträger: Fredi Bobic, Sportdirektor des VfB Stuttgarts.

Der grosse Hoffnungsträger: Fredi Bobic, Sportdirektor des VfB Stuttgarts. Bild: Keystone

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Fredi Bobic wirkt immer noch wie einer, der es faustdick hinter den Ohren hat. Die Physiognomie des 39-jährigen Sportdirektors des VfB Stuttgart ist geprägt von den kleinen Augen, die noch kleiner werden, wenn er lächelt. Und wenn er den Kopf ganz leicht schief hält, dann sollte man gefasst sein. Auf eine überraschende Gegenfrage, einen knappen, markigen Spruch, eine lustige Replik.

Überraschend selbstbewusst

Am Samstag benutzte Bobic alle diese Ausdrucksformen, er musste seiner Emotionen irgendwie Herr werden. 2:2 hatte Stuttgart auf Schalke gespielt, vier Tage nach der Entlassung von Chefcoach Christian Gross war der Druck beim Tabellenletzten extrem. «Jens hat die richtige Ansprache gefunden», sagte Bobic über Jens Keller, der zumindest vorübergehend zum Chef ernannt wurde.

Die Mannschaft trat tatsächlich überraschend selbstbewusst auf, sie hatte die klareren Chancen, und hätte nicht das Schiedsrichter-Trio zweimal massgeblich gegen den VfB entschieden, wäre mehr als der eine Punkt dringelegen.

Kein gutes Pflaster für Trainer

Keller hat also vieles richtig gemacht – und damit auch Bobic. Der VfB hat den Präsidenten Erwin Staudt und den Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Hundt, beide gehen davon aus, dass zumindest sie selbst keine Fehler machen. Für Trainer ist das kein gutes Pflaster. Veh, Trapattoni, Babbel, Gross – sie mussten alle nach jeweils starken Hinrunden den Hut nehmen, sobald es ein paar Spiele lang nicht so gut lief. «Hire and fire» nach bestem spätkapitalistischem Muster? Klar, denn schliesslich ist Dieter Hundt zugleich Präsident des deutschen Arbeitgeberverbandes.

Jetzt ruhen die Hoffnungen also auf Bobic und Keller. Dass der Sportdirektor eine Lösung anstrebte, die er gerne mit dem Begriff «Stallgeruch» assoziiert, ist nur logisch. Bobic selbst hat nie vergessen, wem er etwas zu verdanken hat. Als seine Karriere in jungen Jahren auf der Kippe stand, bot ihm der damalige Drittligist Ditzingen die Chance, sie neu zu lancieren.

Fehlentwicklungen wurden beobachtet

Keller denkt ähnlich, die beiden sind bodenständige Schwaben, aber mit dem Selbstvertrauen des Bundeslandes mit der so gut funktionierenden Wirtschaft versehen. So kritisierte Keller Gross gleich nach dessen Entlassung, weil der Schweizer nicht auf den Assistenten gehört hatte, als er «gewisse Fehlentwicklungen» beobachtet und angesprochen habe, wie Keller sagte.

Das mag Bobic, Staudt und Hundt gefallen haben, in der Szene war die Resonanz anders: «Also, so etwas geht gar nicht», schimpfte HSV-Coach Armin Veh im «Sportstudio». Bobic wird gelächelt haben, sie können schliesslich alles im Schwabenland und Bobic sogar Hochdeutsch.

Erstellt: 18.10.2010, 09:00 Uhr

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